3.0

MB-Kritik

Kalter Hund 2026

3.0

Lea Drinda
Victoria Mayer
Corinna Harfouch
Karoline Eichhorn
Thomas Mraz
Mai Duong Kieu
Lara Mandoki
Kathrin Anna Stahl
Christian Baumann
Gisela Aderhold
Marion Krawitz
Johanna Bittenbinder
Jeremias Meyer
Niels Bormann
Judith Toth
Christiane Bärwald

Inhalt

Fanny findet ihren Großvater an seinem 100. Geburtstag tot in seinem Bett. Er hat sich mit einem Barbiturat für Tiere das Leben genommen, das sie ihm nichtsahnend vom familiengeführten Gnadenhof besorgt hatte. Die Familie versucht, den geladenen Geburtstagsgästen den Tod des Patriarchen zu verheimlichen, was allerdings nicht lange gelingt. Nachdem das Testament verschwunden ist, beginnt ein Erbstreit in der Familie.

Kritik

Der Auftakt von Pauline Roennebergs Ensemblefilm weckt Erinnerungen an Alfred Hitchcocks Immer Ärger mit Harry: Am Morgen des 100. Geburtstag ihres Ehemanns findet Marianne (Corinna Harfouch, Sterben) ihn nur noch tot in seinem Bett vor. Offenbar hat er den Freitod durch ein Tier-Barbiturat gewählt. Völlig geschockt bleibt Marianne kaum Zeit, um einen klaren Gedanken zu fassen, steckt sie doch bereits mitten in den Vorbereitungen für die anstehenden Feierlichkeiten, für die nicht nur die Presse und Gemeindeprominenz anrückt, sondern auch die sich nicht immer grüne Patchwork-Familie gesammelt auf der Matte steht. Lange geht das Verheimlichen des Todesfalls dann doch nicht gut und als auch noch das Testament nicht aufzufinden ist, brechen Stück für Stück alle über die Jahre schwelenden Familienkonflikte endgültig an die Oberfläche.

Nach dem recht amüsanten Start ächzt das Bühnen-hafte Problem-Gewälze unter dem eigentlich begrüßenswerten, eigenen Anspruch, mehr als nur das übliche Comedy-Gekeife anstrengender, deutscher Spießbürger zu sein, wie es seit Jahre im Mainstream Usus ist. Das verläuft aber bald in eine vielleicht weniger dämliche, aber nicht minder anstrengende und prätentiöse Richtung, wenn man sich nicht recht zwischen Humor und aufrechter Vergangenheitsbewältigung entscheiden kann oder möchte. Das hat am Ende keinen echten Anspruch und reizt gleichzeitig kaum mal mehr zum Schmunzeln an. Ein Paradebeispiel für beide Punkte ist diese Familienaufstellung im Rahmen einer alternativen Therapie, die wohl eigentliche eine Parade-Sequenz sein soll, aber das komplette Problem des Films im negativen Sinn auf den Punkt bringt. Danach wird der Plot leider nur noch schwächer, da man sich mit unnötigen Nebensträngen und Momenten noch zusätzlich ausbremst und somit die Handlung auch noch weit über die zwei Stunden Marke streckt, was dem Ganzen noch weniger zuträglich ist. 

Eine Sache muss man dem Film aber lassen: die Darstellenden sind sichtlich bemüht und ziemlich gut. Das ihre Rollen überwiegend unsympathisch Nervensägen sind, dafür können sie schlicht und ergreifend nichts. Corinna Harfouch ist wie eh und je der Fels in der Brandung, aber Lea Drinda (In die Sonne schauen) - in der Rolle der einzigen nicht Backpfeifen-würdigen Figur der Enkelin Fanny – untermauert ihren Status als eine der Entdeckungen der letzten Jahre. Hoffentlich gehört sie nicht auch bald zur unzertrennlichen Runde der ewig gleichen Gesichter, die gefühlt immer durch dasselbe Drehbuch geistern müssen. Wobei, nur so lässt sich in Deutschland scheinbar wirklich Geld im Kino zu machen. Der Erfolg sei ihr natürlich gegönnt – vielleicht geht es auch mal anders. Man wird ja wohl noch träumen dürfen…

Fazit

Ambitioniert und teilweise sogar fabelhaft gespielt, aber hinter den guten Vorsätzen schlummert wieder nur biedere, zähe TV-Plus-Ware, die weder in die eine oder andere Richtung effizient funktionieren mag. Vermutlich hätte man den Film um locker 40 Minuten kürzen können ohne ihm zu schade, ganz im Gegenteil. Damit lockt man weder Menschen ins Kino, noch erfüllt den Anspruch gehobener Filmkunst.

Autor: Jacko Kunze
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