„Tod einer Ikone“, mit dem viel stimmigeren Originaltitel „Soaked in Bleach“, steckt sich selbst hohe Ziele. Aufgeklärt werden soll die Geschichte um Cobains Suizid, eine ganz neue Perspektive will man aufzeigen. So mischen sich Interviews mit dem Privatermittler Tom Grant, Interviews mit Menschen die Kurt auf irgendeinem Weg kannten und nachgestellte Szenen zu einem Potpourri, dessen Duftrichtung sich recht eindeutig identifizieren lässt. Der erste Manager der Band kommt zu Wort, der erste Drummer, Freunde, die zum entscheidenden Zeitpunkt und lange Zeit davor nicht in Cobains Leben anwesend waren. Sie alle sind sich einig: Kurt war ein optimistischer Mensch mit großen Plänen für die Zukunft. So laufen die knapp 90 Minuten Spielzeit von der ersten Einblendung einer Texttafel an in genau eine Richtung: Courtney Love hatte mit dem angeblichen Suizid von Kurt Cobain etwas zu tun. Von der Aussage, dass sie selbst seine Ermordung in Auftrag gegeben hat, davor schreckt der Film letztendlich zurück. Doch bis zum bitteren Ende wird sich alle Mühe dabei gegeben, sie als extrem unsympathisch darzustellen: permanent auf Drogen, stets mindestens halbnackt, völlig schamlos, kontrollsüchtig, neidisch auf die Karriere von Nirvana, neidisch weil es mit der eigenen Band nicht so gut läuft, nur aufs Geld fokussiert, paranoid wegen einer möglichen Scheidung und absolut in der Lage und gewillt, ihren Mann umbringen zu lassen.
Dem gegenüber steht Privatermittler Tom Grant, der von sich selbst sagt dass er außerordentlich gut in seinem Beruf sei, weil er „Logisch denkt und Sinn und Verstand benutzt, um Fälle zu analysieren“. Also quasi Grundvoraussetzungen für den Job. Dennoch kommt er nicht auf die Idee, das ganze Haus zu untersuchen, niemand bei der Polizei will mit ihm sprechen. Gemeinsam mit ein paar Forensikern und ehemaligen Polizisten wird dann festgestellt, dass die Polizei die Sachlage nicht gründlich genug untersuchte, die Schlussfolgerung „Suizid“ zu schnell geschlossen wurde. Doch die Schuld liegt, wer hätte es gedacht, nicht bei der Polizei sondern bei Courtney Love, die im Alleingang die ganze Polizei mit Vermisstenmeldungen verwirrt hat. Generell macht die Polizei in diesem Film keinen guten Eindruck, aber auch daran ist vermutlich Courtney Love irgendwie Schuld. Nach dem Tod von Kurt Cobain hat sie dann, wieder im Alleingang, die kompletten Medien manipuliert. Doch wenn man an diesem Punkt der vermeintlichen Dokumentation ankommt, ist das auch egal, denn die Meinungsmache und Einseitigkeit, mit welcher der Fall behandelt wird, ist nahezu beispiellos.
Doch am Ende werden die Autopsiereporte nicht herausgegeben, da sich die entsprechenden Ämter scheinbar dem Freedom of Information Act wiedersetzen. So wird munter spekuliert, ob die angegebene Menge an Heroin tatsächlich machbar wäre, welche Drogen noch im Spiel waren und wie die Verletzungen genau ausgesehen haben. Auch wird sich damit befasst, wie die Patronenhülse hätte landen müssen, und wie sie gelandet ist. Statt die Herausgabe der Berichte also unter Berufung auf den Act zu fordern, ergötzt man sich im Reich der Spekulationen. Die Anwältin folgt ihrer Intuition, dass der Abschiedsbrief ein Fake ist, geschrieben von….die Richtung dürfte klar sein. Doch sie verschweigt ihre „Informationen“, und so kann Ermittlergenie Grant ihr einreden dass sie Mitschuld trägt an den Suiziden, die jugendliche Nirvana-Fans begehen.
So ist es also kollektives Scheitern der Polizei, die Tatsache dass Cobain zu viel Heroin im Blut hatte um überhaupt noch irgendetwas tun zu können und die Handhabung der Shotgun, die keinen Sinn ergibt, auf denen diese Dokumentation aufbaut. Der Film legt nahe, dass Courtney Love mit all diesen Dingen zu tun gehabt hat. Vor einer handfesten Anschuldigung wird allerdings zurückgeschreckt, vermutlich fürchtet man juristische Konsequenzen. Erst zum Ende hin sprechen sich Experten dafür aus, den Fall neu aufzurollen.
Doch bis dahin muss sich der Zuschauer durch zahlreiche, schlecht gedrehte, teilweise nachgespielte Szenen kämpfen. Grundsätzlich regnet es, die Szenen sind schlecht ausgeleuchtet und zwischendurch hat man das unangenehme Gefühl, eine beliebige Episode einer schlechten „Fall der Woche“-Krimiserie zu schauen. Während die Courtney Love Darstellerin, Sarah Scott, ihrem Vorbild beinahe wie aus dem Gesicht geschnitten ist, kann dies von Tyler Bryan als Kurt Cobain kaum behauptet werden. Originalaufnahmen der beiden sind rar. Die Entscheidung, über das nachgespielte Geschehen teilweise originale Tonbandaufnahmen zu legen mag originell sein, verkommt aber dank der billigen Drehweise zum schlechten Scherz.