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Filmemacher Enrique Goded sucht Inspiration für sein nächstes Projekt, als er unerwarteten Besuch bekommt. Ein junger Mann steht vor seiner Tür und stellt sich als Ignacio vor. Jener Ignacio, mit dem Enrique einst auf dem katholischen Internat der Salesianer eine tiefe Freundschaft verband. Aber dann musste Ignacio die Schule verlassen und die Wege der Freunde trennten sich. Mittlerweile hat er den Namen Ángel angenommen und arbeitet als Schauspieler. Und er hat Enrique eine Geschichte mitgebracht, seine eigene Lebensgeschichte, die er von seinem ehemaligen besten Freund verfilmen lassen will. Ángel selbst möchte die Hauptrolle in der Produktion übernehmen. Zunächst ist Enrique begeistert von der Idee, doch die anschließende Recherche für seinen neuen Film gerät immer mehr zur kriminalistischen Wahrheitssuche, reißt alte Wunden auf und bringt schreckliche Ereignisse aus der Vergangenheit ans Tageslicht.
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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Spätestens seit Alles über meine Mutter ist Pedro Almodóvar endgültig in die höchste Liga international anerkannter Filmemacher aufgestiegen. Seinen ureigenen Stil und seine kreativen Wurzeln hat der exzentrische Spanier dabei nie abgestrichen oder gar verleugnet, mit der Zeit nur immer mehr perfektioniert und wenigstens im Arthouse-Sektor „salonfähiger“ gemacht. Eigentlich hat das Publikum wohl eher gelernt, sich auf ihn einzulassen als umgekehrt, aber er ließ ihnen praktisch keine andere Wahl. Zu hochwertig, zu wichtig und unübersehbar außergewöhnlich war seine Arbeit inzwischen. Ein neuer Almodóvar wurde von flächendeckendem Interesse und fand nicht mehr nur in der Nische von queerem Independent-Kino statt. Alles über meine Mutter gewann den Oscar für den besten fremdsprachigen Film, das Folgewerk Sprich mit ihr – Hable con ella sogar den für das beste Originaldrehbuch. La mala educación – Schlechte Erziehung lief 2004 als Eröffnungsfilm in Cannes, konnte jedoch keinen wirklich großen, internationalen Filmpreis einstreichen. Dabei war dies zu jenem Zeitpunkt der vielleicht beste, definitiv aber der persönlichste Film seines Schöpfers.

La mala educación – Schlechte Erziehung ist ein typischer Almodóvar mit all den inzwischen unverzichtbaren Ingredienzien: Viel autobiographischer Einschlag, eine ganz selbstverständliche Einbeziehung von Homo- und Transsexualität (die nicht an die große Themenglocke gehängt werden muss), komplizierte bis kontroverse Beziehungsmodelle, giftige Anklage gegen allmächtige Autoritäten. Aber es ist ganz besonders der „neue“ oder besser gesagt der perfektionierte Almodóvar, dessen Form des Storytelling und seine Neigung zum intelligenten Thriller auf vielschichtigen Erzählebenen hier einen neuen Level erreicht. Was wir hier vorfinden, ist eine Geschichte in der Geschichte in der Geschichte, bei der im Prinzip nur eine erzählt wird. Diese dabei jedoch mit Wahrheit, Fiktion, Schein wie Sein so variabel, elegant jongliert und schlussendlich auch sich in seiner Auslegung immer wieder überraschend weiterentwickelt. Von Missbrauchsdrama über Suspense-Thriller zur gleichwohl tragischen wie auch provokanten Liebesgeschichte, in der so viel persönliche Aufarbeitung steckt, dass man kaum mutmaßen möchte, wie viele der eigentlich erschütternden Bestandteile denn wohl tatsächlich der Realität entstammen.

Die Raffinesse, Eleganz und Abgebrühtheit dieses Films ist selbst für fachkundige Beobachter des bisherigen Werdegangs von Pedro Almodóvar verblüffend, gerade weil er ja eigentlich alle an ihn im Vorfeld gesteckte Erwartungen erfüllt und mehr oder weniger das bietet, was sich vermuten ließe. Aber wieder um einen bedeutenden Schritt weiter. Trotz seiner festen Ankerpunkte kopiert sich Almodóvar nie wirklich und ganz speziell hier nicht, sondern entwickelt sich auch nach über 25 Jahren im Geschäft stetig weiter. La mala educación – Schlechte Erziehung ist aufregend, überraschend, emotional, wahnsinnig clever arrangiert, immer noch unangepasst und individuell-unbequem, aber nicht mehr wie das hochbegabte ADHS-Kind auf Koks. Das ist ein von vorne bis hinten perfekt durchdachter Film, der dennoch das Rebellische, das Aufmüpfige nicht nur im Herzen trägt, sondern vor die zurecht prall geschwellte Brust geschnallt hat. Diesmal halt nur auf allerhöchstem Niveau. Auf so eine Art und Weise wäre selbst Hitchcock bestimmt neidisch gewesen, denn näher waren sich die beiden bisher nie.

Fazit

Der 16. Spielfilm von Pedro Almodóvar stellte bis dato seine selbstbewussteste, durchdachteste, narrativ intelligenteste Arbeit dar. Von der ersten Minute packend und stetig in Bewegung, nie vorhersehbar und mit so vielen Eindrücken, Gedankengängen und Diskussionsansätzen versehen, dass es einen förmlich überrollt. Auf so vielen Ebenen überzeugend bis überwältigend, ein wahres Kunststück.

Autor: Jacko Kunze

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