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Die Geschichte des ersten, erfolgreichen Nonstopflugs von New York nach Paris im Jahr 1927 durch Charles A. Lindbergh.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Mit seinem mehr als 33stündigen Flug vom 20. auf den 21. Mai 1927 schrieb Charles A. Lindbergh Luftfahrtgeschichte. Als erstem Mensch gelang ihm ein Nonstopflug von New York nach Paris. Das Ende eines halsbrecherischen Wettbewerbs, den einigen Konkurrenten unmittelbar zuvor mit ihrem Leben bezahlt hatten. Niemand anderer als Billy Wilder (Boulevard der Dämmerung) zeichnete sich sowohl als Co-Autor wie als Regisseur verantwortlich und begab sich damit (augenscheinlich) auf das ungewohnte Terrain des Biopics, was zumindest kommerziell auch einer Bruchlandung gleichkam. Auch heute findet der Film höchstens noch am Rande Erwähnung und gehört sicherlich nicht zu den zahlreichen Sternstunden seines Schöpfers, verfügt dennoch über einige interessante Facetten, die allein ihn als keinesfalls gescheitertes Projekt ausmachen.

Der Originaltitel ist (wie so oft) nicht nur besser, er ist bezeichnend für die Diskrepanzen von einem herkömmlichen Biopic zu dem, was Billy Wilder hier macht. Scheint der deutsche Titel Lindbergh – Mein Flug über den Ozean eben seine Hauptfigur in den Vordergrund zu stellen, ist es in Wahrheit doch die Mission bzw. The Spirit of St. Louis – der Name des Flugzeugs – an dem es den Machern primär gelegen ist. Natürlich anhand einer im ersten Moment vermutlich seltsamen „Interpretation“ von Charles A. Lindbergh als zentrale Figur, denn einen damals 25jährigen mit dem beim Dreh fast doppelt so alten James Stewart (Der Mann aus Laramie) zu besetzen wirkt wie ein ziemlich ungeschickter Casting-Coup. Allerdings distanziert man sich so wohl sehr bewusst von dem realen Lindbergh, oder eher erschafft nur ein künstliches Pendant. Ein künstlerischer Kniff, um nicht zu sehr die Frage nach der anderen Seite seines Helden beantworten zu müssen. Dem Charles A. Lindbergh, der sich Anfang der 1940er vehement gegen ein Eingreifen der USA in den Zweiten Weltkrieg einsetzte, jedoch nicht aus einem pazifistischen Gedanken. Propagierte, Europa sich selbst zu überlassen und notfalls auch mit den Nazis zusammenzuarbeiten, sollten die sich eben durchsetzen. Dem folgten dann auch noch direkt antisemitische Kommentare, die ein äußerst unrühmliches Bild der realen Figur zeichneten.

Wilder will keinen Film über die Person Lindbergh machen, sondern über das historische Ereignis. Greift zwar Biopic-übliche Wegpunkte hin zu diesem Event auf, allerdings nur in Rückblenden, die den Mainplot immer wieder unterbrechen. Ob das jetzt sein muss ist sicherlich diskutabel. Zwar sind diese mit einem spielerischen Humor amüsant inszeniert und bringen dem Zuschauer die Zusammenhänge näher, somit aber zwangsläufig auch die Hauptfigur, was der ursprünglichen Intention quasi wiederspricht. Zudem nehmen sie besonders der zweiten Hälfte und der dortigen One-Man-Show von Stewart etwas den Wind unter den Tragflächen. Konsequenz wäre nicht nur mutiger gewesen, sie würde das gesamte Anliegen des Films schlüssiger machen, sich eben nicht wirklich auf die fragwürdige Person Lindbergh zu sehr einlassen zu wollen. Als Abenteuer-, ja sogar Survival-Drama nach historischen Fakten könnte das Ganze auch so mühelos bestehen, würde sich aber auch sicher sehr gegen die Sehgewohnheiten und auch die Erwartungshaltung von Publikum und Geldgebern stemmen. Lindbergh – Mein Flug über den Ozean wirkt somit öfter mal wie ein Kompromiss, bei dem die ein oder andere Entscheidung dann eben aus den jeweilig verschiedenen Perspektiven nicht sinnvoll erscheint. Dank der handwerklich geschickten Inszenierung von Billy Wilder, der Zugpferd-Qualitäten von James Stewart und einigen durchaus spannenden Momenten insgesamt schon recht ordentlich, wenn auch nur bedingt dem Potential der Beteiligten entsprechend.

Fazit

Schade, dass Billy Wilder den Biopic-Charakter von „Lindbergh – Mein Flug über den Ozean“ nicht vollständig zum Macguffin macht, wie es ihm offensichtlich vorschwebte. Dann womöglich ein richtig spannendes und mutiges Projekt. So ist es unterhaltsam, kurzweilig, aber eben auch mit einigen kritischen Punkten versehen, die ihn zu einer halbgaren Veranstaltung machen. Allerdings fachlich so kompetent vorgetragen, das vom wenigstens einmaligen Ansehen keinesfalls abgeraten werden sollte.

Autor: Jacko Kunze

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