{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Quelle: themoviedb.org

Inhalt

In Jacmel, Haiti, lebt die Prostituierte Marie Madeleine frei und jenseits der gesellschaftlichen Regeln. Als sie Joseph begegnet – einem tiefgläubigen Evangelikalen –, entsteht zwischen ihnen eine unwahrscheinliche Verbindung. Während sein Glaube zu wanken beginnt, zieht sie ihn in eine Welt der Begierde und der Freiheit.

  • Jjo3mprw0uaksodx8yaotkyb4w7
  • Bstqhskv4alxewritsxjdzgwmv5
  • Folwzq0o21uborzrn1uvodjkzwr
  • 8yjpya2n9toz1rxhxjb0wkjb8fx
Quelle: themoviedb.org

Kritik

Nach ihrem vielbeachteten Spielfilm-Debüt Freda widmet sich Géssica Généus in ihrer zweiten Langfilm-Arbeit erneut einer haitianischen Frau am sozialen Rand, die mit Entschlossenheit und Elan ihren eigenen Weg geht. Der strukturelle Rahmen dieses individuellen Kampfs um Unabhängigkeit und ökonomisches Überleben in der Hafenstadt Jacmel an Haitis Südküste ist in dem kontrastreichen Lebensbild ebenso essenziell wie die individuellen Konflikte der Protagonistin. Die freigeistige Titelfigur verkörpert die Regisseurin selbst mit nuanciertem Gespür für die moralischen Widersprüche eines Landes zwischen Repression und Autarkie. 

Als selbstbewusste Sexarbeiterinnen ist Marie Madeleine (Géneus) auf den ersten Blick der gesellschaftliche Gegenentwurf des introvertierten Pastoren-Sohnes Joseph (Béonard Monteau). Dessen fundamentalistischer Vater Jacques (Edouard Baptiste) ist besessen davon, das örtliche Bordell gegenüber seiner Kirche schließen zu lassen. Seinen nahezu fanatischen Hass auf alle, die nicht in sein apodiktisches Weltbild passen, fürchtet insgeheim auch Joseph. Seine zaghafte Beziehung zu Marie Madeleine, der er nach einem Zusammenbruch beisteht, widersetzt sich romantischen Kino-Konventionen als verwurzelt in gegenseitiger Fürsorge und menschlicher Empathie. 

Gerade an jener fehlt es Jacques, der in einer verstörenden Szene einen grausamen Akt abergläubischer Lynchjustiz achtlos ignoriert. Dieses abrupte Nebeneinander unmenschlicher Brutalität und emotionaler Verrohung unterstreicht die inszenatorische Kompromisslosigkeit des spröden Szenarios. Dessen konfliktiver Kosmos entwickelt seinen eigenwilligen Reiz aus dem Verzicht auf ein sentimentales Ästhetisieren von Armut und Ausgrenzung zugunsten eines rauen Realismus. Spiritualität und Sexualität, Gewalt und Gemeinschaftssinn prallen aufeinander in einem von Kapitalismus und Klerikalismus geformten Krisenraum zwischen kolonialistischer Vergangenheit und wirtschaftlich instabiler Zukunft. 

Fazit

Die innere Zerrissenheit des ungleichen Hauptfiguren-Paars Géssica Géneus schnörkellosen Sittengemäldes zieht eine private Parallele zu den übergreifenden Motiven von evangelikalem Extremismus und sinnlicher Selbstbehauptung, voodooistischer Kulturtradition und neo-kolonialistischer Notwendigkeit. Wenn die Protagonistin der biblischen Auslegung ihres titelgebenden Namens ein biografisches Narrativ entgegenstellt, weist sie damit gleichsam den Weg in eine eigenständige Zukunft, die eine Fremddefinition ihrer Geschichte bewusst von sich weist. Nicolas Canniccionis Kamera beobachtet farbenfrohe Stadtkulissen und Menschen mit einer impulsiven Expressivität, deren Lebendigkeit strukturelle Unebenheiten ausgleicht. 

Kritik: Lida Bach

Wird geladen...

×