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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Die akribisch kontrollierte Existenz eines hochrangigen Managers gerät aus den Fugen, als berufliche Krisen, globales Chaos und ehelicher Verrat zusammenlaufen und ihn an einen gefährlichen Punkt des Zusammenbruchs treiben.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Emotionale Entfremdung und moralischer Verfall überschneiden sich in den partnerschaftlichen und politischen Handlungsebenen Andrej Swjaginzews (Loveless) erster Regie-Arbeit außerhalb seiner russischen Heimat. Deren diktatorische Degeneration ist indes allgegenwärtig in dem doppelbödigen und doppeldeutigen Drama, angelehnt an Claude Chabrols Beziehungsthriller „La Femme Infidèle“. Dessen zentrale Themen verlorenen Vertrauens und romantischen Verrats manifestieren sich ungleich harscher und fatalistischer in der kargen Studie ethischer Erosion. Institutionelle Instrumentalisierung macht Zivilist*innen gezielt zu Mittäter*innen eines militärischen und humanitären Verbrechens.

Berufliche Sicherheit und partnerschaftliche Harmonie enthüllen sich als fatale Täuschungen vor dem beklemmenden Hintergrund machtpolitischer Monstrosität. Der wohlhabende Unternehmer (Dmitriy Mazurov) verdächtigt seine Gattin Galina (Iris LebedevaDie Tauschfamilie), die sich emotional längst von ihm zurückgezogen hat, einer Affäre mit dem jüngeren Fotografen Anton (Yuriy Zavalnyouk). Als Putins Invasion de Ukraine beginnt, werden der pragmatische Protagonist und andere führende Geschäftsleute zu einem Meeting mit dem Bürgermeister geordert. Jeder soll eine Liste mit Wehrdienst-Kandidaten vorlegen - zum eigenen Besten.

Die systemische Strategie moralischer Manipulation und kollektiven Konformismus fällt auf fruchtbaren Boden bei Gleb. Seine unaufhaltsame Verrohung steht im Kontext eines ideologischen Umschwungs, den unheilvolle Verweise ankündigen. Putins Konterfei auf einem Bild im Bürgermeister-Büro, der Buchstabe Z als Bekundung von Nationalismus und Militarismus, patriotische Propaganda-Plakate und kriegsversehrte Passanten indizieren den autoritären Apparat und dessen brutale Auswirkungen. Mit beklemmender Ruhe seziert das nüchterne Triptychon aus Seelen-, Sozial- und Systemobduktion die totalitäre Rationalisierung des Staates und des Individuums. 

Fazit

Den Krieg belässt Andrey Zvyagintsevs pessimistischer Thriller gezielt außerhalb des Sichtfelds, doch seine Konsequenzen und Korrumpierung sind bedrückend präsent. Männer werden zu militärischen Ressourcen, Frauen zu Trophäen in einem Besitzkampf. Der anonyme Schauplatz einer russischen Kleinstadt atmet nicht zufällig die repressive Aura des Stalinismus. Gleich kühl komponierten Tableaus verleihen die Einstellungen jedem Detail moralische Metaphorik. Verborgen in einem Labyrinth aus Bürokratie und Propaganda ist das Monstrum nicht allein der Krieg, sondern der eigene humanistische Integritätsverlust. 

Kritik: Lida Bach

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