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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Paraguay, 1959: Zum ersten Mal bebt ein ausländischer Rhythmus durch Asunción. Rock ’n’ Roll hat den Weg ins Radio gefunden und bringt Hitze, Tempo und die vage Illusion mit sich, dass sich die Zeiten ändern könnten. Die Stadt fühlt sich jünger und lockerer an. Für einen kurzen Augenblick scheint sie aus dem eigenen Takt geraten. Gleichzeitig hält ein zweiter Rhythmus Einzug. Langsamer. Schwerer. Ein disziplinierter Puls, der Gesten anordnet, Stimmen zum Schweigen bringt und die Grenzen dessen, was gesehen und begehrt werden darf, neu zieht. 

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Die blutigen Spuren der Militärdiktatur in der jeweiligen Landesgeschichte manifestiert sich im lateinamerikanischen Kino der Gegenwart als ein übergreifendes Thema, das auch Marcelo Martinessis fatalistisches Historienspiel prägt. Der Schatten Alfredo Stroesners autokratischen Regimes senkt sich immer bedrohlicher auf den gefeierten Protagonisten und sein trügerisch tolerantes Umfeld. Im Asunción des Handlungsjahres 1959 scheint mit der wachsenden Popularität von Rock ‘n Roll, US-amerikanischen Filmen und Lebenskultur Fortschritt ein Zeitwandel zum Greifen nahe. Doch der politische Umbruch bringt das Gegenteil der erhofften Freiheit.

Der lebenshungrige Narciso (Diro Romero) wird zur Symbolfigur der gegen verstaubte Moralvorstellungen und Traditionen aufbegehrenden jungen Szenen. Im örtlichen Radiosender, der das Publikum mit populären Platten US-amerikanischer Stars sowie Horror-Hörspielen unterhält, ist der temperamentvolle junge Künstler ein Fokus-Punkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das bringt ihn in Visier der Militärpolizei, die den vermeintlich dekadenten Lebensstil unterbinden soll. Seine angedeuteten Affären mit Männern und Frauen beobachtet auch der Sender-Chef (Manuel Cuenca) immer nervöser. Die frenetischen Nächte voll Musik werden zum Tanz auf dem Vulkan.  

Basierend auf Guido Rodríguez Alcalás Roman “Who killed Narciso?”, der wiederum den realen Mord an dem jungen Musiker Bernardo Aranda untersucht, komponiert der Regisseur und Drehbuchautor einen opulenten Genre-Mix mit politischen Untertönen. Musikfilm, Memoire und Noir-Drama verzahnen sich zu einer semi-biographischen Ballade über Leidenschaft und Gewalt.  Das musikalische Momentum wird zum allegorischen Ausdruck eines im Keim erstickten Fortschritts. Jener kulturelle und soziale Aufbruch, visuell und narrativ verbunden mit den gängigen Tropen sexueller Freizügigkeit und Kollektivgeistes, ist Gegenentwurf staatlicher Kontrolle über Körper und Kultur. 

Fazit

Chiaroscuro-Bilder und dominierende Nachtszenen schaffen eine Neo-Noir-Optik im Kontrast zur flüchtigen Unbeschwertheit der Charaktere. Deren Motive und Beziehungen bleiben indes oft schemenhaft, ähnlich de wachsenden Drucks seitens des Regimes. Das Ausmaß des Terrors eines Parteiapparats, der bis heute alarmierende Macht besitzt, lässt sich nur erahnen. Figurenentwicklung und historische Aufarbeitung bleiben Randelemente einer Story, deren Hochglanz-Homogenität klare Zeitkritik untergräbt. Die Gegenüberstellung der Eröffnung eines Wasserwerks mit einer Militär-Razzia zeigt die Taktik exekutiver und ökonomischer Symbolkampagnen. Doch solche pointierte Momente sind die Ausnahme in dem glattpolierten Geschichtsbild.

Kritik: Lida Bach

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