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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Dozent und Schriftsteller Joel steckt in einer Midlife-Crisis, wie sie im Buche steht: Seine Ehe ist am Ende, sein Vertrag als Literaturdozent wird nicht verlängert und Dating wird in der Lebensmitte auch nicht einfacher. Nun muss er sein Leben neu ordnen.

Kritik

Gesehen beim 32. Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg

Dostojewski soll gesagt haben, dass es unmoralisch ist, länger als 40 Jahre zu leben. Ob es tatsächlich so ist, sollte jeder für sich selbst herausfinden. Zumindest kommt vermutlich nicht jeder im Laufe seines Lebens in den zweifelhaften Genuss, eine Midlife-Crisis zu erleben. Dem Protagonisten Joel (Jonas Chernick, The End of Sex) bleibt diese Erfahrung nicht erspart und mit fortschreitender Handlung kommt immer mehr zum Vorschein, dass „Negative Capability“ eine Fähigkeit ist, die er womöglich gar nicht besitzt. „Negative Capability“ ist die Lebenskunst, Ambivalenzen, Unklarheiten und Ungelöstes auszuhalten. Doch wie viel kann Joel eigentlich noch aushalten? Seine Ehe zerbricht, sein Dating-Leben ist ein Desaster und auch seine Arbeit gibt ihm immer mehr Anlass zur Sorge. Joel bezeichnet sich selbst als einen mittelmäßigen Mann mittleren Alters, was an sich noch nicht das Problem ist. Das echte Problem ist, dass er viel mehr vom Leben erwartet hat und eben nicht in der Mittelmäßigkeit versinken wollte.

Der Drehbuchautor und Regisseur Jesse Ziegelstein (Nose to Tail) kreiert mit Joel eine bemittleidenswerte Figur, die nach seiner eigenen Aussage eine übertriebene fiktionalisierte Version seiner selbst ist. Das macht die Geschichte authentischer und man merkt, dass Negative Capability ein Herzensprojekt von Jesse Ziegelstein ist. Die Frage ist nur, ob dieses Projekt gelungen ist oder nicht. Im Großen und Ganzen ist die Umsetzung des Drehbuchs gelungen, weil sie humorvoll und tiefgründig zugleich ist und viel Liebe für seine neurotische Hauptfigur zeigt. Man empfindet als Zuschauer tatsächlich viel Mitleid mit Joel, weil auch die witzigen Szenen von einer traurigen Grundstimmung erfasst sind, sodass man die Figur am liebsten in den Arm nehmen möchte. Doch anderseits möchte man der Figur auch dringend ins Gewissen reden, was seine Mutter dann im Endeffekt tut. Er ist ein gesunder Mann, der keinerlei finanzielle Verpflichtungen gegenüber seiner Ex-Frau hat und trotzdem nicht aufhören kann zu jammern. Laut seiner Mutter könnte er ganz leicht ein neues Leben beginnen. Das tut er aber aus irgendeinem Grund nicht.

Jesse Ziegelstein erzählt, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, diese Szene zu interpretieren. Entweder man gibt der Mutter Recht oder man merkt an, dass sie zu harsch mit ihm umgeht. „Jeder Mensch hat seine Gründe.“ Aus der Sicht der Mutter ist ihr Sohn ein Weichei und aus der Sicht des Sohnes zeigt seine Mutter einfach zu wenig Verständnis für seine Lage, weil er trotz der Überlegenheit seines Geschlechts vom Leidensdruck nicht befreit ist. Negative  Capability könnte im Endeffekt auch „Die Leiden eines mittelalten Mannes“ heißen, weil Joel immer und immer wieder seine Probleme wälzt und sehr ausführlich darüber redet. Der Film enthält sehr viele lange, intellektuell angehauchte Dialoge, die oft aus einer Kameraperspektive aufgenommen werden. Die Kamera ist seitlich auf zwei sprechende Figuren gerichtet, die über Literatur, das Leben oder die Liebe diskutieren.

Jesse Ziegelstein offenbart selbst, dass Negative Capability ein Low-Budget-Film ist, bei dem bewusst lange Dialogszenen eingesetzt wurden, weil sie in der Produktion billiger sind. Trotz des geringen Budgets ist die Anordnung der Szenen und auch ihre Länge vollkommen in Ordnung. Man könnte die Dialoge an der einen oder anderen Stelle für zu lang halten, doch wenn man sich vollends auf den Film einlässt, dann wird man sich nicht daran stören. Es ist eben kein Blockbuster mit den scheinbar unendlichen Ressourcen, sondern ein kleiner Film, der von der Liebe zur Kunst und Literatur getragen wird. Negative Capability ist wie das Leben selbst, es ist tragisch, emotional, witzig, hoffnungsvoll und niederschmetternd zugleich. Es ist nicht immer alles schwarz und weiß und manchmal müssen die Dinge zerbrechen, damit etwas Besseres entstehen kann, und Negative Capability lehrt uns, auszuhalten, bis es besser wird.

Fazit

Ein emotionales und humorvolles Low-Budget-Drama über die Midlife-Crises. „Negative Capability“ ist ein gelungenes Herzensprojekt von Jesse Ziegelstein.  

Kritik: Yuliya Mieland

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