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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Eine Auseinandersetzung mit der politischen Neutralität der Schweiz, die dabei tief in die eidgenössische Seele blickt. Die beiden Filmschaffenden nutzen ihre persönlichen Erfahrungen als Ausgangspunkt, um dieses Konzept und seine Entwicklung bis hin zur Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat zu hinterfragen. Ist es in unserer Welt der zunehmend polarisierenden Konflikte überhaupt noch möglich, etwas anderes zu sein als entweder dafür oder dagegen?

Kritik

Wie neutral ist die Schweiz? Und was bedeutet diese Neutralität überhaupt für die Schweiz und ihre Menschen? Diese Fragen stellte sich eigentlich niemand, bis Russlands Außenminister Ivan Nechayev angesichts der Sanktionen der Eidgenossenschaft gegen Russland monierte, die Schweiz sei keine neutrale Nation mehr. In den Medien wurde der Kommentar reichlich spöttisch betrachtet, doch einige nehmen ihn sehr ernst. Dazu zählt - vermutlich überwiegend bis ausschließlich - die Initiative Pro Schweiz. Mit deren kurios konservativen Kampfansagen befassen sich Stéphane Goël und Mehdi Atmani.

Das Regie-Gespann stellt in seiner humorigen Doku die Neutralitätsfrage, allerdings ein wenig anders als die Pro-Schweizer Initiative es bei einer mit der Kamera besuchten Veranstaltung lautstark vom Podium. Der patriotische Pathos und nationalistische Narzissmus können selbst diejenigen aus der grauhaarigen Weiße-Männer-Runde, die während der glühenden Rede eingeschlummert sind, nicht aufwecken. Als landesweiter Weckruf sind sie somit eher ungeeignet. Doch Goël und Atami sind hellwach und betrachten in ihrer satirischen Schweiz-Studie den verkappten Nationalismus hinter der Forderung nach Unbeteiligtsein. 

Beider biographischer Hintergrund dient als Referenzpunkt des humorigen Hinterfragens, das Kitsch-Klischees wie Kuhglocken und Alpenwiesen mit politischer Paranoia zusammenführt. Anekdotische Altlasten wie die während des Zweiten Weltkrieges errichteten Schutzbunker im Gotthard-Massiv und zeitgenössische Forderungen nach Selbstschutz und Eigeninteresse als obersten Polit-Prinzipien sind die Eckpunkte der kurzweiligen Collage. Nationalmythologie und historische Narrative erscheinen als Fundament neuer individualistischer Ideologie. Deren intrinsische Verflechtung mit einer rechts-reaktionären Agenda wird nur oberflächlich untersucht. Wichtiger als Politik sind dabei Pointen und Selbstdarstellung. 

Fazit

“Der Starke ist am stärksten allein.”, heißt es in Stéphane Goël und Mehdi Atmanis mokanter Melange aus partizipatorischer und expositorischer Doku nach Wilhelm Tell. Auf der Suche nach absurden Momenten und kauzigen Begegnungen begibt sich die mit ironisch interpretiertem Archivmaterial ausgestattete Mockumentary auf eine revisionistische Reise, die weder politologisch noch soziologisch oder ideologisch je richtig von der Stelle kommt. An die unverkennbaren filmischen Vorbilder wie John Wilson reicht die spielerische Schweizer Selbsterkundung nicht heran. Und das ist keine hohe Messlatte. 

Kritik: Lida Bach

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