7.0

MB-Kritik

Never After Dark 2026

Horror

7.0

Moeka Hoshi
Kurumi Inagaki
Kento Kaku
Tae Kimura
Mutsuo Yoshioka
Bokuzo Masana

Inhalt

Eine blutverkrustete Schere, eine Zange, eine Axt. Und gähnende Stille. In diesem abgeschiedenen Anwesen ist Schreckliches passiert. Hierher kommt die introvertierte Airi. Sie besitzt die Gabe, mit Toten zu kommunizieren und ihnen den Weg in die nächste Welt zu weisen. Nun soll sie solch eine verlorene Seele loswerden. „Geister sind nicht gruselig“, glaubt Airi zu wissen. Ein fataler Irrtum. Denn die Entität, die hier im Gebälk lauert, pfeift auf die Ewigkeit. Und trägt in sich das schlimmste Geheimnis, mit dem Airi es je zu tun hatte.

"Never After Dark" wird im Rahmen des 40. Fantasy Filmfest gezeigt. Weitere Infos hier

Kritik

Die Geisterwesen, die sich im abgelegenen Schauplatz von s (Man from Reno, Daylight Savings) Mischung aus Haunted House-, Okkultismus- und Home-Invasion-Horror herumtreiben, sind nicht zwangsweise auch wirklich furchteinflößende Gestalten. Manchmal fühlt sich die Hauptfigur Airi (ShôgunThe Women in the Lakes) mit ihnen sogar wohler, als mit ihren lebenden Klient*innen. Besonders in der Nähe ihrer älteren, verstorbenen Schwester Miku (, 366 Days), ihrer ständigen Begleiterin. Ihr zwischenmenschliches/gespenstisches Zusammenspiel wird zum emotionalen Bindeglied zwischen Realität und Geisterwelt. 

So geduldig wie die Vorgehensweise der Protagonistin, wenn sie als Medium Kontakt zu den paranormalen Eindringlingen sucht, spielt Moeka Hoshi die routinierte, introvertierte Geisteraufspürerin. Von Beginn an legt Never After Dark größeren Wert darauf, die Hauptfigur und das überschaubare Setting mit Ruhe zu etablieren, als mit groben  Schockmomenten vorzupreschen. Boyle und sein eingespieltes Team, mehrere Köpfe arbeiteten vor und hinter der Kamera bereits bei Netflix' Shinobi no Ie: House of Ninjas zusammen, nehmen sich Zeit, die Regeln und Geheimnisse der Geschichte aufzubauen, psychologische Facetten der Figuren anzutasten, den Terror langsam Form annehmen zu lassen.

Letzterer versinkt niemals nur in plumpen Horrormetaphern, Jumpscare-Tiraden oder einem reinen Gewaltspektakel, ist punktuell aber eindringlich fies. Am einprägsamsten in Gestalt von  (The Samurai and the Prisoner) und seines, nicht nur während einer eigenwilligen Zahnbehandlung, diabolisch-einschnürenden Spiels.  (Like a Dragon: Yakuza) als junger skeptischer Auftraggeber und  (This is IInfection - Evil is Contagious) als aufgewühlte Hausbesitzerin ergänzen das kleine Ensemble, bleiben gegenüber der Hauptfigur und des seelenlosen Mannes ohne Namen jedoch eher blasse Nebenakteur*innen. 

Reizvoller sind da einzelne Akzente abseits der simplen Horrormechaniken wie dem zweckmäßigen Score oder der markanten Licht- und Farbsetzung. Airis nächtlicher losgelöster Tanz durchs Haunted House zum Beispiel, einem nicht erst seit Only Lovers Left Alive oder Der Rausch vertrauten, aber durchaus befreienden Momentum. Oder auch die unaufdringliche Art und Weise, mit der Boyles Drehbuch mit der Zeit spielt. Nichts davon erfindet das Rad von Grund auf neu, es sind jedoch die kleinen Abweichungen, die leicht in sich verschlungenen Wege, letztlich auch die Geduld selbst, mit der sich Never After Dark zumindest von unterentwickeltem Horrorschlonz abhebt.

Fazit

„Never After Dark“ verschmilzt Geisterbeschwörung, Home-Invasion und psychologische Schattierungen zu einem einem geduldigen und kleinskalierten Genrefilm. Was in Dave Boyles steril eingerichtetem Haunted House vor sich geht, folgt mal bekannten Horrorformeln, variiert diese aber auch dezent und ist vielleicht nicht immer innovativster, aber darstellerisch und handwerklich durchaus wirkungsvoller Natur.


Autor: Paul Seidel
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.