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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

1980. Nach einem weiteren Militärputsch in der Türkei. Hunderttausende wurden festgenommen. Fatma, die Anführerin einer Organisation, entkommt der Gefangennahme durch den Geheimdienst und sucht Zuflucht auf einer Baustelle.

Kritik

Ein streng eingegrenzter Schauplatz, auf gefühlte Echtzeit kondensierte Handlung, eine weibliche Hauptfigur und die titelgebende Nacht als symbolreicher Rahmen des düsteren Szenarios: Die dramaturgischen Kernpunkte, die Reis Çeliks persönlichem Psychothriller seine angespannte Aura verleihen, gaben auch seiner tragischen Persönlichkeitsstudie Night of Silence ihre verstörende Kraft. Beide Filme sind Teil seiner „Nacht“-Trilogie, deren lichtloser Zeitraum auch eine moralische Dunkelheit impliziert. War es in Night of Silence die archaische Finsternis der Tradition, ist es in seiner politischen Paraphrase ein ideologischer Abgrund.

Das Handlungsjahr der minimalistischen Story ist 1980, doch Parallelen zur Gegenwart sind unverkennbar. Die massiven Menschenrechtsverletzungen während Kenan Evrens Militär-Diktatur hinterließen in der Bevölkerung ein bleibendes Trauma, das der türkische Regisseur in individueller Form teilt. Çeliks eigene Erlebnisse während der Zeit politischer Verfolgung inspirierten die Handlung, die sich auf einer abgelegenen Hotel-Baustelle entspinnt. Der Fahrer, der die Bauarbeiter und ihre Familien mit Lebensmitteln beliefert, schmuggelt die junge Aktivistin Fatma (Ozge Arslan), getarnt als seine Schwester, am Militär-Kontrollpunkt vorbei unter die Gruppe. 

Als ein entschlossener Kommandant (İştar Gökşeven) und ein Ermittler (Aydin Orak, Mes -Lauf!) den einsamen Ort umstellen, versteckt der alte Brunnenbauer (Haci Ali Konuk) Fatma in der hölzernen Schalung für die Grundpfeiler. Um die Soldaten zu täuschen, vernagelt der Brunnenbauer den engen Raum. Das Versteck wird zum Sarg; einer beklemmenden Vorahnung des Schicksals, das Fatma womöglich erwartet. Ihr Leben liegt in den Händen der Fremden, die um ihre eigene Sicherheit und ihre Familien fürchten. Die expressiven Schwarz-Weiß-Bilder verweben dokumentaristischen Realismus mit expressionistischer Allegorik. 

Das architektonische Grundgerüst spiegelt die rohe Struktur des Plots, die Baustelle den nationalen Umbruch. Eine Stoffpuppe der Tochter einer Arbeiterfamilie versinnbildlicht die ausgelieferte Situation der Protagonistin. Ihre abgeschottete Position, von der sie die Ereignisse nur ausschnittartig beobachten kann, vermittelt den eingeschränkten Blick des Publikums und evoziert zugleich eine ideologische und ethische Sichtverengung. Fixiert auf die zwischenmenschliche Dynamik der Figuren, steigert die Inszenierung sukzessive die schwelende Spannung. Das abrupte Ende bleibt bewusst ambivalent: ein Schimmer Hoffnung, deren Verdunkelung am Horizont wartet.

Fazit

Gespenstisches Chiaroscuro verleiht Reis Çeliks langerwarteter Fortsetzung seiner „Nacht“-Trilogie eine albtraumhafte Atmosphäre, in der Sicherheit flüchtig und brüchig ist. Unterschwellige Paranoia nagt an Vertrauen und menschlicher Empathie der Figuren, deren Motive und Wahrhaftigkeit Çeliks selbstverfasstes Drehbuch bewusst unklar lässt. Das zurückgenommene Ensemble kontrastiert surreale Stilismen mit psychologischem Naturalismus. Der hintergründige Titel erweitert die situative Sinneseinschränkung zu einer sozialkritischen Metapher. Gewisse Aspekte der Gegenwart werden verharmlost oder ignoriert, kommentierte Çelik in Shanghai, wo sein semi-biographischer Wettbewerbsbeitrag einen mehrfachen Höhepunkt markiert. 

Kritik: Lida Bach

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