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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Mihail hat Bulgarien nach dem Tod seiner Frau in den 1990er-Jahren verlassen und seine Tochter Roza alleine in Montreal großgezogen. Fernab der Heimat hat er sich dort als Spezialist auf dem Gebiet der französischen und zeitgenössischen Kunst aufgebaut. Er wird von einem Sammler beauftragt, in einem bulgarischen Dorf die Werke eines achtjährigen Mädchen namens Nina zu begutachten, deren Bilder im Internet viral gegangen sind. Mihail zögert, lässt sich schließlich jedoch auf die Reise ein. 

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Exil, Erinnerung und die verschlungene Bedeutung von Zuhause ziehen sich als motivische Leitfäden durch Geneviève Dulude-De Celles’ (Les jours) sensibles Figurendrama. Eine kurzzeitige Vater-Tochter-Beziehung, die unvermittelt zwischen einem kanadischen Kunstkurator und einem bulgarischen Mädchen mit faszinierendem Zeichentalent wächst, wird zum gegenwärtigen Spiegel einer schmerzlichen Vergangenheit. Jene hat der skeptische Protagonist (Galin Stoev) auch nach Jahrzehnten nicht ganz verwunden. Die Reise in die malerische Provinz seines Herkunftslandes konfrontiert Mihail mit Verdrängtem und Versäumtem — und der fragilen Chance, schwerwiegende Entscheidungen anders zu treffen. 

Seit dreißig Jahren hat Mihail nicht nur seinem Geburtsland, sondern auch dessen Kultur den Rücken gekehrt. Entsprechend ablehnend begegnet er den Ansätzen seiner Tochter Rose (Michelle Tzontchev) Teile ihres kulturellen Erbes zu bewahren und ihrem eigenen Sohn weiterzugeben. Nur widerwillig macht er sich auf die Reise in den ländlichen Ort, in dem die achtjährige Nina (Sofia Stanina und Ekaterina Stanina) angeblich hochgeschätzte Bilder malt. Dass deren Farben Naturprodukte aus regionalen Stoffen sind, unterstreicht die symbolische Funktion von Ninas Malerei als psychologische Pforte zur Vergangenheit. 

Sprache, Musik und Kunsttradition Bulgariens bilden ein zentrales Element der zurückhaltenden Charakterstudie, dessen romantisierte Abbildung nicht Verbundenheit vermittelt, sondern touristische Distanz. Struktureller Zerfall und ökonomische Instabilität bleiben unsichtbar in der idyllischen Kulisse. Das vordergründige Handlungsziel die Authentizität von Ninas Werken zu überprüfen, verblasst sukzessive zum oberflächlichen Anlass Mihails Auseinandersetzung mit seinem damaligen Aufbruch. Selbst Nina bleibt trotz Sofia und Ekaterina Stanias unbefangener Präsenz nur ein dramaturgisches Instrument. Die äußere Reise führt einmal mehr ins Innere, wo sich indes weder existenzielle Konflikte noch Erkenntnisse verbergen. 

Fazit

Der feine Unterschied zwischen Kunst, Kunsthandwerk und Kunstkopie bestimmt Geneviève Dulude-De Celles zartfühlendes Charakterdrama auf narrativer Ebene genauso wie auf inszenatorischer. Die ungleich faszinierendere und relevantere Frage nach der Definition von Kunst - wer entscheidet darüber, was Kunst ist? Welche Rolle spielen Gender, Alter und Herkunft der Kunstschaffenden für diese Entscheidung? - weicht einem konventionellen Plot männlicher Selbstfindung. Die Fixierung auf den männlichen Hauptcharakter kontrastiert mit der schon im Titel implizierten Austauschbarkeit der weiblichen Charaktere. Doch seine vielfachen Privilegien machen seine Zerrissenheit zur banalen Neurose, abseits realer migrantischer Perspektiven. 

Kritik: Lida Bach

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