MB-Kritik

Bear 2023

Short, Documentary

Morgane Gaëlle Frund

Inhalt

Ein Amateurfilmer, dessen Fokus vermeintlich auf Bären liegt, und eine Filmstudentin, die sein Material schneiden soll, begegnen sich. Es entspinnt sich eine Auseinandersetzung über die Macht des voyeuristischen Blicks.

Kritik

Im Zentrum des Films steht ein Unbehagen, sagt Morgane Frund über ihre dritte Regiearbeit. Die sollte eigentlich eine Natur-Doku werden: über Bären, die ihr Gesprächspartner seinen Reisen gefilmt hat. Aber auf dem Material waren noch andere Bilder: junge Frauen, die meist nicht bemerkten, dass sie aufgenommen wurden. Das Kameraauge inspiziert sie, zoomt auf einzelne Körperteile. Urs, wie der Voyeur heißt, sitzt nun selbst vor der Kamera, Frund filmt. Klingt emanzipatorisch, ist es aber nicht. 

Er fühlt sich nicht schuldig, auch wenn er behauptet, Frunds Irritation nachvollziehen zu können. In seinem unbefangenen Auftreten liegt weder Mut noch Selbstreflexion, sondern das Vertrauen auf die Normierung und Normalisierung des male gaze, den seine unerlaubten Aufnahmen exemplifizieren. Und auf rape culture, victim blaming und Alltagssexismus, die weibliche Menschen zum Objekt männlichen Konsums degradieren, visuell und physisch. Doch statt sich mit ihm darüber auseinanderzusetzen, setzt sich Frund mit ihm ins Museum und spielt Bilderraten.

Wer hat es gemalt: Mann oder Frau? Letztes wirkt nicht nur grotesk, weil das fragliche Gemälde Hodlers „Blick in die Unendlichkeit“ ist. Die Analogie zwischen Kunst und sexueller Grenzüberschreitung verklärt zweite zum Teil cis-männlicher Kreativität. So braucht Urs sich für den Verstoß gegen Bild- und Persönlichkeitsrechte nie zu rechtfertigen. Das Unbehagen ist Frunds, die herumdruckst, verlegen lächelt, als müsste sie sich entschuldigen. Und das ausgelöst durch ihre Suggestion, der Täter hege keine böse Absicht.

Fazit

Es ist kein Spoiler zu verraten, dass beide schließlich nebeneinander im Kino sitzen. Der schmierige Voyeur, dessen creep shots es bis zu den Berlinale Shorts geschafft haben. Die Regisseurin, die vorgibt, derartiges cis-männliches Verhalten kritisch zu sezieren, aber es stattdessen verharmlost und den Täter, dessen Name phonetisch im Titel anklingt, humanisiert: räuberisch, aber nur ein Teddybär. Sie sind jetzt Partner, nicht nur Filmpartner, sonder in der Ausbeutung der anonymen Frauen auf den heimlich gefilmten Bildern.

Autor: Lida Bach
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.