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Quelle: themoviedb.org
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Verfügbar auf

Netflix

Inhalt

Tokio 1994. In einem Videointerview redet eine junge Frau über die Bedeutung eines Teddybären. Kurz darauf stürzt in der Nacht ein brennendes Objekt aus einem Hochhaus. Ein gefesselter, nackter junger Mann fällt aus einem Spind. Zwei Fischer reden über einen Wassergeist. In Isao Yukisadas außergewöhnlichem Drama River’s Edge werden viele Fährten gelegt und die Wechsel zwischen den Erzählsträngen sind so sprunghaft und unberechenbar wie die Figuren: Ichiro ist schwul und Opfer der Gewalt seiner Mitschüler, zieht aber Stärke aus seinen Blessuren. An einem nahe gelegenen industrieverseuchten Fluss macht er einen grausigen Fund und zeigt ihn seiner besten Freundin Haruna. Kannonzaki liebt brutalen Sex und überschreitet dabei immer weitere Grenzen. Ein in sich zurückgezogenes Mädchen liest obsessiv in den Tagebüchern ihrer schwangeren Schwester und das bulimische Model Kozue vergräbt sich nachts in Bergen aus Essen. Alle diese und andere Geschichten werden virtuos zum atemlosen Sittengemälde einer getriebenen, scheinbar verlorenen Jugend montiert, wobei die Begegnungen mit Gewalt unabdingbar scheinen.

Kritik

Eine junge Frau rennt nachts durch die Straßen, bricht in ein verlassenes Schulgebäude ein. Ein unbekannter Anrufer gibt ihr einen Hinweis und sie öffnet einen Spint, aus dem ein gefesselter nackter Typ fällt. Eine brennende Leiche fliegt aus einem Hochhausfenster. Am nahe gelegenen Flussufer erzählt ein Angler unterdessen einem anderen von einer Geisterfrau im Wasser. Die nächtlichen Angler, zu denen Isao Yukisadas (Pink and Gray) Manga-Adaption in Abständen zurückkehrt, sind ein treffendes Gleichnis für den Regisseur. Der wirft zu Beginn seines verworrenen Sex-Melodramas die brennende Leiche wie einen Publikums-Köder aus. Wer wissen will, welcher von dem halben Dutzend Protagonisten da wie ein weggeschnipptes Streichholz endet, muss bis zum Ende der knapp zwei Stunden Laufzeit sitzen bleiben. 

Viele Besucher des Press-Screenings des Eröffnungsfilms der Panorama Sektion halten nicht bis dahin durch. Die Charaktere sind krude, ihre Handlungen irrational und der Plot ist mit der Flut greller Enthüllungen und abstruser Wendungen nicht besser. Auch dafür liefert die Story eine passende Metapher. Der Fluss schwemme allerlei Müll und eklige Sachen an, kommentiert Haruna Wakagusa (Fumi Nikaido, My Man), die zu Beginn durch die Nacht rannte. Auch der Plot ist ein brackiger Fluss trashiger Einfälle und auf Ekelwirkung angelegter Szenen. Mit Körperflüssigkeiten und möglichst viel Nacktheit zu schocken, hat Priorität vor Figurenentwicklung und Handlungsaufbau. Warum treibt es Haruna mit dem sexsüchtigen Schläger Kannonzaki (Shuhei Uesugi), der es nebenbei mit seiner als Callgirl arbeitenden Klassenkameradin Rumi (Shiori Doi) treibt?

Warum küssen sich Haruna und ihre Model-Klassenkameradin Kozue (Sumire, Die Hütte)? Wieso geht der schwule Ichirō Yamada (Ryo Yoshizawa, Gintama) mit einer nervigen Mitschülerin? Was ist mit der Leiche am Flussufer? Wieso hilft Yamada seinem schlimmsten Bully Kannonzaki? Womöglich gab es in Kyoko Okazakis (Heruta Sukeruta) Manga-Vorlage plausible Erklärungen dafür. Yukisadas aufgegeilte Seifenoper hat keine. Vermutlich glaubt der Regisseur mit einem Faible für Klischees (essgestörtes Model, verfressene Dicke, schwuler Außenseiter, dauergeile Schulmädchen, messerschwingende Psycho-Schwester), Teenager seien eben so drauf. Teenager? Die sollen der Cast aus Mitte/ Ende 20-Jährigen darstelle. Authentizität kommt damit und dem hemmungslosen Overacting nicht auf. Satire? Nein, River‘s Edge versteht sich offensichtlich als schonungsloses Porträt einer abgestumpften Jugend. Aber dafür reicht die Jahresangabe „1994“ nicht.

Fazit

Indem Isao Yukisada den gleichnamigen Manga mit einer Dosis Sex & Trash auf reißerisches Psychodrama trimmt, erstickt er das filmische Potenzial der durchaus interessanten Vorlage im Keim. Die sich den Schulalltag mit Sex, Mordversuchen und Flussspaziergängen vertreibenden Protagonisten bleiben konturlose Klischeebilder vor trübsinniger Kulisse. Letzte immerhin sorgt für ein Minimum an Schauwerten.

Kritik: Lida Bach

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