1956 befindet sich der legendäre Filmemacher Roberto Rossellini in einer Krise. Seine Filme mit Ingrid Bergman sind gescheitert, auch ihre Ehe steht vor dem Aus. Als Bergman nach Hollywood zurückkehrt, nimmt Rossellini die Einladung des indischen Premierministers an, die Entwicklung Indiens zu dokumentieren. Die Reise wird zur kreativen und emotionalen Wiedergeburt.
Roberto Rossellini (Stromboli) gilt als Vater des Neorealismus. Diese Epoche der Filmgeschichte widmete sich der ungeschminkten Wahrheit und dem Leid des einfachen Volkes. Obwohl Rossellini mit seinem Schaffen viele Regisseure beeinflusste, wollte er nicht auf den Neorealismus reduziert werden. Er lehnte es ab, seine alten Filme zu sehen, und war gewillt, Neues auszuprobieren Die Doku widmet sich genau dieser Zeit, in der Rossellini weitestgehend von der Öffentlichkeit kritisiert wird, weil er sich neu erfinden möchte und nicht mehr der Vorstellung der Allgemeinheit entspricht. Roberto Rossellini – Living Without a Script besteht aus Interviews mit Rossellini und Ingrid Bergman (Casablanca), aus Archivmaterial, in dem seine Arbeit in Indien beleuchtet wird, und teilweise sogar aus Aufnahmen von seinen Kindern. Außerdem werden seine Briefe gezeigt und von einem Erzähler aus dem Off vorgelesen. Im Grunde bietet die Doku einen Rundumblick auf eine starke Persönlichkeit und spart auch sein Privatleben nicht aus.
Was man aus der Doku lernt, ist, dass Rossellini sich nicht nur beruflich, sondern auch privat gerne veränderte und stets auf der Suche nach neuen Beziehungen war. Dabei stellt man seine gesamte Persönlichkeit zur Schau und diese Persönlichkeit war nicht besonders einladend. Er schrie Mitarbeiter am Set an, drohte Ingrid Bergman und strahlte auch insgesamt eine gewisse Kühle und Distanziertheit aus. Wenn man sich diese Doku ansieht, dann fällt besonders auf, dass hier niemand versucht, irgendetwas aus seinem Leben zu beschönigen, und erstaunlicherweise passt es genau zu dem Menschen, der hinter dem großen Namen Rossellini steckt. Wenn er Filme drehte, dann war es ihm besonders wichtig, nichts zu beschönigen, und so hält sich diese Doku an sein Credo und zeigt ihn ungeschönt, genau wie er war: ein äußerst unsympathischer Mensch, der eine große Bedeutung für das italienische Kino hatte.
Er erschuf sich neu, er verliebte sich neu, er erlebte sowohl große Erfolge als auch Misserfolge. Trotzdem machte er immer weiter. Er war ein „Man of Action“ und Freigeist, der von allem fasziniert war und stets neugierig blieb. Er war stets auf der Suche nach der Wahrheit und diese Wahrheit hat er zumindest vorübergehend in seinen eigenen Werken gefunden. Die Doku setzt diesem talentierten Menschen ein Denkmal, ohne ihn zu idealisieren. Es wird zudem ein guter Einblick in sein Leben geboten, nur leider schafft es die Doku nicht, dass jemand ohne Vorwissen über Rossellini Interesse an seinem Schaffen entwickelt. Es wird viel über seine Filme erzählt, doch allein in den Ausschnitten ist sein Genie bedauerlicherweise nicht erkennbar und gerade die Passagen über den Dreh in Indien wirken teilweise planlos. Dafür wird die Doku mit passender Musik untermalt und gerade die anfänglichen Klänge wirken ziemlich bedrohlich und ernüchternd, was perfekt zu Rossellinis Leben passt.
Fazit
Eine wahrhaftige und informative Dokumentation über den Vater des Neorealismus, der stets auf der Suche nach Wahrheit war. Privat war Rossellini alles andere als „Everybodys Darling“, aber beruflich hat er die Filmwelt nachhaltig beeinflusst und verändert. Die Doku liefert ein umfassendes Bild über sein Leben.
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