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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Ein anmutiger und mutiger Film einer jungen Filmemacherin aus der Dominikanischen Republik, in dem Frauen offen über das Leben in einem Land sprechen, in dem Abtreibung ausnahmslos verboten ist.

Kritik

Ein paar Zellen sind kein Mensch, haben weder ein Bewusstsein, noch eine Persönlichkeit. Dennoch sind sie mehr Wert als das körperliche und psychische Wohl, die Gesundheit, Sicherheit und Zukunft, und selbst das Leben der betroffenen Menschen in der Dominikanischen Republik. Dort sind Schwangerschaftsabbrüche ohne jede Ausnahme verboten. Anhand persönlicher Schicksale grundverschiedener Frauen und Mädchen aus allen Gesellschaftsschichten zeigt Paula Cury Melos bedrückendes Dokumentarfilm-Debüt die verheerenden Auswirkungen einer Legislative, geformt von patriarchalischer Perversion und misogynem Moralismus.  

Ungewollte Schwangerschaften könnten tragische Folgen haben, warnt in einer frühen Szene eine Lehrerin an einer Mädchenschule ihre Klasse. Möglichkeiten, dies zu verhindern, gäbe es nur eine: Abstinenz. Jene hat der Hälfte der Protagonistinnen, denen die Kamera folgt, während sie aus dem Off ihre Geschichte erzählen, nicht genützt. Sexueller Missbrauch in der Familie und Vergewaltigung, von denen sie berichten, sind nicht ausgenommen. Sie werde es vergessen oder nicht mehr daran denken, wurde ihr gesagt, erinnert sich eine junge Mutter. „Aber wie könnte ich das?“

Mit unaufdringlichen Nahaufnahmen im privaten Umfeld der Protagonistinnen und in halböffentlichen Räumen erzeugt Nana Baez‘ Kamera eine sensible Intimität. Jene stellt sich gegen das gesellschaftliche Stigma und betont die Menschlichkeit, die der Staat ihnen abspricht. Selbst wenn Lebensgefahr besteht, der Fötus nicht lebensfähig ist oder tot, darf die Schwangerschaft nicht beendet werden. Entsprechend hoch sind die Müttersterblichkeit und die Zahl illegalen Abbrüche. Rund zehn Prozent der Schwangerschaften enden tödlich; die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher. 

Abtreibung sei gefährlich und zerstöre viele Leben, erzählt die Lehrerin. Unrecht hat sie mit der zweiten Behauptung nicht, nur sind die Risiken gezielt geschaffen. Bis zu zwei Jahre Gefängnis für die Betroffene und bis zu 20 für alle, die sie unterstützen. Zahlen wie diese belässt Melo ebenso im Hintergrund wie politischen Aktivismus und die klerikalen und konservativen Institutionen, die reproduktive Rechte bekämpfen. Der Fokus liegt ganz auf den individuellen Erfahrungen, denen das System keine Relevanz beimisst. 

Fazit

Frei von Sensationalismus, dafür voll berührender Unmittelbarkeit verknüpft die dominikanische Regisseurin politisches Manifest und soziologisches Mosaik zu einem dringlichen Dokument. Dessen repräsentative Episoden lenken den Blick auf eines der repressivsten Abtreibungsgesetze, dessen menschenverachtende Rückständigkeit auf die alarmierenden Tendenzen weltweit verweist. Die Gewichtung auf emotionaler Resonanz anstelle politischer Analyse lässt in der essayistischen Struktur ideologische Leerstellen. Die entscheidende Stärke ist der Mut der Protagonistinnen, deren filmische Zeugnisse in einem fundamentalistischen Umfeld selbst ein Akt des Widerstands sind.

Kritik: Lida Bach

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