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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Im Hong Kong des Jahres 1974 macht der brutale Mord an einem jungen Mädchen Schlagzeilen. Mittels modernster Technik überführt der ermittelnde Inspektor den vermeintlichen Täter: einen unscheinbaren Angestellten und Familienvater, der unablässig seine Unschuld beteuert. Der Fall lässt den Inspektor nicht mehr los und je länger er nachforscht, desto mehr deutet auf eine Fehlverurteilung. 

Kritik

„Cardboard Box Hide and Seek“ lautet der treffendere Originaltitel Frankie Tam Kwong Yuens (Jing yi wui longverschlungenen Crime-Dramas, der mit dem Kinopublikum ebenso gekonnt spielt wie mit den unterschiedlichen Variationen des Genres. Jenes sind die Spezialität des chinesischen Drehbuchautors, dessen Regie-Debüt Murder Mystery, Psycho-Thriller, Cop Story und historischem Zeitbild zu einer Jahrzehnte umspannenden Story von Obsession und Täuschung verwebt. Das prominent besetzte Hochglanz-Werk ist so schillernd und mitunter reißerisch wie es klingt, doch das mindert kaum den Unterhaltungswert der ambitionierten Adaption des wohl berüchtigtsten Verbrechens in Hong Kongs Geschichte. 

Im Dezember 1974, dem Ausgangsjahr der zwischen verschiedenen Zeitebenen changierenden Handlung, wird die verstümmelte Leiche der 16-jährigen Schülerin Pin Yuk-ying in einem Pappkarton gefunden. Der erstmals in Hong Kongs Geschichte mittels forensischer Beweise überführte Täter, der in einem nahegelegenen Eiscafé arbeitete, beharrte stets auf seine Unschuld. Narren sind diejenigen, die Unwahrheit glauben, und diejenigen, die sich weigern, das Wahre zu glauben, verkündet zu Beginn ein Zitat Kierkegaards. Das lässt sich sowohl als Bestätigung des Polizei- und Justizapparats auslegen wie als Kritik - genau wie das düstere Twist-Ende. 

Selbiges zu verraten liefe entgegen der subversiven Intentionen des verschachtelten Plots. Der folgt Zhang Songwens (The Sun Rises on Us All) Polizei-Inspektor bei der Verhaftung des vermeintlichen Täters (Patrick Tam, Fight for Tomorrow), der ihn hinter Gittern von seiner Unschuld überzeugt. Umso mehr Details über das Opfer und den Verurteilten ans Licht kommen, umso obskurer werden der Fall und das Szenario. Dessen Überkonstruktion wird auf paradoxe Weise indes ebenso zum dramaturgischen Stilmittel wie die Vintage-Optik und Genre-Tropes. Kinofilm und Pop-Musik verweisen als wiederkehrendes Motiv auf die illusionierende Wirkung von Leinwand-Klischees und romantischen Phrasen.

Letzte liefert ein mit dem Fall verbundener Retro-Song, dessen Lyrics („here we go on that old merry-go-round“) zugleich auf die mentale Fixierung des Hauptcharakters hindeutet und die elliptische Struktur. Die verläuft sich in Nebensträngen, landet in narrativen Sackgassen und ähnlich zwanghaft wie die Figuren immer wieder zurück zu dem fatalen Abend. Dessen fragmentierte Darstellung aus wechselnden Blickwinkeln verstärkt das übergreifende Thema eines unvollständigen Gesamtbildes, dessen Teile allein betrachtet gegensätzliche Eindrücke erwecken. Ähnlich wandelbar bleibt die ideologische Interpretation des Kreuzworträtsel-Kinos, das einmal ausgefüllt schlagartig an Reiz verliert. 

Fazit

Altmodische Studio-Settings, stilisierter Zeitkolorit sowie bühnenhafte Kostüme und Maske beschwören in Frankie Tam Kwong Yuens doppelbödigem Crime-Thriller die grimmige Atmosphäre klassischer Pulp Streifen. Deren Überschneidung mit realen Begebenheiten impliziert den Realitätsverlust der Figuren, die sich selbst als Krimi-Helden sehen, und fungiert zugleich als kritische Reflexion fiktiver Verzerrung tatsächlicher Ereignisse. Mit seinem theatralischen Touch fügt sich das markante Schauspiel in die gekünstelte Szenerie. Der stimmungsvolle Soundtrack kommentiert das Geschehen und dekonstruiert es zugleich als die spekulative Scheinwelt, die es ist: ein amüsanter  Kommentar auf kriminelle und kommerzielle Imagination.

Kritik: Lida Bach

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