Der „Superbuhei“ ist ein Supermarkt in Hannover-Langenhagen. Er ist kein typischer Supermarkt. Statt einer Bäckerei gibt es dort eine Bar namens Klaus Meine. Täglich sitzen ein paar Alkoholiker den ganzen Tag an der Theke und hören die gleichen Scorpion-Songs aus den Lautsprechern. "Klaus Meine“ gehört Jesse Bronske.
Kritik
Konsum und Prekariat, Perspektivlosigkeit und Eskapismus, Nobodies und Prominenz: Alle und alles trifft aufeinander im tristen Titelort Josef Brandls (Superbuhei) metatextuellen Dramödien-Debüts. Basierend auf Sven Amtsbergs gleichnamigem Roman entwirft der Regisseur und Drehbuchautor frei nach dem Vorbild des Hauptcharakters seine eigene filmische Version der zugrundeliegenden Story. Deren konzeptioneller Kern und Charaktere bleiben jedoch erhalten: der Superbuhei-Supermarkt und der Alkoholiker und eingeschworene Scorpions-Fan Jesse Bronske (Oliver Korittke, Keeks letztes Ding), Betreiber einer im Superbuhei errichteten Kneipe benannt nach Klaus Meine (So viel Zeit).
Der Scorpions-Sänger besucht auch den ihm gewidmeten Hort gescheiterter Existenzen und das Film-Set für eben diese Cameo. Wobei es viele Sets gibt in dem absichtlich verworrenen Plot, in dem sich die Realität zunehmend in alkoholisierten Hirngespinsten und ambitionierten Hollywood-Phantasien zersetzt. Während die überschaubare Gruppe Dauergäste sich ihren eintönigen Alltag schöner trinken, wächst Jesses Furcht vor seinem angeblichen Zwillingsbruder Aaron (ebenfalls Korittke). Der ist wie es sich für Leinwand-Zwillinge gehört böse; eine Verkörperung Jesses negativer Persönlichkeitsanteile.
Umso weiter er in Trunksucht abrutscht, umso stärker werden diese und umso präsenter wird Aaron, den selbst Jesses Frau Mona (Silke Bodenbender, Rosenthal) nicht mehr zurückhalten kann. Unter der Lächerlichkeit der kaputten Figuren bleibt deren Tragik stets greifbar. Die Sehnsucht, der visuell und sinnbildlich grauen Routine eine Spur Glamour zu verleihen, sei es durch Star-Gäste oder fabulierte Film-Szenarien, entspringt dem Wunsch nach sozialer (Be)Achtung. Trostlosigkeit und staubtrockener Witz kollidieren in der dumpfen Ästhetik surrealer Stagnation.
Fazit
Gesellschafts-Groteske, Milieuskizze und Meta-Text mit Josef Brandl in seinem Kino-Debüt zu einer herb-humorigen Tragikomödie über psychologische Projektionen und die durchlässige Grenze zwischen Wirklichkeit, Wahn und Wunschdenken. Der spartanische Supermarkt mit eigens entworfenen Fantasieprodukten verstärkt mit sorgsam komponierter Künstlichkeit die absurde Komik der mentalen Verlorenheit. Kompetentes Schauspiel erdet den rapiden Genre-Wechsel von Krimi über Western bis zu Romanze und Horror. Unter der schwarzhumorigen Oberfläche erzählt die skurrile Story von Selbsttäuschung als letztem Fluchtweg aus Einsamkeit und Existenzangst.
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