MB-Kritik

Tear Gas 2026

Taisia Eradze
Mzia Arabuli
Gaga Shishinashvili
Kato Kalatozishvili
Boris Andronikashvili

Inhalt

Die 16-jährige Elene und ihre vom Krieg gezeichnete Familie geraten in eine Massendemonstration in Tiflis, welche die Strassen in ein Schlachtfeld der Freiheit verwandelt. Dabei müssen sie sich den Rissen stellen, die sie bereits auseinanderzureissen drohen. Ein Spielfilm, gedreht inmitten realer Demonstrationen.

Kritik

Die brutale Methodik autoritärer Staatsstrukturen, die Uta Beria (Negative Numbers) bereits in seinem systemkritischen Debüt-Drama Negative Numbers beschäftigten, durchziehen auf das jüngste Werk des georgischen Regisseurs. Im Einklang mit zeitgenössischen Strömungen des Dokumentarfilms bewegt sich dessen minimalistische Handlung auf der Grenze von Fiktion und Reportage der eskalierenden staatlichen Repression in seinem Heimatland. Dessen führende Independent Film Organisationen warnten erst kürzlich vor der Instrumentalisierung staatlich geförderter Kulturveranstaltungen für Propaganda, die wachsenden Missachtung von Menschenrechten, Redefreiheit und öffentlichen Freiräumen verbergen soll. 

Der offene Brief, den unter anderem das Tbilisi International Film Festival, Pen Georgia, The Georgia Film Institute und Documentary Association Georgia (DOCA) unterzeichneten, unterstreicht die Dringlichkeit des beklemmenden Porträts. Jenes zeigt die verheerenden Auswirkungen staatlicher Unterdrückung und institutionalisierter Gewalt, die sich bis in die intimsten Beziehungen graben. Noch vor der zentralen Eskalation, die als dramaturgische Zäsur den Einbruch der Realität in das fiktive Geschehen markiert, ist der unsichtbare Druck auf die Familie im Handlungsmittelpunkt greifbar.

Minimal Ausleuchtung und ein von Schatten fast verschlungenes Szenario symbolisieren das demokratische Dunkel, in das totalitäre Restriktionen das Land ziehen. Daheim bei ihrer Mutter wirkt die 16-jährige Elene (Taisia Eradze) wie betäubt von der dumpfen Perspektivlosigkeit. Um ihre Tochter aus der Apathie zu reißen, geht Elenes Mutter mit ihr nach Tbilisi auf eine Demonstration. Deren gewaltsame Niederschlagung durch die Polizei bebildern reale Szene der Massenproteste. Das titelgebende Tränengas wird zum Symbol zerstörter demokratischer Hoffnung und des nationalen Erbes totalitärer Strukturen. 

Fazit

Eine desillusionierte Generation, deren Zukunft vom erfolgreichen Kampf gegen die sich ausbreitende diktatorische Unterdrückung abhängt, wirke zum emblematischen Fokus Uta Berias aktivistischen Hybrid-Dramas. Dessen Coming-of-Age-Narrativ verweist parallel auf die politische Emanzipation einer Gesellschaft, deren historische Wunden nicht verheilen können. Vergangenheit und Gegenwart überlagern einander in der aufwühlenden Allegorie kollektiver Verantwortung. Der Einbruch realer Ereignisse in die Handlung fungiert als symbolisches Statement gegen die staatliche Vereinnahmung des Kinos für manipulative Zwecke. Öffentliche und private Konflikte sind unauflöslich verschlungen in der düsteren Chronik perpetuierter Traumata.

Autor: Lida Bach
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