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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Der Mann hinter der beliebten HBO-Serie „How To with John Wilson“ gibt sein Spielfilmdebüt mit einer urkomischen und skurrilen Erkundung eines fundamentalen Elements des Stadtlebens: Beton.

Kritik

Er habe vorab gegoogelt, ob es bereits ein Werk mit dem The History of Concrete gibt, berichtet John Wilson in einer kurzen Einleitung der europäischen Premiere seiner gleichnamigen Doku, die nach ihrem Sundance Debut bei CPH:DOX läuft. Es gab nur ein einziges Buch, aber das war tatsächlich ein als Buch getarntes Geheimversteck. Offenbar wirkt eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Titel-Thema so abschreckend, dass niemand darangeht. Trotzdem, oder wohl eher gerade deshalb macht sich der US-amerikanische Regisseur an diese filmische und bauliche Materie. 

Beton entpuppt sich paradoxerweise als ideale Grundlage. Weniger für die Läufer*innen des alljährlichen Self-Transcendence 3100 Mile Race, aber umso mehr für seinen charakteristischen Stil freier Assoziation und humoristischer Alltagsbeobachtungen. Eine davon ist besagtes Rennen, dessen Teilnehmer*innen über mehrere Tage 5.649 mal einen Häuserblock umrunden. Das Langfilm-Debüt des Schöpfers der erfolgreichen HBO-Serie How To With John Wilson ist voller solcher komischer Kuriositäten, die ihm während seiner Beton-Recherche begegnen. Seine Fragen über das Material, die komplexer sind als dessen Zusammensetzung (Wasser, Zement, Gesteinskörnung), bleiben überwiegend unbeantwortet. 

Wie wurde der enorm zeitbeständige Beton der Antike hergestellt? Der Italien-Trip, für den Wilson das gesamte Filmbudget seiner skeptischen Produzent*innen verpulvert, bringt es nicht ans Licht. Stattdessen gibt es aus einem Treffen der WGA (Writer’s Guild of America) wertvolle Tipps, wie man das Drehbuch zu einer Hallmark Schnulze schreibt. Wer sich die tätowierte Haut verblichener Angehöriger gern als dekorativen Wandschmuck aufhängen möchte, findet dazu das passende Taxidermie-Unternehmen. Um auf den Bürgersteig gespuckte Kaugummis kümmern sich die Gumbusters („That gum is busted!“), die Wilson trifft. 

Auf die typische John-Wilson-Art sind die skurrilen Episoden Allegorien trivialer Phänomene wie die notdürftige Reparatur struktureller Erosion und die maroden Grundpfeiler des urbanen Lebens. Tatsächlich überraschend ist indes die Begegnung mit Jack Macco, dem Lead-Singer einer obskuren Heavy Metal Band, der einen persönlichen Verlust erlebt. Es wäre leicht, den alterten Musiker vorzuführen, doch Wilson zeigt hier eine menschliche Anteilnahme, die auch die absurde Komik der übrigen Vignetten in einem mitmenschlichen Kontext verankert. Jener naive Charme gibt selbst etwas so knallhartem wie Beton eine naive Sanftheit. 

Fazit

Im Grunde ist John Wilsons dokumentarisches Kino-Debüt eine ausgedehnte Folge seiner populären TV-Serie, aber dafür eine gelungene. Mit einer charakteristischen Mischung aus kindlicher Neugier und Selbstironie finden die - mit Ausnahme der Drohnen-Aufnahmen einer Starbucks-Filiale in einem anderen Bundesstaat - die von Wilson mit Handkamera eingefangenen Vignetten in dem schier omnipräsenten Baustoff konstruktive Metaphern für soziologische und systemische Eigenheiten. Zufälligkeit und ein Gespür für spontane Pointen verleihen selbst den scheinbar langweiligsten Situationen einen absurden Witz mit gelegentlichen Untertönen von Sozialkritik. Die bessere Alternative zu dem Hallmark Movie.  

Kritik: Lida Bach

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