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Inhalt

Die verheiratete Kindergärtnerin Lisa Spinelli nimmt an einem Poesie-Workshop teil, um ihrem tristen Alltag etwas entgegen zu setzen. Prompt stürzt sie sich in eine leidenschaftliche Affäre mit ihrem Lehrer, auch wenn dieser in ihr kein großes Talent als Dichterin sieht. Eines Tages überhört Lisa, wie einer ihrer Schützlinge ein Gedicht vor sich hin sagt, das er sich gerade ausgedacht hat. Lisa spricht das Gedicht im Workshop vor und verblüfft damit ihre Klasse. Fortan glaubt sie, der kleine Jimmy sei ein Wunderkind und will seine Begabung fördern. Doch schnell vernachlässigt sie in ihrer "Privatbetreuung" pädagogische Prinzipien und begibt sich menschlich und beruflich auf gefährliches Glatteis - mit fatalen Folgen.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Lisa Spinelli (Maggie Gyllenhaal, The Dark Knight) ist in einem Alter angelangt, in dem sich verstärkt Gedanken darüber macht, was sie in ihrem Leben eigentlich erreicht hat. In ihrem Fall bedeutet das auch, dass sie Überlegungen dahingehend anstellt, wie viel ihres Potenzials sie bereits verschwendet hat. Regisseurin Sara Colangelo (Little Accidents) lässt indes keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass sich die Kindergärtnerin aus Staten Island verloren fühlt: Immer wieder sehen wir Lisa, wie sie in regelrecht entrückten Szenerien in sich zusammensackt. Vor allem ist es die Darstellung ihres Arbeitsplatzes, mit seinem für Erwachsene viel zu kleinem Mobiliar und den damit verbundenen Ritualen, den immer gleichen Tagesabläufen, die sich symbolisch versteht und auf den zerrütteten Gemütszustand einer Frau hinweist, die gerne groß denken würde, aber gebückt gehen muss.

Einen Ausstieg aus ihrer Alltagslethargie, die sich auch zuhause längst etabliert hat, findet Lisa im rhetorischen Talent eines Fünfjährigen (Parker Sevak), aus dessen Mund beinahe in willkürlichen Abständen und Situationen Gedicht hervorquellen, die Lisa nutzt, um sie in ihrem Abendkurs für kreatives Schreiben unter ihrem Namen vorzuführen. Zum ersten Mal erhält sie Anerkennung, während ihre eigenen Haikus zuvor nur belächelt wurden. The Kindergarten Teacher gehört zu den Filmen, die den pathologischen Anteil ihrer Geschichte auf Samtpfoten schreiten lassen. Vor allem ist es dabei der nuancierten Performance von Hauptdarstellerin Maggie Gyllenhaal zu verdanken, dass sich der Film fortwährend ein unangenehm-packendes Maß an Ambivalenz bewahrt, scheint die Frau doch in erster Linie mit guten Absichten gesegnet zu sein. Es ist der Umgang mit diesen, die zusehends jedwede Form von Verhältnismäßigkeit einbüßen. 

Die große Stärke von The Kindergarten Teacher liegt in seiner durchgängigen Subtilität. Sara Colangelo möchte ihre Version des gleichnamigen Originals aus Israel nicht strikt den westlichen Sehgewohnheiten anpassen und die Handlung damit gezielt einer reißerischen Simplifizierung unterziehen, sondern bleibt der unaufgeregten, durchweg zurückgenommenen Taktung der Vorlage aus dem Jahre 2014 treu. The Kindergarten Teacher erzählt von stiller Verzweiflung, von tiefsitzenden Ängsten, von Einsamkeit und von Obsessionen. Vor allem aber möchte man den Film als (Charakter-)Studie über die bedrückenden Auswirkungen gescheiterter Träume verstehen, die den Zuschauer zusammen mit der bravourösen Maggie Gyllenhaal in ein emotionales Wechselspiel zwischen Verständnis und Unbehagen führen. Hinter den ehrenwerten Zielen, die Lisa verfolgt, offenbaren sich Abgründe, in denen sich Bestürzung und Entsetzen zu gleichen Teilen vermengen.

Fazit

Mit "The Kindergarten Teacher" erreicht uns in diesem Jahr ein echter Geheimtipp. Das Remake des israelischen Originals aus dem Jahre 2014 brilliert nicht nur durch eine hervorragende Hauptdarstellerin, sondern findet seine große Stärke in der allumfassenden Subtilität. Regisseurin Sara Colangelo setzt auf leise, zurückhaltende Töne und entwirft eine zusehends bedrückend-unangenehme Studie über die Konsequenzen gescheiterter Träume. Eine defintiv bereichende, unbedingt sehenswerte DTV-Perle.

Autor: Pascal Reis

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