Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit, die in tibetisch besiedelten Gebieten spielt, und stellt die emotionalen Verwicklungen von Künstlern aus dem urbanen Raum in den Mittelpunkt. Die Handlung folgt einem misstrauischen Protagonisten, dessen Beziehung zu seiner Freundin aufgrund von Konflikten um ihre künstlerischen Laufbahnen zerbricht, wodurch er gezwungen ist, seinen Heiratsantrag auf unbestimmte Zeit zu verschieben.
Kritik
Die Frage nach Aufrichtigkeit und Authentizität im Zentrum Chakme Rinpoches (Adarasha) philosophischer Partnerschaftsstudie transzendiert die Ebene der zeitgenössischen Kunst, in die das kunsttheoretische Konzept-Kino des tibetischen Regisseurs tief verwoben ist, und erstreckt sich von intimen Beziehungen bis auf die grundlegenden Aspekte des Seins. Wahrheit und Lüge, Original und Kopie werden zum ontologischen Gegensatzpaar in einer filmischen Fiktion, die selbst die Grenzen zur Realität durchdringt. Kunst ist vor diesem vielschichtigen Hintergrund zugleich Abstraktum und Antithese einer ideellen Wahrhaftigkeit.
Falls das verdammt kompliziert klingt: Ja, das ist das bezugsreiche Beziehungsdrama, das auf dem Shanghai International Film Festival in der Sektion Refreshing Chinese Cinema Premiere feiert. Zumindest hinsichtlich der verschachtelten Meta-Ebenen des äußerlich konventionellen Lehrstücks von Eifersucht und Ehrlichkeit, Kunstgeschäft und Kreativität. Die scheinbar harmonische Partnerschaft des Shanghaier Geschäfstmanns Wu Ming (Li Zhen) und der Kunstagentin Jane (Lu Qiwei) beginnt zu kriseln, als sie mit ihrem Ex-Partner und zeitgenössischen Künstler eine Ausstellung zum Thema Tibet auf die Beine stellt.
Triviale Anlässe wie das Faksimile eines Verlobungsrings enthüllen seine fundamentalen Zweifel an ihren Gefühle. Enttäuscht reist Jane allein nach Tibet, dessen uralte Kunsttradition beiden neue Perspektiven eröffnet, schöpferisch und romantisch. Amouröse Belange wirken profan gegenüber dem sinnlichen Reichtum des Kunstkosmos. Jener absorbiert fast unweigerlich die Aufmerksamkeit des Publikums, das mehr in den in der Kreativ-Sphäre der Protagonistin omnipräsenten Objekten entdeckt, als in der allegorischen Handlung. Darin spielen die realen Kunstgegenstände und ihre Autor*innen eine Schlüsselrolle.
Bereits der emblematische Titel der Installation „The Black Box within the White Cube“ definiert Rinpoches kinematischen Beitrag mit einer für das Gruppen-Projekt charakteristischen Rhetorik von Gegensätzen und Kontrasten als integrales Modul. Umgekehrt sind Kunst und deren Facetten - Definition, Bedeutung, Dauer - ständiges Thema des in weit Akte strukturierten Plots. Der vereint buddhistische Weltanschauung mit modernen Perspektiven und nimmt die Natur selbst zum Vorbild eines idealen Kunstwerks. Post-Credits Kommentare der Künstler-Crew eröffnen Denkanstöße über das epigrammatische Schlussbild hinaus.
Fazit
Zartfühlende Darstellungen und zeitgenössische Kunst werden aktive Teile Chakme Rinpoches kongenialen Kunstkino-Konstrukts. Konzepte von Wahrheit und Echtheit lösen sich ebenso auf wie gängige Gesellschaftsbilder von Originalität und Imagination. Partnerschaftliche Parabel und philosophisches Palimpsest überlagern sich zu einer gleichsam fordernden und faszinierenden Meta-Meditation. Deren ästhetisierte Kameraaufnahmen schwelgen in eleganten Interieurs und grandiosen Landschaften, gegenüber deren organischer Topographie die strenge Architektur moderner Museumsbauten traurig leblos wirkt. Melodrama, Meta-Text und Marketing fusionieren zum epistemologischen Gesamtkunstwerk.
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