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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Eine moderne Familie zieht aufs Land, wo die Kinder einen magischen Baum mit exzentrischen Bewohnern entdecken. Sie werden in fantastische Welten entführt und erleben dabei Abenteuer, die ihren Familienzusammenhalt stärken.

Kritik

Zeiten, in denen Rechts-Populismus, Rassismus und patriarchalische Gender-Rollen einen alarmierenden Aufwind erfahren, sind politisch prädestiniert für eine Neuentdeckung der konservativsten Kinderbuch-Autor*innen - wie der Ben Gregors formelhaften Fantasy-Märchens. Dessen von 1939 bis 11951 in vier Teilen erschienene Buchvorlage zählt bis heute zu den populärsten Werken Enid Blytons, die ihr eigenes Top Ranking als eine der umstrittensten Verfasser*innen von Kinder- und Jugendliteratur hält. Überraschender als ihr revisionistisches Revival ist die Drehbuch-Vergabe an Simon Farnaby (Paddington in Peru), der mit den Paddington Sequels einen nostalgischen Kinderbuch-Klassiker mit entgegengesetzten Werten mitadaptierte. 

Liefert Blytons Buchreihe also lediglich die Grundstruktur für ein zeitgenössisches Abenteuer-Märchen, das seine restlichen Ideen von Wicked, Willy Wonka und den zahlreichen Live-Action Disney-Filmen zusammenklaubt? So scheint es über weite Strecken - ironischerweise die gelungeneren Momente des derivativen Plots. Der folgt der fünfköpfigen Thompson-Familie aus der Großstadt in die ländliche Gegend, in der Vater Tim (Andrew Garfield, After the Hunt) aufwuchs. Mutter Polly (Claire Foy, All of Us Strangers) hat ihren Job als IT-Ingenieurin aus ethischen Bedenken gekündigt, nachdem ein von ihr konstruierter Smart Fridge zur (Computerstimmen-Cameo von Judi Dench, Spirited) zum Datensammeln eingesetzt wird.  

„Wir sind jetzt arm“, verkündet Teenager-Klischee-Tochter Beth (Delilah Bennett-Cardy). So lernen die Kids im Kinopublikum, dass Armut bedeutet, ein Haus mit Grundstück zu kaufen, im Handumdrehen zu sanieren und ein eigenes Unternehmen (bei Thompsons für Tomatensauce) aus dem Boden zu stampfen. Oder womöglich ist die Vorstellung, dass Landleben so idyllisch aussehe und Landleute so sprechen wie Thompsons neue Nachbarn (Cameo Simon Farnaby) schon Fantasy? Die jüngste Fran (Billie Gadsdon, Zwei an einem Tag) führt eine Einladung von Elfe Silky zum titelgebenden Baum, in dessen Krone jeden Tag ein anderes Zauberland wartet. 

Mit Beth, ihrem Bruder Joe (Phoenix Laroche) und ihren neuen magischen Freunden Silky (Nicola Coughlan, G.O.A.T. - Bock auf große Sprünge), Moonface (Nonso Anozie, The Sandman), Oliver Chris’ (Rivals) Mr. Watzisname und dem mit einer Rüstung aus Töpfen und Pfannen ausgestatteten Saucepan Man (Dustin Demri-Burns, The Decameron) erlebt Fran in den kunterbunten Kitsch-Ländern magische Abenteuer. Sowohl das Kinder-Trio als auch seine skurrilen Gefährt*innen und die oft wortwörtlich zuckerig-süßen Kulissen sind ein beliebiger Mix aus Chronicles of Narnia, Charlie and the Chocolate Factory, The Wizard of Oz und Blytons eigenen narrativen Schemata, die sie unablässig recycelte. 

Entsprechend generisch und ermüdend wirken die Ausflüge, die bei Missachtung der teils schriftlich hochgehaltenen Morallektionen gefährlich werden. Die Belehrungen zeigen exemplarisch die ungelenken Versuche, das Original etwas abzustauben. Sei nicht gierig (aber im Goodies-Land ruhig maßlos mit Zuckerzeug voll). Verliere dich nicht in deinen Wunschträumen (damit du sie mit vierzig wieder auskramen und deiner Familie aufdrücken kannst). Wünsche dir keine Veränderungen, weil alles am besten bleibt, wie es ist (außer Enid Blytons Buchvorlage). Letzter geben Gregor und Farnaby eine Maske Mainstream-Modernisierung, durch die der Konservativismus scheint. 

Fazit

Der Kitsch-Konservativismus der Buchvorlage tritt in Ben Gregors und Simon Farnabys derivativem Fantasy-Abenteuer nur verkappt auf. Berufstätige Frauen sind weiterhin Negativ-Stereotypen, es sei denn, sie geben ihren Job auf. Traditionelle Familienwerte und Provinzleben werden verklärt, moderne Technologien verteufelt und Gen Z erscheint als Social-Media-süchtige Karikatur. Kinder sollen hier ihre Eltern unterstützen statt umgekehrt und sozialer Abstieg wird zur Selbstverwirklichung. Die technisch makellosen Wunderwelten bleiben synthetisch und austauschbar in ihrer grellbunten Fröhlichkeit. Süßlich-seicht und in seiner lebensfremden Verklärung ermüdend gestrig, reicht das magische Kinderkino nur für redundanten Revisionismus. 

Kritik: Lida Bach

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