Kritik
Hand aufs Herz: Bei welchem Filmfan klingeln die Glocken, wenn der Name Bert Williams fällt? Zugegeben, bis Mitte der 90er ist sein Name in vielen Cast-Credits vorhanden, meist jedoch für eine namenlose Komparsen-Rolle. 1965, noch am Anfang seiner nicht unbedingt ruhmreichen, aber über die Dauer der Zeit zumindest langlebigen Karriere, wagt er bereits den ganz großen Move: The Nest of the Cockoo Birds war seine erste und einzige Regiearbeit, zudem schrieb er das Drehbuch, produzierte das Ganze und spielte natürlich auch die Hauptrolle eines (schon damals) namenlosen Detectives des Liquor Control Departments. Eigentlich soll er in dieser Funktion eine Alkoholschmugglerbande in den Everglades hochnehmen. Woran diese Mission scheitert, bekommt das Publikum aber nicht wirklich mit, sondern wird nach einem Prolog im Affenzahn mit vollendeten Tatsachen konfrontiert. Unser Protagonist wurde enttarnt, flüchtet durch einen Kugelhagel seiner Widersacher (durch den auch sein Boot in Flammen aufgeht… mitten auf einem Fluß) und strandet – nach der Attacke einer maskierten, nackten Frau – in dem entlegenen Cuckoo Bird Inn. Einem sehr, sehr seltsamen Absteige mitten in den Sümpfen, geführt von einer religiösen Hardlinerin namens Mrs. Patt (Sherry Saxe), unterstützt von dem nicht minder sonderbaren Harold (Chuck Frankle), der einen falschen Bart spazieren tragen muss, den jeder Mitarbeitende der Autobahnmeisterei bestimmt so oder so ähnlich schon mal vom Asphalt gekratzt hat. Was dann geschieht, das sollte jeder am besten selbst erleben, denn in angemessene Worte fassen lässt sich das kaum.
Es ist nur ganz grob zu erahnen, was Bert Williams hier ursprünglich vorschwebte, viel zu verworren und abstrus ist das ganze Geschehen. Was als eine Art Hardboiled-Krimi beginnt, mündet in einer bizarren Mixtur aus Psychothriller und Horrorfilm mit relativ deutlichen Anleihen bei Alfred Hitchcocks Psycho, und greift dabei einigen späteren Genre-Klassikern des Backwood-Terrors wie Blutgericht in Texas sogar voraus. Das mag jetzt ungemein spannend klingen, ist in erster Linie aber ein einziges Kuriositäten-Kabinett, da Bert Williams sein Handwerk offenkundig überhaupt nicht versteht. Der Plot ist vollkommen krude zusammengeschustert, technisch ist das teilweise dilettantisch (der Schnitt ist abenteuerlich) und die Dialoge herausragend schwachsinnig. Ganz wunderbar sind insbesondere die gemeinsamen Szenen von Bert Williams - der scheinbar gar keinen Schimmer hat, wie er das Ganze spielen soll – und Sherry Saxe, die da schon eher einen Plan verfolgt: nämlich mit Vollgas nuts zu gehen. Ihr Spiel ist so übertrieben lächerlich, dass es eine helle Freude ist. Speziell dieses komplette Aneinandervorbeichargieren der Hauptfiguren ist sensationell.
Eigentlich ist das alles hier eine einzige Katastrophe, aber hat neben einer schon ganz interessanten, da völlig obskuren und fiebertraumartigen Grundstimmung (inklusive eines coolen Main-Themes), einen wirklich einmaligen Unterhaltungswert. Das erinnert schwer an die enthusiastischen, vollkommen unbeholfenen, darin aber enorm putzigen Werke des legendären Edward D. Wood Jr. (Plan 9 aus dem Weltall), denn es ist sehr offensichtlich, dass Bert Williams mit diesem chaotischen Unfug irgendwas ernsthaft Ambitioniertes beabsichtigte, dies aber mit Karacho in die Hose ging. Nach seiner Uraufführung galt der Film übrigens lange als verschollen, bevor vor rund 20 Jahren bei der Schließung eines Kinos in Massachusetts eine Filmrolle davon gefunden wurde. Was für ein Glück, denn so dürfen nun auch weitere Generationen in den Genuss dieses vollkommen wahnsinnigen Mumpitzes kommen. Vermutlich ist nichts, aber wirklich rein gar nichts an diesem Machwerk so, wie es der ursprünglichen Intention entsprechen würde, aber rückwirkend muss man wohl sagen: Na Gott sei Dank. Im Idealfall wäre wohl nur ein drittklassiger, völlig irrelevanter Krimi dabei herausgesprungen. So ist es ein Kleinod des Trash-Kinos, das sich diesen heutzutage oft inflationär (und oftmals auch falsch) verwendeten Begriff mit Fug und Recht verdient. Und wie es in solchen Fällen auch sein sollte: absolut unbeabsichtigt. Das macht es ja so schön.