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Kritik
Ein Mentor und sein Schüler, die sich nach zehn Jahren der gegenseitigen Ignoranz als Feinde gegenüberstehen, eine schöne, undurchsichtige Frau, die von den falschen Leuten gejagt wird und eine Verschwörung, die bis in die höchsten Positionen der CIA reicht. Ein Job für: James Bond .. Verzeihung: Peter Devereaux. Eigentlich ist es auch egal, wie der Typ im Film heißt. Das ist nämlich ganz klar Pierce Brosnan, der sich hier seinen Weg durch Ungerechtigkeiten, Verrat und böse Bodyguards schießt. Und dass er dieses Handwerk beherrscht wissen wir alle. Und dass das, trotz einer mauen Geschichte, Unterhaltung garantiert vermutlich auch. Bei „The November Man“ von Roger Donaldson("Bank Job") ist genau dies der Fall. Ein netter, unterhaltsamer Agententhriller mit einer angenehmen Kompromisslosigkeit, guten Darstellern und einer spaßigen Inszenierung, sowie allerdings einer schwächelnden und klischeebeladenen Geschichte, die einen mit ihren voraussehbaren Wendungen nicht unbedingt vom Hocker reißen mag.
Wenn man sich die typischsten Klischees des Hollywood-Agententhrillers einmal per Liste zusammenschreibt, kann man bei der Sichtung von „The November Man“ mindestens 80 Prozent der Aufzählungen abhaken. Gut, dass der Film auch gar keinen großen Hehl daraus macht und nicht so tut, als wäre er mehr als knapp 110 Minuten pure Actionunterhaltung mit Pierce Brosnan in der Hauptrolle. Und eigentlich ist mit diesem Satz auch schon alles gesagt. Es gibt den bösen Widersacher, der mit finsteren, hochrangigen Führungskräften unter einer Decke steckt, den frustrierten, aggressiven Schüler, der seinem ehemaligen Lehrer beweisen will, was er kann und die undurchsichtige Schönheit, die die Sache irgendwann in die eigene Hand nimmt. Und es gibt den missverstandenen Pierce Brosnan, der sich an allen rächen möchte und dabei keine Rücksicht auf Verluste nimmt. Es ist dabei wirklich ein Pluspunkt des Films, dass Brosnan sich hier mal ein wenig mehr austoben darf und auch mal wie ein betrunkener Wahnsinniger die Freundin des smarten Luke Bracey("G.I. Joe 3D: Die Abrechnung") bedroht, um ihm eine Lektion zu erteilen. An sich ist es zwar nicht unbedingt herausragend, dass „November Man“ überraschend blutig und konsequent voranschreitet, aber doch eine nette Kleinigkeit, die die an vielen Punkten sehr forcierte Storyline des Films ab und an wieder ausgleichen mag.
Denn das, was hier über die Leinwand rollt, hat man alles eigentlich schon einmal gesehen. Hinzu kommen extrem oberflächliche Charaktere, sowie Beziehungen und Charakterkonflikte, die entweder einfach fallen gelassen oder flüchtig und faul aufgelöst werden. Allein der Charakter von Alice (umwerfend: Olga Kurylenko) bekommt hier eine Art nachvollziehbarer Vergangenheit, wobei selbst Peter Deveraux zum absolut blassen Hitman verkommt, der so unfassbar viele Schießerei ohne einen Kratzer überlebt, dass man schon fast an göttliche Intervention glauben mag.
Aber Logik ist hier sowieso nicht wichtig, ebenso wie eine Story, dessen Twist man nicht schon nach fünf Minuten gegen den Wind riechen kann oder Charaktere, denen man wirklich etwas abgewinnt. Nimmt man Luke Braceys Charakter des David Mason als Beispiel: Dieser bekommt anfangs noch einen interessanten, innerlichen Konflikt und mit der Zeit sogar einen Love-Interest spendiert. Doch schon in der Mitte des Films wird sein Charakter einfach für viel zu viel Laufzeit fallen gelassen, sodass man am Ende in keinster Weise mehr mit ihm mitfühlen kann. „The November Man“ nimmt sich in seinen 108 Minuten einfach zu viel vor und ist weder anspruchsvolles, noch intelligentes Kino, sondern ein straighter, klischeebeladener Agententhriller, mit einer angenehmen Härte, guten Schauspielern und viel spaßig inszenierter Action. Und das ist dann auch eigentlich alles.