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Raúl Ruiz’ erster Spielfilm von 1967 blieb unvollendet. Montiert auf Basis seiner Notizen und mit einer neu erstellten Tonspur kommt seine Vision endlich auf die große Leinwand: ein Fiebertraum, der geschickt mit seiner eigenen Zeitlichkeit spielt.

Kritik

Im Jahre 1967 drehte Raúl Ruiz (Die wiedergefundene Zeit) seinen ersten Spielfilm und stellte ihn, aus Gründen fehlender Finanzierung, nie fertig. 2020, 8 Jahre nach seinem Tod, veröffentlicht seine Witwe Valeria Sarmiento(Linhas de Wellington) nun den Film, dessen Unvollständigkeit Ruizs gesamte Karriere andauerte. Jedoch editierte und bearbeitete Sarmiento das Filmmaterial in eine sich zuziehende Schleife aus desorientierendem Bildmaterial. Das Ergebnis ist ein Hybrid aus Debütfilm und Alterswerk, aus Nachruf an die Verstorbenen und Verfremdung der Erinnerungen. Sarmiento spielt mit der Fragmentierung des Filmes und trägt diese offensiv nach außen. Als Resultat ist The Tango of the Widower and its Distorting Mirror ein faszinierendes Dokument, als Film hätte diese umfangreiche Aufarbeitung sperriger aber kaum ausfallen können. 

Der Titel des Filmes nimmt in gewisser Weise dessen Struktur vorweg: Die erste Hälfte, der besagte „Tango“, orientiert sich noch teilweise an gängigen Handlungsmustern. Ein alternder Professor (Rubén Sotoconil, La tierra prometido) wird vom Geist seiner verstorbenen Frau (Claudia Paz), inklusiver ihrer, am Fußboden umherirrenden, Perücke heimgesucht. Mehr und mehr wird sein Leben zu einer Reihe an Alpträumen. Die zweite Hälfte des Filmes lässt sich als Dekonstruktion von Bildern und Erinnerungen einordnen. Der „Distorting Mirror“, nach Sarmientos Vision, gestaltet sich als Spiel mit Überblendung und Verfremdung des Bild- und Tonmaterials. Urplötzlich beginnt der Film rückwärts zu laufen und Bilder beginnen ineinander zu morphen. Das ist desorientierend, leicht psychedelisch und manchmal faszinierend. Manchmal. 

Sarmientos Interpretation von Ruizs Material wirkt von Anfang an beklemmend unfertig. Das scheinbar absichtliche und stark bemerkbare Dubbing der Tonspur, inklusive ergänzter Hintergrundgeräusche (der Ton des Originalmaterials wurde nie fertig gestellt) lässt oftmals den Eindruck einer überzeichneten Klamotte entstehen. Die eher bemühten Gruselmomente tragen ihren Teil dazu bei. Dennoch gelingt der Regisseurin durch ihr Spiel mit der Bildebene in der zweiten Hälfte eine Meditation über den Tod und das Verschwinden, wenn etwa Close Ups von Gesichtern beginnen ineinander überzugehen oder die Zeitebene beginnt sich aufzulösen. Leider verliert sich der Film im Verlauf zu sehr in der eigenen Inszenierung. Die rückwärts abgespielten Passagen des Bildmaterials in etwa sind nur von kurzer Dauer ästhetisch wirksam, solange bis sie in eine nichtssagende Monotonie der Wiederholung zerlaufen. Sarmientos Dekonstruktion alter Bilder ist bemerkbar, aber nicht erfahrbar.

Fazit

„The Tango of the Widower and its Distorting Mirror“ ist ein intellektuell fruchtbares Spiel mit Ästhetik und Perspektive, jedoch aufgrund seiner repetitiven Stilistik nur für Hardcore-Avantgarde-Fans zu empfehlen.

Autor: Jakob Jurisch

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