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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

In einer abgelegenen chinesischen Stadt zwingt ein autoritärer Vater, nachdem er einen Schlaganfall erlitten hat, seine Frau und seine Tochter, ihn zu pflegen. Vee Shi, sein Sohn, setzt sich mit Kindespflichten und dem Erbe des Patriarchats auseinander und stellt die Frage, wer den emotionalen und finanziellen Preis für einen abwesenden und gewalttätigen Vater zahlen muss. Eine grosszügige und fulminante Familiensaga, in der alle Mittel erlaubt sind.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Die Kamera wird in Vee Shis zartbitterem Cinéma vérité zum Medium eines paradoxen Perspektiv-Wechsels; sie eröffnet nicht nur dem Publikum, sondern auch dem Regisseur einen ungekannten Einblick in den Alltag einer chinesischen Mittelstandsfamilie. Es ist Shis eigene, über die er sagt, er habe sie nie richtig gesehen: “Bevor ich sie als Regisseur betrachtete.” Dieses Eingeständnis zu Beginn des kantigen Gruppenbilds manifestiert sich in einem präzisierten Fokus auf die zwischenmenschliche Dynamik in der städtischen Apartment-Wohnung und einer nicht nur im partizipatorischen Dokumentarkino seltene   emotionale Offenheit.

Der empathische Blick offenbart die psychologischen Nuancen der belasteten Beziehung der alternden Eltern, die der gesundheitliche Abbau des Vaters stetig eskalieren lässt. Nach einem Schlaganfall nutzt der gewalttätige Vater seinen labilen Zustand als Mittel seelischer und materieller Verletzungen. In ihrer neuen Position körperlicher Überlegenheit und psychischer Abhängigkeit pendelt die Mutter zwischen Pflichtgefühl, Zorn und Erschöpfung. Ihre erwachsene Tochter steckt in einem ähnlichen Kreislauf aus Überlastung, Kollaps, Schuldgefühlen und Selbstaufopferung. Ein fiktiver Plot dient als Aufhänger privater Aufnahmen, in denen sich reale Emotionen entladen. 

Hinter der melodramatischen Maske zeigt sich ein echtes Familiendrama, in dem Lachen und Trauer, Einsamkeit und Zusammenhalt, Fürsorge und Misshandlung verstörend nah beieinander liegen. Patriarchalische Strukturen und toxischer Traditionalismus, die bis ins Privatleben vordringen, bilden den Nährboden eines vergifteten Familienklimas. Das Ideal der konformistischen Kernfamilie wird zur traurigen Farce, die alle, die ihr nicht entfliehen, psychisch zerbricht. Tragisch deutlich wird dies am Schicksal Shis Schwester, die als einziges der vier Geschwister im elterlichen Haushalt geblieben ist. Der mittelständische Mikrokosmos wird zum Spiegel eines pervertierten Wertsystems.

Fazit

Schmerzlich ehrlich gegenüber dem Kinopublikum und sich selbst, konfrontiert Vee Shi den desolaten Zustand des Elternhauses, das er vor über einem Jahrzehnt verließ. Zynische Scherze kaschieren kaum echte Aggressionen, die sich einst in physischen Übergriffen entluden. Misshandlung scheint ebenso normalisiert wie Manipulation und ökonomische Machtgefälle. Die Heimvideo-Optik der Handkamera verstärkt die Authentizität und Unmittelbarkeit innerhalb des klaustrophobischen Wohnraums. Performative Inszenierung wird zum Katalysator einer verdrängten Realität. Ökonomische Belastung verstärkt über Generationen weitergegebene destruktive Muster, die reaktionäre Gender-Rollen. Die konservative Kernfamilie als Keimzelle einer dysfunktionalen Gesellschaft. 

Kritik: Lida Bach

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