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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Alice, eine Soziologieforscherin, erfährt, dass sie schwanger ist. Ihr Mann Luc ist überglücklich. Bei ihrem Sohn Ulysse wird im Alter von einem Jahr eine genetische Erkrankung diagnostiziert. Alice widmet sich der Aufgabe, ihm dabei zu helfen, laufen, sprechen und lernen zu können – und seinen Platz zu finden.

Kritik

Humanismus und Hagiographie ergänzen wünschten in Laetitia Massons (Summer Frost) pietistischem Porträt mütterlicher Aufopferung. Inspiriert ist diese von der eigenen Geschichte der französischen Regisseurin, deren Sohn Alphonse Roberts die Titelrolle spielt. Ulysse leidet an einer seltenen genetischen Disposition namens Noonan-Syndrom. Die Erbkrankheit verursacht Entwicklungsstörungen und kognitive Einschränkungen, die individuell verschieden ausgeprägt sein können. Doch im Zentrum der sentimentalen Story steht nicht Ulysse, der sich trotz der physischen und mentalen Herausforderungen einen Platz in der Gesellschaft erkämpft, sondern seine Mutter.

Das geradlinige Geschehen beginnt und endet mit Sozialforscherin Alice (Élodie Bouchez, Out of Control), die in beiden Rahmenszenen auf Filmmaterial blickt. Das Publikum sieht die Ereignisse durch ihre Augen statt durch die ihres Sohnes, dessen Wahrnehmung nur eine flüchtige Einstellung visualisiert. Die verzerrte Einstellung in übersteuerten Farben reproduziert ein surreales Stereotyp einer zugleich gesteigerten und gedämpften Sensitivität, die an unzählige Leinwand-LSD-Trips erinnert. Der unbeholfene Versuch ästhetischer Interpretation wirkt symptomatisch für eine Inszenierung, die Empathie ununterbrochen anpreist, aber nie glaubhaft vermittelt. 

Ähnlich losgelöst von der Lebensrealität normalverdienender Familien mit einem Kind mit Handicap ist die privilegierte Position der wohlhabenden Protagonistin und ihres Gatten, Profi-Pianist Luc (Stanislas Merhar, Maria). Die Elite-Eltern stemmen mühelos die Kosten diverser Spezial-Therapien („Keine Sorge, wir sind Doppelverdiener“). Dank dieser intensiven Förderung, inklusive Sprach-Training von Rapper Gringe (Das perfekte Geschenk) als Logopäde sowie Alice unermüdlicher Fürsorge wird ihr Sohn buchstäblich zum Überflieger. Bürokratie und Behörden beugen sich umgehend Alice selbst angeeigneter Expertise und Engagement, dank dessen gesellschaftliche Teilhabe garantiert scheint. 

Fazit

Strukturelle Stabilität und ökonomische Sicherheit scheinen in Laetitia Massons seichtem Feel-Good-Familiendrama ebenso selbstverständlich in wie die mütterliche Aufopferung. In deren klischeehafter Idealisierung konstruiert die Regisseurin und Drehbuchautorin ihre eigene heiligengleiche Hommage, in der ihr Sohn als Personifizierung ihres Erfolges eine doppelte Schlüsselrolle spielt. Dass Status und Vermögen über Selbstverwirklichung und gesundheitliche Entwicklung von Kindern wie Ulysse entscheiden, ignoriert die semi-biografische Selbstverklärung. Kitschige Kamerabilder und sentimentaler Soundtrack komplettieren die herzerweichende Hochglanz-Ästhetik, die mit emotionaler Manipulation ihre systempolitischen Scheuklappen übertüncht. 

Kritik: Lida Bach

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