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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Die österreichische Dokumentarfilmerin Ruth Beckermann reiste nach Addis Abeba, um eine historische Wahrheit aufzudecken. Ein Essay über Äthiopiens gespaltene Vergangenheit, in der es mehr Fragen gibt als Antworten.

Kritik

Von ihrem luxuriösen Hotelzimmer im Hilton-Hotel in Addis Abeba aus blickt Ruth Beckermann filmisch und figürlich auf eine Metropole, deren Geschichte und Gegenwart bildlich und buchstäblich zur komfortablen Kulisse dokumentarischer Selbstdarstellung wird. Die österreichische Regisseurin spaziert durch die Lobby dieser wohl organisierten Welt gleich einer Vertreterin kapitalistischer Kolonialisierung. Jener durchdringt den dokumentarischen Duktus einer selbstgenügsamen Systemkritik, analytisch und allegorisch gefangen in einem goldenen Käfig, dessen Opulenz im befremdlichen Kontrast zu den ökonomischen und strukturellen Kämpfen der Mehrheitsbevölkerung steht. 

Ein bisschen Travellougue, ein bisschen paternalistische Politkunde, ein bisschen kommerzielle Koketterie begleiten die reflektierenden Rundgänge durch den 1960 errichteten Bau. Dessen ideellen Grundstein legte der von 1930 bis 1974 regierende Emperor Haile Selassie, dessen zwiespältiges Erbe am zentralen Schauplatz und in der äthiopischen Hauptstadt verstreut liegt. Als metaphorischer Mikrokosmos, an dem kolonialistische Machtpositionen und Modernisierungsideale gegenseitig verstärken. Beckermann selbst ist Teil dieser zeitgenössischen Annäherung an einen Kolonialismus, dem Äthiopien über Jahrhunderte stolz widerstand. 

Diese neokolonialistischen Narrative unter der glatten Oberfläche der repetitiven Ansichten des eleganten Interieurs konterkariert die vorgebliche progressive Perspektive.  Einen Ausflug jenseits der materialistischen Mauern des gediegenen Settings scheut die Kamera, deren träge Aufnahmen nur einige Archivszenen Haile Selassie aufbrechen. Gelegentliche Plaudereien mit Hotel-Personal und anderen Gästen bewegen sich nie unter die Oberfläche der internen Strukturen. Klassismus, Rassismus und Imperialismus bleiben wortwörtlich beschränkt durch das privilegierte Framing. Das wirkt absurd plakativ, wenn die Kamera auf die Stadt blickt - aus dem Hotelzimmer-Fenster. 

Viel mehr als die langatmige Legitimation eines Urlaubs in Äthiopiens Hauptstadt kommt nicht heraus bei Ruth Beckermanns diffuser Doku, die nach ihrer Premiere in der Special Sektion der Berlinale nun bei CPH:DOX läuft. Eine hintergründige Auseinandersetzung mit der Problematik des eigenen Blickwinkels bleibt ebenso aus wie eine offene Erkundung des Ortes, der nur ein paar Schritte entfernt und dennoch weit weg liegt. Ebenso unzureichend verläuft die unentschlossen Untersuchung Haile Salassies Herrschaft und politischen Erbes. Ein egozentrischer Exkurs in Eskapismus. 

Fazit

Kritik: Lida Bach

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