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Devereaux, ein französischer Geschäftsmann mit hohen, politischen Ambitionen, befindet sich auf Geschäftsreise in New York. In seinem Hotelzimmer feiert er wie so oft eine ausschweifende Sex-Orgie. Als er am nächsten Tag versucht, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen, zeigt dieses ihn an. Devereaux wird verhaftet und sieht sich einem Prozess von hohem medialem Interesse ausgesetzt.

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Kritik

Wie konnte es auch anders sein, mit Welcome to New York sorgte Filmemacher Abel Ferrara (Bad Lieutenant) mal wieder für eine heftige Kontroverse und polarisierte auf allen Ebenen. Die Handlung beruht ganz unverblümt auf dem Skandal-Prozess um den ehemaligen IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn, dem 2011 eben jenes Verbrechen zu Last gelegt wurde und dessen rein faktisch belegbarer Ablauf genauso stattfand. Demzufolge wurde mit Unterlassungsklagen gedroht, aber selbst mit den eigenen Verleih bekam sich Ferrara in die Flicken. So entbrannte ein heftiger Disput über extreme Kürzungen, die angeblich nicht vom Regisseur autorisiert wurden, was die Gegenseite wiederum abstritt. Am Ende blieben nur knapp 110 von mal gut 200 Minuten übrig. Auch die Kritik nahm den Streifen sehr gemischt auf, was jedoch in der Form kaum verwundert.

Für leichte oder bequeme Kost steht Ferrara nun mal naturgemäß nicht und gerade Welcome to New York ist im Grunde genommen ein überwiegend äußerst unangenehmer Film. Ziemlich exakt zwischen der zugrundeliegenden Strauss-Kahn-Affäre und dem erdrutschartigen Skandal rund um Harvey Weinstein im Rahmen der #MeToo-Kampagne aber wahnsinnig dicht am Puls der Zeit und dadurch von immenser Relevanz. Von dem durch allerhand fragwürdig-populistische Auftritte schon ziemlich aufs filmische Abstellgleis geraten Schwergewicht Gérard Depardieu (Der Bulle von Paris) mit geradezu abstoßender Intensität verkörpert, tritt Ferrara’s „Strauss-Kahn“ (oder auch „Weinstein“) als misogyner, voller Wollust grunzend und schnaubender Perverser auf, der aufgrund seiner Stellung und der ihm stets gebotenen Möglichkeiten seinen erniedrigenden Trieben freien Lauf zu lassen längst den Bezug zur Realität verloren hat. Das ist für ihn inzwischen völlig normal, selbstverständlich. Und sein Umfeld tut alles dafür, dass diese krankhafte Seifenblase nicht platzt. Umgibt er sich doch nur mit Gestalten, die sein Treiben unterstützen, tolerieren, bagatellisieren oder übersehen. Selbst seine Tochter und seine Ehefrau (Jacqueline Bisset, Bullitt) wenden sich eher nur peinlich berührt ab, anstatt dem Einheit zu gebieten.

Von Macht und Unantastbarkeit trunken ist Devereaux längst nicht mehr Herr seiner selbst, was Ferrara aber keinesfalls in nur irgendeiner Szene als strafmildernd zulassen würde. So objektiv und distanziert wie es ihm möglich ist, gleichzeitig aber auch mit einer abscheuerregender Intensität wird der moralische Verfall eines bald nur noch als Kreatur zu bezeichnenden Widerlings offengelegt, der sich hinter seine Krankheit als Entschuldigung verkriecht und gleichzeitig der Meinung ist, dass er in seiner Stellung vor nichts und niemanden Rechenschaft abzulegen hat. Jedwede Form von Unrechtsbewusstsein, sie ist längst verschwunden. In seiner bizarren Realität glaubt er sich wahrscheinlich wirklich als unschuldig, hat sich doch längst ein Menschen- und besonders Frauenbild verselbstständigt, das einem einen eiskalten Schauer den Rücken herunterjagt. Dem trotz seiner offen ausgelebten Schweinerein so lange so viele untätig bis hilflos gegenüberstanden und es auch jetzt noch immer tun, dass er – so erschreckend das klingen mag – kaum zu einem anderen Schluss kommen kann.

Fazit

Ein bedrückender, manchmal kaum auszuhaltender Film, mit dem Abel Ferrara kein simples Betroffenheits- oder Erklärungs-Kino auffahren will, sondern einen Missstand anprangert, der ja offensichtlich kein prominenter Einzelfall war. Auf erschütternde Weise führt er in die Gedanken- und Erlebniswelt dieser Personen ein und zeigt auch ein Umfeld, dem wenigstens eine Teilschuld zugesprochen werden muss. Er will kein Mitgefühl schüren, weder für die eine noch die andere Seite. Er will nur etwas begreifbar machen. So unbegreiflich es eigentlich ist. Das ist nicht unterhaltsam und ganz sicher nicht schön mit anzusehen – aber wäre es das, müsste man sich auch über diesen Film ganz andere Gedanken machen.

Autor: Jacko Kunze

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