Filmkritik: Troll (1986) – Ein unterschätztes Märchenmonster im Gewand des 80er-Jahre-Horrors
John Carl Buechlers Troll ist ein Film, der auf den ersten Blick leicht unterschätzt wird. Zwischen Fantasy, Horror und märchenhaften Motiven angesiedelt, wirkt das Werk weniger wie ein klassischer Schocker als vielmehr wie ein dunkles, urbanes Märchen, das seine Wirkung nicht über Angst, sondern über Atmosphäre und Einfallsreichtum entfaltet. In dieser Perspektive betrachtet offenbart Troll mehr Qualitäten, als sein Ruf vermuten lässt.
Im Zentrum der Handlung steht ein Apartmenthaus, das nach und nach von einem uralten Trollwesen infiltriert wird. Wohnung für Wohnung verwandelt sich die vertraute Alltagswelt in eine fremdartige, magisch durchdrungene Sphäre. Diese Grundidee ist bemerkenswert originell und bietet eine gelungene Verbindung von folkloristischen Motiven mit einem modernen, urbanen Setting. Anders als viele Horrorfilme seiner Zeit nutzt Troll das Wohnhaus nicht nur als Kulisse, sondern als abgeschlossenen Mikrokosmos, in dem sich das Übernatürliche schleichend ausbreitet.
Die Besessenheit der jungen Wendy, in deren Körper der Troll Unterschlupf findet, ist zwar plump inszeniert, erfüllt aber dennoch eine klare dramaturgische Funktion. Statt psychologischer Tiefe setzt der Film bewusst auf eine märchenhafte Vereinfachung: Das Böse tarnt sich im Körper eines Kindes, unscheinbar und zugleich unheimlich. Die häufig gezogene Parallele zu Poltergeist ist nicht unberechtigt, doch Troll geht einen anderen Weg. Hier steht weniger das familiäre Trauma im Vordergrund als vielmehr die Idee des Gestaltwandels – ein klassisches Märchenmotiv, das konsequent durch den Film getragen wird.
Auch die Figur des Vaters wirkt bei genauerer Betrachtung weniger wie ein bloßes Ärgernis, sondern eher wie ein bewusst passiv gezeichneter Charakter. Seine Unfähigkeit, das Offensichtliche zu erkennen, lässt sich als Ausdruck rationaler Verdrängung lesen: Das Übernatürliche findet keinen Platz in seiner Welt, weshalb er es ignoriert. Diese Haltung passt zur Grundthematik des Films, in dem Magie und Mythos in einer Welt existieren, die sie längst vergessen hat.
Besonders positiv hervorzuheben ist Buechlers Arbeit als Effektkünstler. Die Creature-Designs, Masken und praktischen Effekte besitzen einen handgemachten Charme, der den Film fest in der Ära des 80er-Jahre-Fantasy-Horrors verankert. Der Troll selbst wirkt weniger bedrohlich als fantasievoll – eher ein Wesen aus alten Sagen als ein klassisches Horrormonster. Diese Ästhetik verleiht dem Film eine eigenständige Identität, die sich wohltuend von reinen Slasher-Produktionen abhebt.
Auch thematisch zeigt Troll mehr Ambitionen, als man zunächst annehmen würde. Elemente wie die Walpurgisnacht, Gestaltwandler und die schrittweise Verdrängung menschlichen Lebens durch eine fremde, magische Ordnung verleihen dem Film eine mythologische Tiefe, die zwar nicht vollständig ausgearbeitet ist, aber dennoch spürbar mitschwingt. Hinzu kommt das heute fast schon legendäre Detail des Protagonistennamens Harry Potter Jr., das dem Film rückblickend einen kuriosen popkulturellen Nachhall verleiht.
Natürlich bleibt Troll ein Film mit Schwächen: Das Budget ist sichtbar begrenzt, die Inszenierung nicht immer konsequent, und manche Ideen hätten eine stärkere dramaturgische Ausarbeitung verdient. Doch gerade diese Unvollkommenheit trägt auch zu seinem Charme bei. Troll ist kein großer Horrorfilm, aber ein liebevoll gemachter Genre-Mix, der Fantasie über Schockeffekte stellt.