Good Boy - Trust his Instincts ist ein Horrorfilm mit einer ungewöhnlichen, fast schon subversiven Entscheidung: Die Welt wird konsequent aus der Perspektive eines Hundes erzählt. Kein ironischer Gimmick, sondern das konzeptionelle Rückgrat des Films von Ben Leonberg. Was zunächst nach einer kuriosen Idee klingt, entfaltet sich schnell als kluger, leiser Albtraum. Der Hund beobachtet. Er versteht nicht alles, aber er spürt alles. Und genau darin liegt der Reiz dieses Films. Geräusche werden bedrohlicher als Bilder, Stimmungen wichtiger als Dialoge. Türen, die zu lange geschlossen bleiben. Stimmen, die sich verändern. Bewegungen, die nicht mehr vertraut wirken. Der Zuschauer wird in denselben Zustand versetzt wie der Vierbeiner: wachsam, unsicher, permanent auf der Suche nach Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Shane Jensen spielt das Herrchen mit einer schleichenden Unheimlichkeit. Kein offenes Monster, kein klassischer Bösewicht, sondern ein Mensch, der sich langsam verschiebt. Arielle Friedman ergänzt das Ensemble mit einer Präsenz, die zwischen Fürsorge und Fremdheit pendelt. Alles bleibt ambivalent, nichts wird erklärt, und genau das macht Good Boy doch recht effektiv. Leonberg verzichtet auf billige Schocks und Jumpscares. Der Horror entsteht aus Nähe, aus Alltäglichkeit, aus dem Bruch von Vertrauen. Der Film nutzt unsere emotionale Bindung zu Tieren gnadenlos aus, ohne sie zu instrumentalisieren. Man leidet mit dem Hund, nicht weil er bedroht wird, sondern weil er loyal bleibt, obwohl sein Instinkt längst Alarm schlägt. Good Boy ist kein lauter Horrorfilm, sondern ein nervöses, beklemmendes Kammerspiel. Einer dieser Filme, die leise kratzen, statt laut zu beißen. Und gerade deshalb unter die Haut gehen.