Ein Horrorfilm über ein mörderisches Nilpferd? Na, das ist doch mal eine etwas andere Nummer im gut gefüllten Tierhorror-Regal. Als ich auf Hungry von James Nunn stieß, musste ich jedenfalls nicht lange überredet werden. Allein schon deshalb, weil ich Filme dieser Kategorie immer wieder gerne auf ihre Tauglichkeit als handfeste Genrekost überprüfe. Und wer sich in die Sümpfe Louisianas wagt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Natur dort nicht unbedingt auf Urlauber wartet, um ihnen die schönsten Seiten ihrer Landschaft zu zeigen.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine Gruppe Urlauber verirrt sich während eines Abenteuers in den Sümpfen und gerät in das Revier eines hungrigen, aggressiven Nilpferds. Was als Ausflug beginnt, entwickelt sich zum Kampf ums Überleben. Das ist keine sonderlich revolutionäre Ausgangsidee, aber eine, aus der sich durchaus Spannung herausholen lässt.
Mit Joaquim de Almeida ist für mich der Franco Nero der B-Movies mit von der Partie. Seit den Neunzigern und seinen Auftritten in den Filmen von Robert Rodriguez ist er aus dem Genre kaum wegzudenken. Als Walker und Beschützer der Sümpfe bringt er die nötige Präsenz mit. Auch Madison Davenport, Tracey Bonner und Jim Meskimen fügen sich ordentlich in das Ensemble ein. Die Figuren sind unterschiedlich genug angelegt, um für Dynamik zu sorgen, und die schauspielerischen Leistungen bewegen sich auf einem soliden Niveau. Die Dialoge halten das Geschehen in Gang, ohne dass der Film dabei seine eigentliche Bestimmung aus den Augen verliert: unterhalten.
Visuell weiß Hungry durchaus zu gefallen. Die Sumpflandschaften Louisianas sind stimmungsvoll eingefangen und bilden eine überzeugende Kulisse für den Überlebenskampf. James Nunn versteht es, das Monster nicht ständig zeigen zu müssen. Das dichte Grün, das trübe Wasser und die unübersichtliche Vegetation erzeugen eine Atmosphäre, in der die Gefahr jederzeit lauern könnte. Hier darf die Fantasie des Zuschauers noch ein wenig mitarbeiten, statt dass ihm jede Bedrohung permanent vorgeführt wird.
Allerdings hat diese Zurückhaltung auch ihre Schattenseiten. Wenn es schließlich zur Konfrontation mit dem titelgebenden Vielfraß kommt, bleiben die entsprechenden Szenen überschaubar. Ein Nilpferd als mörderische Bestie bietet schließlich genügend Potenzial für spektakuläre Schauwerte.
Hungry ist ein unterhaltsamer Tierhorrorfilm, der mit seiner ungewöhnlichen Kreatur, den atmosphärischen Sumpfbildern und einem brauchbaren Ensemble punktet.
Ein Genre-Meilenstein ist das Ganze allerdings nicht, und besonders lange wird sich der Film vermutlich auch nicht im Gedächtnis festsetzen. Für einen vergnüglichen Horrorabend reicht es allemal. Wer Killerfilme mag und sich gerne auf ungewöhnliche Monster einlässt, kann ruhig einen Blick riskieren. Eine zweite Sichtung muss man allerdings leider leider, nicht einplanen.
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