Romans (gedreht in London) ist düsteres Schauspielkino, getragen von einem überragenden Orlando Bloom, der diese Rolle vermutlich gerade deshalb angenommen hat, weil sie ihm erlaubt, alles Glatte und Heroische abzustreifen. Bloom spielt hier nicht, er legt frei. Sein Spiel ist von einer inneren Erschöpfung durchzogen, die sich in kleinen Gesten, gebrochenen Blicken und einer fast schmerzhaften Zurückhaltung manifestiert. Auch der Neben-Cast ist exzellent besetzt und darstellerisch auf hohem Niveau. Als Emma Janet Montgomery, und besonders Anne Reid als Malkys Mutter spielt frei-depri auf. Das Drama erzählt von Sühne, kirchlichem Missbrauch und von Eltern, die wegsehen, nicht aus Bosheit, sondern aus Feigheit, Überforderung oder Selbstschutz. Gerade diese Grauzonen machen den Film unangenehm ehrlich. Im Zentrum steht die Zerstörung einer guten Seele, leise, schrittweise, beinahe unspektakulär. Und genau darin liegt die Grausamkeit. Erst wenn dieses Unheil geschehen ist, beginnt der eigentliche Leidensweg aller Beteiligten. Der Film verweigert bewusst Schauwerte. Es gibt keine emotionalen Ausbrüche, keine kathartischen Höhepunkte, keine visuelle Opulenz. Das macht Romans (12:20) stellenweise schwer zugänglich und im klassischen Sinne wenig unterhaltsam. Doch gerade diese Verweigerung wirkt konsequent und ehrlich bis zum bitteren Schluss. Am Ende bleibt ein tiefsinniges, berührendes Drama, das mehr nachhallt als es begeistert. Großes Schauspielkino ohne falsche Versprechen, mit überzeugenden Darstellern und einer passablen Lauflänge. Kein Film für einen leichten Abend, aber ein guter und richtiger Film.