Manchmal kommen die besten Fantasyfilme nicht aus den ganz großen Studios, sondern aus einer Idee, die auf dem Papier eigentlich viel zu verrückt klingt. Ein Skizzenbuch fällt in einen geheimnisvollen Teich, die gezeichneten Monster erwachen zum Leben und legen eine ganze Kleinstadt lahm. Klingt nach einem Kinderfilm? Ist es auch. Aber eben nur zur Hälfte. Denn Seth Worleys Sketch erzählt unter seiner fantasievollen Oberfläche eigentlich eine Geschichte über Trauer, Verlust und darüber, wie unterschiedlich Menschen mit Schmerz umgehen. Im Mittelpunkt steht die junge Bianca Belle als Amber Wyatt. Amber ist kein typisches Wunderkind, sondern ein verletzliches Mädchen, das ihren Schmerz lieber in Zeichnungen packt als in Worte. Genau diese Zeichnungen werden später zum eigentlichen Gegenspieler der Geschichte
Tony Hale überrascht mich hier vielleicht am meisten. Wer ihn bislang hauptsächlich aus seinen komödiantischen Rollen kennt, erlebt hier einen deutlich leiseren Schauspieler. Sein verwitweter Vater Taylor versucht verzweifelt, seine Familie zusammenzuhalten, obwohl er selbst innerlich längst auseinanderfällt. Hale drängt sich nie in den Vordergrund, sondern lässt seinen Kindern den Raum, in dem sich die Geschichte entfalten kann.
Auch Kue Lawrence als Bruder Jack funktioniert hervorragend und spielt gut.
Dramaturgisch braucht Sketch allerdings Anlauf. Der Film nimmt sich viel Zeit, seine Figuren kennenzulernen, bevor die Fantasie endgültig von der Leine gelassen wird. Erst wenn die gezeichneten Kreaturen die Kontrolle übernehmen, zieht das Tempo deutlich an. Dann erinnert der Film stellenweise an die Abenteuerfilme der 80er Jahre, in denen Fantasie und Gefahr noch ganz selbstverständlich nebeneinander existierten. Filme wie Gremlins oder Die Goonies kommen mir da in den Sinn. Gleichzeitig bleibt Worley immer bei seiner eigentlichen Geschichte. Nicht die Monster sind das Problem, sondern die Gefühle, die sie verkörpern. Und wer kennt sie nicht diese Kinderzeichnungen?
Visuell macht Sketch eigentlich alles richtig. Die Kamera von Megan Stacey taucht die Vorstadt in warme Farben, während die Fantasiewesen bewusst wie handgezeichnete Albträume wirken. Die Effekte wollen gar nicht geschniegelt perfekt aussehen. Sie behalten etwas von Buntstift, Papier und kindlicher Vorstellungskraft. Auch die Sets wirken angenehm greifbar und nicht wie eine CGI-Spielwiese.
Seth Worley verbindet Familienabenteuer mit emotionalem Drama erstaunlich souverän und liefert einen Film, der Herz besitzt, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Meiner Meinung nach ist das einer dieser seltenen Familienfilme, die Kinder wegen ihrer Monster lieben und Erwachsene wegen der Menschen dahinter.
Kritik von WilliamWhyler
Gesehen: Juli, 2026
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