Außer Kontrolle – Unstoppable ist ein Film aus einer besseren Kinozeit. Ein Film, in dem Chris Pine noch nicht der charmante Dauerspaßvogel vieler späterer Produktionen ist, sondern ein ernstzunehmender Hauptdarsteller. Und ein Film, in dem Denzel Washington wie gewohnt brilliert und dem Werk von Tony Scott genau die Glaubwürdigkeit und Erdung verleiht, die ein derart simples Szenario benötigt. Einen Actionfilm wie eine Live-News-Story zu inszenieren, farbenfroh, intensiv und mit hohem Tempo, das muss man erst einmal können. Und genau deshalb funktioniert Unstoppable auch heute noch erstaunlich gut.
Zur Handlung: Ein führerloser Güterzug rast mit gefährlicher Ladung durch Pennsylvania und droht eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes auszulösen. Zwei Eisenbahner, der erfahrene Frank Barnes (Denzel Washington) und der junge Will Colson (Chris Pine), sind die Einzigen, die den Zug noch stoppen können. Was nach einem Plot klingt, der kaum einen ganzen Film tragen kann (so ähnlich passiert), entwickelt sich unter Tony Scotts Regie zu einem nervenaufreibenden Wettlauf gegen die Zeit.
Besonders die Dynamik zwischen Washington und Pine trägt den Film. Denzel spielt seinen Frank Barnes mit der gewohnten Mischung aus Würde, Erfahrung und unterschwelligem Zorn. Er ist ein Mann, der weiß, dass seine Zeit im Unternehmen langsam abläuft und der dennoch Verantwortung übernimmt, wenn andere längst zurückweichen. Chris Pine verkörpert dagegen den jüngeren Kollegen, impulsiv, unsicher und privat mit eigenen Problemen belastet. Gerade weil die Figuren keine Superhelden sind, sondern normale Arbeiter, entsteht eine überraschende emotionale Bindung.
Während andere Actionfilme immer größer, lauter und unrealistischer wurden, konzentriert sich Unstoppable auf Menschen, die einfach ihren Job machen. Die Spannung entsteht nicht durch Explosionen im Minutentakt, sondern durch die Frage, ob zwei Männer unter enormem Druck die richtige Entscheidung treffen.
Visuell ist der Film ein typischer Tony Scott. Die Kamera rast über Schienen, Lokomotiven und Industrieanlagen. Die Bilder sind gesättigt, kontrastreich und voller Bewegung. Die Züge wirken dabei wie stählerne Monster, die sich unaufhaltsam durch die Landschaft fressen. Die Bahnhöfe, Werkshallen und Gleisanlagen vermitteln eine raue, authentische Arbeitswelt, die heute im Kino nur noch selten zu sehen ist.
Dramaturgisch steigert sich der Film kontinuierlich. Mit jeder gescheiterten Maßnahme wächst die Gefahr. Scott versteht es meisterhaft, aus einem eigentlich simplen Vorfall immer neue Spannung zu erzeugen, ohne dass es künstlich wirkt.
Außer Kontrolle – Unstoppable ist einer der letzten großen klassischen Actionthriller Hollywoods. Kein CGI-Overkill, keine Superkräfte. Nur ein guter Plot, zwei hervorragende Hauptdarsteller und ein Regisseur, der wusste, wie man Tempo erzeugt.
Für Fans von Speed, Runaway Train oder The Taking of Pelham 123.
Meiner Meinung nach gehört Unstoppable zu den unterschätztesten Actionfilmen der 2010er Jahre und zeigt noch einmal eindrucksvoll, warum Denzel Washington und Tony Scott ein so starkes Duo waren.
Kritik von WilliamWhyler
Gesehen: Juni, 2011
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