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Yasemin

Kritik von Yasemin

Gesehen: Juni, 2026

Berlin ist in Nulpen kein Ort spektakulärer Ereignisse. Sorina Gajewski interessiert sich für den Alltag ihrer Figuren – für Parks, Straßenzüge und zufällige Begegnungen, in denen sich ihre Freundschaft entfaltet. Mit ihrem Regiedebüt beobachtet Sorina Gajewski das Leben zweier Teenager aus Berlin, die gerade das Abitur gemacht haben und sich lieber vom Berliner Sommer treiben lassen als ambitionierte Karriereziele zu verfolgen.

Nico soll ohnehin von ihren Eltern an eine private Hochschule geschickt werden, auch wenn sie sich nicht sonderlich dafür interessiert. Weit mehr beschäftigt sie, dass dieses Privileg ihre Freundschaft zu Ramona gefährden könnte. Gesellschaftliche Erfolgserwartungen treten dabei hinter die Freundschaft der beiden zurück. Beim Flanieren der beiden durch einen Park in Kreuzberg kommt es zu einer kurzen Auseinandersetzung wegen des Vogels eines Nachbarn, den dieser den beiden anvertraut hatte – damit sie “lernen”, Verantwortung zu übernehmen. Aus Langeweile lassen sie das Tier aus dem Käfig frei und finden es anschließend eher zufällig wieder.

Dann ist da noch der kleine Bruder von Ramona, Noah, auf den sie aufpassen muss, weil ihre Eltern kaum zu Hause sind. Der Haustürschlüssel um seinen Hals macht Noah zum Sinnbild eines Schlüsselkindes. Auch die Verantwortung für ihren Bruder überfordert Ramona sichtbar. Als er die beiden Freundinnen nicht für den Kampf um eine bessere Welt gewinnen kann, schließt er sich allein einer Klimademonstration an, die gerade an der Wohnung vorbeizieht. Erst Tage später finden sich die drei wieder.

Die Kamera bleibt meist dicht an den Figuren. Häufig zeigt sie ihre Gesichter in Nahaufnahmen oder begleitet sie in längeren Einstellungen zu Fuß durch die Straßen der Stadt. Dadurch entsteht der Eindruck, als würde man die Figuren auf ihrem Weg unmittelbar begleiten. Die Kleidung der beiden jungen Frauen ist fern von jeder modischen Inszenierung. Sie gehört wie selbstverständlich zu den Figuren und unterstreicht ihre Ungezwungenheit ebenso wie ihre Verankerung im Berliner Alltag.

Der Film sucht nicht den spektakulären Konflikt, sondern findet das Absurde im Alltäglichen. Nulpen wirkt in keiner Weise überzogen. Wer Berlin kennt, weiß, dass man fantasievoll verkleideten Straßenmusikern oder allein vor sich hin tanzenden Menschen begegnen kann. Nulpen zeichnet dabei weder das Bild einer verlorenen Jugend noch einer idealisierten Generation. Vielmehr zeigt Gajewski junge Menschen, deren Freundschaften, Unsicherheiten und Hoffnungen in einer widersprüchlichen Gegenwart oft wichtiger erscheinen als Erwartungen an Erfolg und Selbstoptimierung.


Yasemin Kaplan

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