Was die Ferne verändert
Wer Brad Pitt schon in dem Film Interview mit einem Vampir aus dem Jahr 1994 in einer melancholischen Rolle mochte, wird sicherlich auch dem Film Sieben Jahre in Tibet etwas abgewinnen können. Der 1997erschienene Spielfilm gehört meines Erachtens schon in die Kategorie der Filmklassiker und stellt eine Mischung aus Historiendrama, Kostümfilm und Filmbiografie dar. Er basiert auf dem gleichnamigen Buch von Heinrich Harrer, den Brad Pitt hier verkörpert.
Um den Berg Nanga Parbat zu besteigen, reist der österreichische Bergkletterer Harrer im Jahr 1939 zusammen mit einer Expeditionsgruppe in den Himalaya. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs werden sie aber schnell in ein englisches Gefangenenlager gebracht und dort gefangen gehalten. Mehrmals versucht Harrer von dort auszubrechen. Am Ende gelingt es ihm zusammen mit der Gruppe der Bergsteiger, von dort zu fliehen.
Traurig ist seine Geschichte dabei nicht nur aufgrund der angespannten Weltlage. Auch Tibet wird später von China angegriffen, sodass der durch Krieg bedingte Schmerz Harrer selbst dort einholt. Das Land ist dem Österreicher schon längst zur zweiten Heimat geworden. Die Melancholie liegt auch in Harrers eigenem Leben und seinen Entscheidungen. Denn er verlässt seine schwangere Frau Ingrid, um sich als Bergsteiger am anderen Ende der Welt zu beweisen. Wie der Titel des Films schon andeutet, sind es die im Ungewissen vergehenden Jahre, welche die besondere Tragik der Geschichte ausmachen. Harrer verliert sieben Jahre seines ursprünglichen Lebens – aber in diesen sieben Jahren verändert er sich vielleicht überhaupt erst zu jemandem, der begreift, was menschliche Bindung bedeutet. Denn während seiner Zeit in Tibet steigt er zu einer stadtbekannten Persönlichkeit auf und wird schließlich sogar zum engen Vertrauten und Lehrer des jungen Dalai Lama.
Regisseur Jean-Jacques Annaud zeigt ein Leben unter schwersten Bedingungen. Insbesondere durch die extremen Lebensumstände und die teilweise endlos erscheinende Landschaft werden die Gefühle der Charaktere spürbar. Manchmal geht das auch wortkarg wie in den Romanen von Jack London zu, etwa, wenn sich Peter und Heinrich im Überlebenskampf nicht viel zu sagen haben oder ihr Leid schlicht nicht aussprechen wollen. Die Szenen sprechen dann ganz für sich.
Von Yasemin Kaplan