Erwähnungen
Videospiel "007 First Light" im Test
Von OnealRedux in "007 First Light" - Videospiel - Test / Review
am Mittwoch, 10 Juni 2026, 11:30 Uhr
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Endlich hat James Bond wieder die Lizenz zum Spielen: Es gibt Videospielreihen, deren Rückkehr man erwartet. Und es gibt James Bond!
Während Agent 007 auf der Kinoleinwand seit Keine Zeit zu sterben eine kreative Pause einlegt und die Suche nach einem neuen Darsteller weiterhin Schlagzeilen produziert, war es um den berühmtesten Geheimagenten der Welt auch in der Videospielwelt erschreckend still geworden. Vierzehn Jahre sind seit dem letzten echten Bond-Spiel vergangen. Vierzehn Jahre, in denen sich das Medium weiterentwickelt hat, während die Lizenz weitgehend brachlag. Für jemanden wie mich, der mit Bond aufgewachsen ist und die Filme seit Jahrzehnten verschlingt, fühlte sich diese Abwesenheit zunehmend seltsam an. James Bond gehört schließlich zu den großen Popkultur-Ikonen unserer Zeit.
Umso größer war die Freude, als bekannt wurde, dass ausgerechnet IO Interactive die Lizenz übernehmen würde. Die Dänen haben mit der modernen Hitman-Trilogie bewiesen, dass kaum jemand Stealth, soziale Manipulation und spielerische Freiheit besser beherrscht. Schon auf dem Papier wirkte das wie die perfekte Kombination. Nach den ersten Stunden mit 007 First Light wird schnell klar: Dieser Eindruck täuschte nicht.
IO Interactive hat nicht einfach ein Bond-Spiel entwickelt. Das Studio hat verstanden, warum James Bond seit über sechzig Jahren funktioniert.

Story: Die Geburt einer Legende
Anstatt den tausendsten Kampf gegen einen größenwahnsinnigen Welteroberer zu erzählen, konzentriert sich First Light auf einen deutlich interessanteren Ansatz. Wir erleben Bond, bevor er zur Legende wird.
Der junge Agent ist gerade einmal Mitte zwanzig und steht noch am Anfang seiner Karriere. Nach einer gescheiterten Militäroperation wird er vom MI6 rekrutiert und erhält seinen ersten großen Auftrag. Die Jagd auf einen vermeintlichen Verräter entwickelt sich jedoch schnell zu einer deutlich größeren Verschwörung, die Bond rund um den Globus führt und ihn mit mächtigen Interessengruppen, politischen Intrigen und den Schattenseiten moderner Überwachungstechnologien konfrontiert.
Das Besondere dabei ist weniger die eigentliche Handlung als die Art ihrer Inszenierung. Bond ist hier noch nicht der unangreifbare Überagent, den wir aus vielen Filmen kennen. Er ist talentiert, selbstbewusst und charmant, macht aber Fehler, muss lernen und entwickelt erst nach und nach jene Eigenschaften, die ihn später auszeichnen werden.
Gerade deshalb funktioniert die Geschichte so gut. Statt einer reinen Ursprungsgeschichte entsteht ein Charakterporträt. Die Autoren vermeiden dabei geschickt die üblichen Prequel-Fallen und widerstehen der Versuchung, jede bekannte Eigenheit des Agenten zwanghaft erklären zu wollen. Vielmehr wächst die Figur organisch an ihren Aufgaben.
Einen großen Anteil daran hat Patrick Gibson, dessen Interpretation des jungen Bond zu den größten Stärken des Spiels gehört. Zwischen jugendlichem Übermut, trockenem Humor und professioneller Kaltblütigkeit findet er eine bemerkenswert glaubwürdige Balance. Nicht wenige Szenen lassen einen darüber nachdenken, ob hier vielleicht bereits der perfekte Kandidat für die Leinwand gefunden wurde.

Gameplay: Bond statt Agent 47
Wer die Hitman-Spiele kennt, wird viele vertraute Elemente entdecken. Gleichzeitig schafft es IO Interactive, die eigene Formel überraschend konsequent an die Bond-Welt anzupassen.
Die Kampagne wechselt regelmäßig zwischen linearen Action-Sequenzen und größeren, halb offenen Einsatzgebieten. Mal infiltriert Bond eine luxuriöse Abendveranstaltung, mal schleicht er durch streng bewachte Forschungseinrichtungen, mal findet er sich in explosiven Verfolgungsjagden wieder. Diese Mischung sorgt dafür, dass das Abenteuer über seine rund zwanzig Stunden hinweg kaum an Tempo verliert.
Besonders gelungen ist dabei, wie flexibel das Spiel seine verschiedenen Elemente miteinander verbindet. Ein Einsatz beginnt vielleicht als klassisches Schleichlevel, entwickelt sich dann zu einer Verfolgungsjagd und endet schließlich in einer Schießerei. Trotz dieser Wechsel wirkt kaum etwas erzwungen. Vielmehr entsteht genau jenes Gefühl, das man von einem Bond-Abenteuer erwartet (mit einer gewissen Portion Uncharted).
Dabei bleibt Stealth das Herzstück des Gameplays. Wer möchte, kann viele Situationen komplett gewaltfrei lösen, Wachen umgehen, Ablenkungen nutzen und sich durch soziale Manipulation Zugang zu gesperrten Bereichen verschaffen. Genau hier zeigt sich die Erfahrung von IO Interactive.

Die Hitman-DNA und warum sie perfekt passt
Als langjähriger Hitman-Fan war ich besonders gespannt darauf, wie viel Agent 47 in James Bond steckt. Die Antwort lautet: Genau genug.
Die offenen Areale erinnern deutlich an die Sandbox-Struktur der modernen Hitman-Spiele. Man belauscht Gespräche, entdeckt alternative Zugangswege, sammelt Hinweise und entwickelt eigene Lösungsansätze. Gleichzeitig wirkt das Ganze zugänglicher und fokussierter als die teilweise sehr komplexen Hitman-Missionen.
Vor allem Bonds soziale Fähigkeiten bringen eine völlig neue Ebene ins Spiel. Statt sich ständig zu verstecken, kann er sich aus vielen Situationen schlicht herausreden. Mit genügend Selbstbewusstsein und den richtigen Ausreden bewegt er sich sogar dort, wo er eigentlich nichts verloren hat. Dieses System sorgt nicht nur für spielerische Abwechslung, sondern liefert auch einige der humorvollsten Momente des gesamten Spiels.
Dazu kommen zahlreiche Gadgets aus Qs Werkstatt. Vom Hacking-Werkzeug über Blend- und Rauchvorrichtungen bis hin zu explosiven Spielereien bietet das Arsenal genügend Möglichkeiten, um unterschiedlichste Situationen kreativ zu lösen. Nicht jedes Gadget erweist sich als gleich nützlich, doch insgesamt fügen sie sich hervorragend in das Agenten-Gameplay ein.

Action, Inszenierung und Atmosphäre
Was First Light allerdings endgültig von einem reinen Hitman-Klon unterscheidet, ist seine Inszenierung. Bond war nie nur ein Schleicher. Bond war immer auch Verfolgungsjagden, Explosionen, Faustkämpfe und spektakuläre Schauplätze. Genau das liefert das Spiel in beeindruckender Regelmäßigkeit.
Die Kämpfe funktionieren deutlich besser als in früheren IO-Titeln. Faustduelle besitzen spürbares Gewicht, die Schusswechsel fühlen sich präziser an und profitieren von einem wesentlich stärkeren Waffenhandling als noch bei Hitman. Zwar erreichen weder Nahkampf noch Gunplay die Perfektion spezialisierter Actionspiele, doch sie erfüllen ihren Zweck mehr als ordentlich.
Lediglich die Fahrzeugpassagen fallen etwas ab. Zwar sorgen sie für Abwechslung und gehören zum Bond-Gefühl dazu, die Steuerung wirkt jedoch gelegentlich etwas hakelig. Glücklicherweise machen diese Abschnitte nur einen kleinen Teil der Spielzeit aus.
Wirklich beeindruckend ist dagegen das Pacing. Fast jedes Kapitel endet mit einem neuen Geheimnis, einer Enthüllung oder einem Cliffhanger. Immer wieder entsteht dieser gefährliche Gedanke: "Nur noch eine Mission." Ein Gedanke, der regelmäßig dafür sorgt, dass aus einer halben Stunde plötzlich mehrere werden.
Hier zeigt sich auch, wie gut die Autoren das Bond-Gefühl verstehen. Exotische Orte, elegante Abendveranstaltungen, technische Spielereien, trockene Sprüche und spektakuläre Setpieces wirken nie wie eine Checkliste, sondern wie natürliche Bestandteile dieses Universums.

Grafik und Technik
Technisch präsentiert sich First Light in bemerkenswert starker Form. Die Glacier-Engine liefert detaillierte Schauplätze, hervorragende Beleuchtung und atmosphärische Reflexionen. Besonders die größeren Einsatzgebiete beeindrucken durch ihre Dichte und ihren Detailgrad. Hinzu kommt ein sehr gelungenes Performance-Capturing, das den Figuren zusätzliche Glaubwürdigkeit verleiht.
Auch die Performance überzeugt. Selbst auf älterer Hardware läuft das Spiel stabil und flüssig. Kleinere Bugs oder gelegentliche Schwächen bei der Steuerung sind zwar vorhanden, fallen im Gesamtbild jedoch kaum ins Gewicht.
Abgerundet wird das Ganze von einem hervorragenden Soundtrack, der die Spannung vieler Szenen zusätzlich verstärkt und immer wieder Erinnerungen an die großen Filmvorbilder weckt.
Fazit
007 First Light ist genau das Bond-Spiel, auf das Fans seit Jahren gewartet haben. IO Interactive verbindet die Stärken der Hitman-Reihe mit der DNA des berühmtesten Geheimagenten der Welt und erschafft daraus ein Agenten-Abenteuer, das sich gleichermaßen modern wie klassisch anfühlt.
Als Bond-Fan war es eine Freude, 007 endlich wieder in einem Videospiel erleben zu dürfen. Als Hitman-Fan war es faszinierend zu sehen, wie perfekt die Designphilosophie von IO Interactive zu dieser Lizenz passt. Natürlich gibt es kleinere Schwächen bei Steuerung, Nahkampf und Fahrzeugpassagen. Doch sie verblassen angesichts dessen, was hier gelungen ist.
Vor allem macht First Light etwas, das heutzutage selten geworden ist: Es weckt sofort den Wunsch nach mehr. Wenn dies tatsächlich der Auftakt einer neuen Bond-Reihe ist, dann darf IO Interactive gerne sofort mit der nächsten Mission beginnen. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung.
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