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Monatsrückblick Januar - Souli

Smooli

Von Smooli in Moviebreak Monatsrückblick: Januar

Monatsrückblick Januar - Souli Bildnachweis: © Universum

1. Highlights aus den Kinosälen:

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri - Absolut herausragend erweist sich in THREE BILLBOARDS (endlich wieder) McDonaghs Feingefühl, Charaktere zu beschreiben und niemals an einer Stelle verharren zu lassen. Jede Figur befindet sich im stetigen Wandel, offenbart in jedem Gespräch neue Facetten, offenbart in jeder Gesichtsregung neue Dimensionen ihres Wesens. THREE BILLBOARDS ist zutiefst menschliches Charakterkino über die Wege der Trauer, der Gewalt, des Zorns, der Zwischenmenschlichkeit, der Moral und ihrer Umkehrung. Eine von Menschenkenntnis und Lebensweisheit bis zum Rand gefüllte Komödien-Tragödie, scharfzüngig geschrieben, exquisit gespielt (Frances McDormand und Sam Rockwell müssen den Oscar gewinnen), berührend, urkomisch, bitter, zynisch, liebenswert, jenseits von einfachen Antworten. Es gibt kein Gut und Böse, kein Richtung und Falsch. Es gibt nur die Notwendigkeit und das Unabdingbare.

2. Flops aus den Kinosälen:

Nüscht. Kino kennt keine Flops. Hehe.

3. Highlights im Heimkino:

Traffic - Macht des Kartells - Es ist die künstlerische Sternstunde des Steven Soderbergh. Sein beklemmend-differenziertes Porträt einer Gesellschaft, die sich in ihrem Versuch, das Richtige zu tun, selbst zugrunde richtet, zählt zu den beeindruckendsten Amerikafilmen der letzten 20 Jahre. Mit intensiven Schauspiellerleistungen bestückt, gräbt sich Soderbergh tief in komplexe Zusammenhänge zwischen Regierung, Kriminalität, Behörden und Privatleben vor und liefert mit TRAFFIC - MACHT DES KARTELLS ein ungemein eindringliches Filmerlebnis. So sehen Klassiker aus.

Assault - Anschlag bei Nacht - Ein Klassiker des Spannungskinos. John Carpenters setzt sich hier mit seiner Angst vor alltäglicher Gewalt auseinander und lässt diesen Diskurs in einem Akt unmotivierter Brutalität kulminieren. ASSAULT - ANSCHLAG BEI NACHT ist ein Paradebeispiel des beklemmenden Belagerungsfilms und geht über 90 Minuten dermaßen dringlich nach vorne, dass es einem die Sprache verschlägt. Ein Meisterwerk.

Der Tintentisch und der Wal - In 75 Minuten (ohne Abspann) bündelt Noah Baumbach all den Schmerz, die Verwirrung, die Enttäuschung, die eine Trennung auslösen kann. Sowohl für das ehemalige Ehepaar als auch deren Kinder. Jeder der vier Protagonisten fällt in eine persönliche Lebenskrise. Für die einen scheitern die Vorbilder, für sich scheitert man selbst. Baumbach, der hier autobiographische Erfahrungen einwebt, geht dabei ungemein schonungslos zu Werke. Stellt unangenehme Fragen, gibt unangenehme Antworten und bestückt seinen Film vor allem mit Charakteren, die sich durch derart spitze Kanten auszeichnen, dass man sich als Zuschauer unweigerlich an ihnen schneiden wird. Und das ist gut so. Sehr gut sogar. Danke Netflix.

Flucht ins Ungewisse - Der Film beschreibt eine Existenz im Schatten. Die Familie, die sich darum bemüht, Normalität in einem nicht der Normalität entsprechenden Rahmen zu schaffen, ist derart bedrängt von unbefriedigten Sehnsüchten, Lebenskrisen, fremder und eigener Schuld, dass es zwangsläufig zu einer Abkehr der bisherigen Umstände kommen muss. Danny muss die Chance bekommen, diesem Leben zu entwischen. Sidney Lumet erzählt diese Geschichte nicht als politischen Thriller, sondern als ein nach innen gekehrtes Charakter-Drama, dessen Herz und Motor die subtile Leistung River Phoenix' darstellt. Ein junge Mann, der nie Kind sein durfte, aber mit einem musikalischen Talent gesegnet wurde, die Welt zu verändern. Also im Prinzip genau das, was seine Eltern immer wollten, aber nie geschafft haben. Berührend.

4. Flops im Heimkino:

Der Vorleser - Stephen Daldry bekommt es nie auf die Kette, die dem Film ins Fundament eingehämmerte Schuldfrage mit entsprechender Offenheit anzusprechen. Es gelingt ihm nicht, einen Hollywoodstar wie Kate Winslet auch als Täterin zu begreifen, stattdessen wird sie im Film von einem Gericht schuldig gesprochen. Wir als Zuschauer, die wir zuvor die Liebesgeschichte zwischen ihr und dem stocksteif auftretenden David Kross verfolgt haben, sind emotional bereits dahingehend konditioniert worden, dass die Täter auch Opfer sind. Ethisch, rechtlich? Wir müssen Mitleid haben mit den Menschen haben, der Hunderte und Aberhunderte bewusst in den Tod geschickt hat. Warum? Na, schaut Kate Winslet doch mal in die wehleidige, nach Oscar flehende Visage. Is ne traurige Frau. Die kann nicht mal lesen und schreiben, was hatte sie also für eine andere Wahl? Als Analphabetin MUSS man Juden in den Tod schicken. Der Scham wegen. Klar. Von mehrdimensionalen Gedanken ist hier nichts zu finden. Von behutsamer Vergangenheitsaufarbeitung natürlich auch nicht. Da darf man dann auch mal entspannt durchs Konzentrationslager stolzieren.

Margot und die Hochzeit - Irgendwo soll es hier um emotionale Blockierungen gehen, etwas Coming of Age schwingt auch mit und manchmal, ganz selten, gelingt Nicole Kidman hier auch das Porträt einer Frau, die ihr verlorenes Lachen zurückgewinnen will. Ansonsten? Welche Konflikte liegen hier im Argen? Was treibt die Charaktere an? Was beschäftigt sie? Wo liegen ihre Krisen begraben? Nichts. MARGOT UND DIE HOCHZEIT weiß auf diese Fragen nichts zu begegnen. Er scheut sich, seine Charaktere zu entblößen. Ihnen auf den Zahn zu fühlen, die zwischen ihnen gespannten Gefühlsknoten abzutasten, zu durchdringen. Stattdessen beweist Baumbach vielmehr, dass er größtenteils keinerlei Gespür für seine Charaktere besitzt. Kein Verständnis für ihre Bedürfnisse und Nöte. Warum sollte man sich für Menschen interessieren, die nichts zu sagen haben? Die so uninteressant sind, dass sie sich gezwungen fühlen, jeden Anflug von Intimität möglichst grell und unkommentiert wegzublöken. Das hier ist ein fauler, ein steifer, ein zielloser, ein gleichgültiger Film.

Australia - Nach und nach verlässt Baz Luhrmann das Verträumte in seiner filmischen Vokabular und er versucht sich in immer stärkeren Intervallen daran, Wiedergutmachung zu leisten. Wiedergutmachung für die Eingeborenen, die Aborigines, die bis in die 1970er Jahre mit der Unterstützung der Regierung assimiliert wurden. Wenn Nicole Kidman (Etepetete und auf der Suche, ihre mütterlichen Instinkte ausleben zu können) und Hugh Jackman (Muskulös, vollbärtig, aber irgendwann wird auch sein wildes Naturell von der „weißen Frau“ assimiliert) in brenzlig Situationen gelangen, taucht am Horizont der Urvater aller Aborigines auf und steht helfend zur Seite. Ugga ugga macht er da und wendelt mit seinem Schamanenstab. Mit dieser Naturmystik, der keinerlei ethnografisches Feingefühl beweist, sondern die kulturelle Spiritualität der australischen Ureinwohner vor allem als bisweilen lächerlichen Hokuspokus darstellt, bewegt sich AUSTRALIA in genau die Richtung, die er vermeiden wollte. Der Rest sind weitere Klischees: Der durchtriebene Wirtschaftstycoon, sein hinterhältiger Handlager, böse Japaner und ein niedliches Mischlingskind. Alles im Namen der emotionalen Überwältigung aufbereitet, mit Digitalbrei angereichert und dramaturgisch vollkommen unsortiert (zweimal spitzt sich der Film zum großen Finale zu, danach geht es aber noch ne Stunde weiter, sachma). Fernweh erzeugt der Film aber. Und Sehnsucht, die wirklich großen Epen der Filmgeschichte mal wieder zu schauen

5. Alles über Serien:

Da habe ich leider nichts zu sagen. Serien sind tot, lang lebe das Kino.

6. Für den Februar plane ich:

Ganz, ganz viele Filme. :)

7. Filmschaffende(r) des Monats:

Na, mit sieben Filmen dann wohl der gute Steven Soderbergh.

8. Mein Monat hat mich irgendwie an diesen Film erinnert:

Bleeder

King Souli

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