Erwähnungen
Videospiel "Pokémon Feuerrote Edition" für die Switch 2 im Test
Von OnealRedux in "Pokémon Feuerrote Edition" - Videospiel - Test / Review
am Donnerstag, 05 März 2026, 19:24 Uhr
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Es gibt Spiele, die sich nicht einfach nur spielen lassen, sondern eine Zeit heraufbeschwören. Pokémon Feuerrote Edition gehört zweifellos in diese Kategorie. Wer einst mit einem klobigen grauen Game Boy auf dem Schulhof saß und versuchte, sein Glumanda durch die Kanto-Region zu bringen, der wird beim Start dieses Switch-2-Ports unweigerlich in Erinnerungen versinken. Ich selbst gehöre zu jener Generation, die mit der Pokémon Rote Edition ihre ersten Schritte als Trainer machte, nur um kurze Zeit später unzählige Stunden mit der Pokémon Gelben Edition zu verbringen – Pikachu stets an der Seite, der Pokédex im Hinterkopf und das Ziel klar vor Augen: Der Allerbeste zu werden.
Mit der Neuveröffentlichung von Pokémon Feuerrote Edition auf der Nintendo Switch 2 bringt Nintendo nun ein Remake eines Klassikers zurück, das selbst bereits ein Blick zurück war. Die 2004 erschienene Game-Boy-Advance-Version interpretierte einst die ursprünglichen Pokémon-Abenteuer neu (und in Farbe). Nun, bald nach drei Jahrzehnten nach der Geburtsstunde der Reihe, kehren wir erneut nach Kanto zurück – diesmal auf dem großen Bildschirm. Das löst Freude aus, aber auch eine gewisse Vorsicht. Denn die entscheidende Frage schwebt von Beginn an über diesem Release: Wie zeitgemäß ist eine nahezu unveränderte Portierung im Jahr 2026?
Test
Die Antwort liegt zunächst in der Einfachheit des Konzepts. Feuerrot erzählt jene klassische Geschichte, die vermutlich jeder Pokémon-Fan schon einmal erlebt hat. Ein junger Trainer oder eine junge Trainerin bricht aus Alabastia auf, sammelt Pokémon, fordert Arenaleiter heraus und stellt sich am Ende der legendären Top Vier. Dazwischen funkt immer wieder Team Rocket dazwischen, während der Pokédex langsam, aber stetig wächst.
Es ist ein Spiel, das selten fragt, wohin man gehen möchte. Stattdessen zeigt es einem genau, wohin der nächste Schritt führt. Diese Linearität wirkt aus heutiger Sicht beinahe altmodisch, entfaltet aber zugleich einen eigenartigen Reiz. Während moderne Pokémon-Spiele oft versuchen, mit offenen Strukturen zu experimentieren, erinnert Feuerrot daran, wie klar und zielgerichtet die Ursprünge der Reihe waren.
Das rundenbasierte Kampfsystem funktioniert indes noch immer erstaunlich gut. Typenvorteile, Statusveränderungen und geschickte Teamzusammenstellungen sorgen weiterhin für taktische Tiefe. Gleichzeitig bleibt das Spiel angenehm übersichtlich. Die später fast ausufernde Masse an Pokémon, Attacken und Mechaniken existiert hier natürlich noch nicht. Dadurch entsteht ein Rhythmus, der sich fast schon elegant anfühlt.
Und doch zeigt sich auch schnell, dass dieser Port kompromisslos, ja fast schon schmerzhaft am Original bleibt. Komfortfunktionen moderner Pokémon-Spiele fehlen vollständig. Weder automatische Erfahrungspunkte-Verteilung noch eine modernisierte Menüführung finden sich hier. Selbst zusätzliche Tasten der Switch bleiben weitgehend ungenutzt. Für Puristen bedeutet das eine wunderbar authentische Zeitreise. Für Spieler, die mit neueren Teilen wie Pokémon Karmesin oder Pokémon Purpur eingestiegen sind, wirkt das Erlebnis indes fast wie ein Blick in ein Museum interaktiver Unterhaltung.

Große Pixel, große Erinnerungen
Auch grafisch bleibt das Spiel seinem Ursprung treu. Die Pixeloptik des Game Boy Advance wurde schlicht hochskaliert. Auf dem großen Bildschirm wirkt das Bild scharf, aber auch deutlich aus einer anderen Zeit. Links und rechts entstehen schwarze Balken.
Und doch entfaltet diese Präsentation eine ganz eigene Magie. Die kleinen Städte, die klar strukturierten Routen und die vertrauten Pokémon-Sprites wecken Erinnerungen an eine Ära, in der Abenteuer noch aus wenigen Pixeln bestanden. Wer damals durch Vertania City lief oder zum ersten Mal die Musik von Lavandia hörte, wird beim Wiedersehen ein leises Lächeln kaum verhindern können.
Die Musik selbst bleibt vollständig unangetastet – was in diesem Fall eine kluge Entscheidung ist. Die ikonischen Melodien gehören zum Herz der Pokémon-Erfahrung und funktionieren auch heute noch erstaunlich gut.

Ein Klassiker ohne Veränderungen
Die größte Diskussion rund um diesen Release entsteht jedoch an anderer Stelle. Inhaltlich wurde nämlich praktisch nichts verändert. Neue Inhalte, zusätzliche Events oder moderne Komfortfunktionen sucht man vergeblich.
Lediglich zwei einst eventexklusive Tickets – das Geheimticket und das Auroraticket – sind nun direkt im Spiel erhältlich. Damit wird es erstmals möglich, den Pokédex dieser Edition ohne Events zu vervollständigen. Für Sammler ist das eine willkommene Ergänzung. Gleichzeitig bleibt es jedoch die einzige wirkliche Anpassung.
Genau hier stellt sich eine Frage, die sich nur schwer ignorieren lässt. Warum erscheint ein Spiel, das inhaltlich nahezu unverändert bleibt, als eigenständiger Release und nicht im Rahmen der GBA-Bibliothek von Nintendo Switch Online? Andere Game-Boy-Advance-Titel sind dort längst verfügbar. Eine Veröffentlichung im Abo-Modell hätte in diesem Fall durchaus Sinn ergeben. Diese Preispolitik von Nintendo hinterlässt auf jeden Fall ein Fragezeichen, wenn nicht sogar einen faden Beigeschmack. Natürlich kommen so alle in den Genuss des Titels (nicht nur Abo-Freunde), aber es wäre auch beides möglich gewesen.

Eine Reise durch die eigene Kindheit
Und doch wäre es unfair, diesen Port ausschließlich an seiner fehlenden Modernisierung zu messen. Denn sobald man sich wieder auf den Rhythmus des Spiels einlässt, passiert etwas Merkwürdiges. Die Stunden beginnen zu verschwimmen, der Pokédex wächst langsam und plötzlich sitzt man wieder da wie damals – versunken in ein Abenteuer, das so schlicht wie effektiv ist.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis der frühen Pokémon-Spiele. Sie erzählen keine epischen Geschichten, sie überfordern nicht mit Mechaniken. Stattdessen schaffen sie einen Raum für kleine persönliche Erinnerungen. Das erste entwickelte Pokémon. Der überraschend schwere Arenakampf. Die Suche nach einem seltenen Monster auf einer Route, die man längst auswendig kennt.
Für mich war es ein seltsamer Moment, erneut durch Kanto zu laufen. Die Orte wirkten vertraut, fast wie ein Spaziergang durch eine alte Nachbarschaft. Man erkennt jede Ecke wieder, merkt aber gleichzeitig, wie viel Zeit vergangen ist.
Fazit
Pokémon Feuerrote Edition auf der Switch 2 ist eine nahezu unveränderte Rückkehr nach Kanto und damit ein Stück Videospielgeschichte in spielbarer Form. Als Retro-Erfahrung funktioniert das noch immer erstaunlich gut: Das Kampfsystem bleibt zeitlos, die klare Struktur motiviert und der nostalgische Reiz ist enorm.
Gleichzeitig wird deutlich, dass es sich um eine sehr direkte Portierung handelt. Moderne Komfortfunktionen fehlen, größere visuelle Anpassungen oder neue Inhalte sucht man vergeblich. Für Nostalgiker ist die Reise durch Kanto dennoch ein schöner Ausflug in die eigene Videospielvergangenheit – für alle anderen dürfte der Funke indes nicht ganz so stark überspringen.
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