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Videospiel "Pokémon Pokopia" im Test

OnealRedux

Von OnealRedux in "Pokémon Pokopia" - Videospiel - Test / Review

Videospiel "Pokémon Pokopia" im Test Bildnachweis: © Nintendo

Es gibt Spiele, die man nach Trailern bereits einordnen kann – und dann gibt es Pokémon Pokopia. Ein Titel, der im Vorfeld wie ein weiteres harmloses Spin-off wirkte, irgendwo zwischen Experiment und Fanservice verortet. Ein bisschen cozy, ein bisschen niedlich, vielleicht nett für zwischendurch. Die Erwartungshaltung war entsprechend klar umrissen.

Umso überraschender ist es, wie sehr sich dieses Bild nach wenigen Stunden auflöst. Denn Pokopia ist nicht nur ein weiterer Versuch, Pokémon in ein anderes Genre zu pressen, sondern ein erstaunlich tiefes, eigenständiges Spielerlebnis, das sich seine ganz eigene Identität erarbeitet – und dabei einen Sog entwickelt, dem man sich nur schwer entziehen kann.


Kritik

Ein Ditto, ein Neubeginn und eine leere Welt: Der Einstieg macht bereits deutlich, dass hier andere Regeln gelten. Statt als Trainer durch die Welt zu ziehen oder wie in den Mystery Dungeon-Spielen vollständig in die Rolle eines Pokémon zu schlüpfen, bewegt man sich irgendwo dazwischen. Die Spielfigur ist äußerlich ein Mensch, in Wahrheit jedoch ein Ditto – ein Detail, das sich nicht nur im leicht schiefen Ausdruck, sondern auch in den wabbeligen Bewegungen widerspiegelt.

Diese kleine Absurdität setzt den Ton für das gesamte Abenteuer. Nach einem kurzen Charaktereditor, der zwar keine Wunder vollbringt, aber genug Freiheiten für grundlegende Anpassungen lässt, beginnt die Reise an der Seite von Professor Tangoloss. Die Welt ist leer, beinahe verlassen. Weder Menschen noch Pokémon scheinen noch präsent zu sein. Die Aufgabe ist schnell umrissen: Leben zurückbringen, Schritt für Schritt.

Was zunächst nach einer klassischen Aufbau-Prämisse klingt, entwickelt sich schnell zu etwas Eigenständigem. Denn der Weg dorthin führt nicht über Kämpfe im klassischen Sinne, sondern über Interaktion mit der Umwelt.

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Kämpfen ohne Kampf: Attacken dienen hier nicht der Konfrontation, sondern der Gestaltung. Mit Aquaknarre wird vertrockneter Boden wieder fruchtbar gemacht, später kommen weitere Fähigkeiten hinzu, die das Terrain verändern. Pflanzen wachsen, Hindernisse verschwinden, Felder entstehen. Die Welt selbst wird zum Spielfeld.

Das erinnert in seiner Struktur an bekannte Sandbox-Systeme, ist jedoch vollständig auf das Pokémon-Universum übertragen. Die Welt besteht aus Blöcken, die sich manipulieren lassen, was einerseits viele Möglichkeiten eröffnet, andererseits durch die Steuerung nicht immer ganz reibungslos funktioniert. Gerade das gezielte Anwählen einzelner Elemente kann gelegentlich etwas hakelig sein, auch wenn die technischen Möglichkeiten der Switch 2 hier zumindest teilweise Abhilfe schaffen.

Indes entfaltet sich mit zunehmender Spielzeit eine überraschende spielerische Tiefe. Die verschiedenen Fähigkeiten greifen ineinander, ergänzen sich und eröffnen immer neue Wege, die Umgebung zu formen. Was zunächst simpel wirkt, entwickelt sich zu einem komplexen System aus Planung, Optimierung und kreativer Freiheit.

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Ein Zuhause für Pokémon: Zentraler Bestandteil des Gameplays ist das Erschaffen sogenannter Habitate. Bestimmte Pokémon fühlen sich nur unter ganz spezifischen Bedingungen wohl. Vegetation, Materialien und Objekte müssen so kombiniert werden, dass sie den Bedürfnissen der jeweiligen Kreaturen entsprechen. Dieser Prozess entwickelt schnell eine eigene Dynamik. Hinweise auf neue Habitate finden sich überall in der Welt, oft in Form kleiner Entdeckungen oder subtiler Hinweise. Hat man die richtigen Voraussetzungen geschaffen, dauert es meist nicht lange, bis sich ein neues Pokémon zeigt.

Die Begegnungen selbst sind dabei ein Highlight. Jedes Pokémon bringt eine eigene Persönlichkeit mit, spricht in individuellen Dialogen und reagiert auf seine Umgebung. Manche wirken lässig und nutzen eigenwilligen Slang, andere sind verspielt oder schlicht überfordert von der Situation. Diese kleinen Eigenheiten sorgen dafür, dass sich die Welt lebendig anfühlt.

Es ist indes genau dieser Aspekt, der eine der größten Stärken des Spiels ausmacht. Endlich ist es möglich, Pokémon zu erleben, ohne dass sie ausschließlich über Kämpfe definiert werden. Stattdessen stehen Begegnung, Interaktion und Zusammenleben im Mittelpunkt. Es ist ein fast schon überraschend konsequenter Perspektivwechsel, der sich erstaunlich natürlich anfühlt.

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Eine Welt, die wächst: Mit der Zeit erweitert sich die Spielwelt erheblich. Neue Gebiete werden freigeschaltet, zerstörte Pokémon-Center müssen wieder aufgebaut werden und nach und nach entsteht aus der leeren Landschaft ein funktionierendes Ökosystem. Der Aufbau erfolgt dabei nicht allein. Pokémon unterstützen aktiv, übernehmen Aufgaben und helfen bei der Verarbeitung von Ressourcen. Dieses Zusammenspiel funktioniert angenehm intuitiv. Ein kurzer Befehl genügt und die passenden Helfer kümmern sich um den Rest.

Parallel dazu entfaltet sich ein klassischer Gameplay-Loop, der erstaunlich gut funktioniert. Ressourcen sammeln, neue Habitate erschaffen, Pokémon anlocken, Aufgaben erfüllen, Belohnungen freischalten – und von vorne. Diese Struktur entwickelt eine klare Sogwirkung, die durch die vielen kleinen Geheimnisse zusätzlich verstärkt wird. Überall gibt es etwas zu entdecken, seien es versteckte Items, neue Baupläne oder Fragmente einer Geschichte, die sich langsam zusammensetzt.

Gerade diese Fragmente verleihen der Welt eine unerwartete Tiefe. Dokumente und Relikte erzählen von einer Zeit, in der Menschen noch präsent waren, und zeichnen ein Bild von ihrem Verschwinden. Es entsteht eine leise Melancholie, die dem ansonsten so bunten Spiel eine überraschend nachdenkliche Note verleiht.

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Zwischen Freiheit und Überforderung: Mit wachsendem Fortschritt steigt auch der Umfang der Möglichkeiten. Die Welt ist groß, formbar und voller Optionen. Wer jeden Winkel gestalten möchte, wird hier hunderte Stunden verbringen können. Das kann indes auch überfordern. Die schiere Menge an Aufgaben, Bauoptionen und offenen Flächen führt gelegentlich zu einem Gefühl von "es ist einfach zu viel". Doch dieser Eindruck ist weniger ein echtes Problem als vielmehr eine Konsequenz der gebotenen Freiheit. Nichts davon ist verpflichtend, alles kann im eigenen Tempo angegangen werden.

Zusätzliche Motivation liefern Aufgaben, die über die Pokémon-Center vergeben werden. Sie erinnern in ihrer Struktur an bekannte Systeme aus anderen Genrevertretern und sorgen dafür, dass es stets ein klares Ziel gibt, selbst wenn man sich gerade nicht auf die Hauptaufgabe konzentrieren möchte.

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Was Pokémon Pokopialetztlich so besonders macht, ist die Art und Weise, wie es das Cozy-Genre interpretiert. Es bleibt nicht bei der reinen Entspannung, sondern verbindet diese mit einer erstaunlich starken spielerischen Grundlage. Die Welt wirkt durch die Pokémon lebendig, die Interaktionen sind charmant und oft überraschend witzig. Gleichzeitig sorgt die Tiefe der Systeme dafür, dass man sich langfristig mit dem Spiel beschäftigt. Es entsteht eine seltene Balance zwischen Ruhe und Beschäftigung.

Vielleicht ist es genau diese Mischung, die Pokopiaso unerwartet stark macht. Die Trailer vermittelten ein deutlich simpleres Bild, fast schon eine reduzierte Erfahrung. Das fertige Spiel hingegen zeigt, wie viel mehr in diesem Konzept steckt.


Fazit

Pokémon Pokopia ist ein überraschend tiefes Spin-off, das mit seinen Ideen weit über das hinausgeht, was die Trailer vermuten ließen. Die Kombination aus Cozy-Ansatz, Sandbox-Mechaniken und lebendigen Pokémon sorgt für eine starke Sogwirkung, die lange trägt.

Nicht alles funktioniert perfekt und der Umfang kann stellenweise überwältigend wirken, doch unterm Strich steht ein ungewöhnlich rundes und eigenständiges Pokémon-Erlebnis, das vor allem durch seine ruhige, aber konsequente Spielidee überzeugt. Zudem bietet die Switch 2 - abseits von einigen Texturen - die richtige Hardware für so ein schönes, fast schon meditatives, Abenteuer in der Pokémon Welt. Eine absolute Empfehlung. 

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