Ein 40-jähriger Manager landet versehentlich durch eine Verwechslung in einer Chat-Gruppe auf einem dreitägigen Junggesellenabschied mit Mittzwanzigern.
Ab 24. Juli 2026 exklusiv bei Netflix.
Kritik
Willkommen im Sommer-Loch, da rutscht selbst der naturgemäß dürftige Content der Netflix-Eigenproduktionen ins Bodenlose. Und wer würde sich besser dafür eignen als Kevin Hart (Borderlands), der schon seit Jahren im Netflix-Baumhaus wohnt und aus irgendeinem Grund mit erschreckender Regelmäßigkeit eine filmische Zumutung nach der anderen verbrechen darf? Seine neuester Hit aus der Dose namens 72 Hours ist inhaltlich dabei mindestens so kreativ wie sein Titel: Ein vierzigjähriger Werbefachmann in der beruflichen Krise wird versehentlich in den Gruppenchat eines Junggesellenabschieds eingefügt und beschließt aus Recherchezwecken tatsächlich nach Miami zu fliegen, um dort ein Wochenende mit den Gen Z Jungs abzuhängen. Die finden das übrigens überhaupt nicht befremdlich, dass ein doppelt so alter Suger-Daddy deren Sause finanziert, ganz uneigennützig. Alles klar, Ausgangslage ist schon mal 1A. Auch sonst wird wirklich jedes Vorurteil, mit denen sich Netflix-Produktionen in der Regel konfrontiert sehen, in einem Übermaß bestätigt, dass sich förmlich von einem Paradebeispiel diesbezüglich sprechen lässt.
Das solche Produktionen grundsätzlich davon ausgehen, dass ihr Publikum überhaupt nicht bei der Sache ist und deshalb alles doppelt und dreifach erklärt und verbalisiert werden muss, ist inzwischen allgemein bekannt und schon mehrfach bewiesen, aber selbst das wird hier noch auf die Spitze getrieben. Während den ersten 10 Minuten wird drei bis vier Mal wiederholt, was die Motivation unseres Protagonisten ist, damit auch der letzte Smartphone-Zombie nicht zwingend hinzuschauen braucht. Und so geht es in einer Tour weiter. Auch die anderen Figuren müssen immer wiederholen und bestätigen, welche Funktion sie für die – nennen wir es mal höflich – Gruppendynamik haben. Der eine Typ trauert seine Ex hinterher, der andere ist der besonders schräge Vogel und der Best Buddy des angehenden Bräutigams so was wie der kindsköpfige Anführer des Rudels. Das wird einem in jeder Szene doppelt und dreifach aufs Brot geschmiert, damit man es bloß nicht vergisst - oder dadurch erst nach 40 Minuten vielleicht zum ersten Mal zufällig bemerkt. Das allein ist schon so anstrengend, penetrant und redundant, wäre vielleicht aber noch halbwegs erträglich, wenn denn wenigstens die Gags zünden würden oder vielleicht sogar ganz smart mit dem ja durchaus nicht uninteressanten Konflikt der Generationen gespielt werden würde.
Geschieht natürlich nicht. Dafür hätte man eventuell auch junge Filmschaffende mal ranholen können, die sich tatsächlich mit der Gen Z auskennen und nicht nur genauso oberflächlich auf sie draufschauen wie der Protagonist. Im Prinzip gibt es nur einen Gag: die sind jung und er ist alt. Das wird halt x-fach variiert, es sei denn man findet zufällig noch ein paar Walpenisse, das ist alternativ natürlich auch immer ein riesiger Brüller. Da dieses schlichte Aneinanderreihen von platten Schenkelklopfern selbst für so einen Film aber kaum ausreicht, wird noch ein kubanisches Drogenkartell in den Plot integriert, damit es überhaupt so etwas Ähnliches wie eine Dramaturgie gibt. Das ist so einfallslos, generisch und lieblos zusammen geramscht, dass man ernsthaft noch mal den Verdacht äußern sollte, inwiefern KI bei den Netflix-Drehbüchern bereits Einzug gehalten hat. Das ist schon seit Jahren mehr als auffällig und 72 Hours erscheint in jedem einzelnen Moment so, als würde einfach ein Algorithmus eingespeiste Bausteine zusammenfügen. Dann brauchst du eben nur noch menschliches Drehmaterial wie Kevin Hart oder den einstigen Fantastic Four-Regisseur Tim Story, die danach wieder in den Schrank gepackt werden, bis die nächste Wegwerfware für die Bezahlschweine vom Fließband fällt.
Fazit
Unerträgliche Ramschware, die sogar nach Netflix- und Kevin Hart-Maßstäben Qualitäts-Limbo unmittelbar auf der Grasnarbe praktiziert. Das hat mit einem klassischen Spielfilm schon beinah nichts mehr zu tun, das ist nur noch ein Produkt. Eine geschmacklose Sättigungsbeilage für den Content-Futtertrog, damit der Fraß nicht ausgeht. Eine ganz faule Nummer. Bon appétit, gekotzt wird später.
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