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England, 1648: In den Wirren des englischen Bürgerkrieges, gelingt es dem gelehrten und Asketen Whitehead (Reece Shearsmith) von einer Schlacht zu fliehen und so sein Leben zu retten. Bereits kurz darauf trifft er auf weitere Deserteure (unter anderem Julian Barratt sowie Peter Ferdinando), die nun alle ihr eigenes Glück finden wollen. Gemeinsam machen sie sich so über ein großes englisches Feld auf, ihrem vermeintlichen Schicksal zu entkommen. Als sie jedoch lagern und dort halluzinogene Pilze zu sich nehmen, beginnt eine Reise, die viel schlimmer als eine Schlacht erscheint. Nachdem dann noch der grausame Schatzsucher O'Neil (Michael Smiley) zu Gruppe stößt, beginnt eine psychedelische Suche, die in einer Ekstase aus Völlerei, Verdammnis und Tod endet...
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Kritik

Egal ob der brutale Horror-Thriller "Kill List" oder der morbide wie irrwitzige "Sightseers": Regisseur Ben Wheatley hat bereits die letzten Jahre gezeigt, dass er sichtlich andere Filme inszenieren kann, die sich nicht nur deutlich von der Masse abheben, sondern für sich genommen auch äußerst interessante Experimente darstellen. Mit seinem diesjährigen Fantasyfilm-Fest Beitrag "A Field in England" übertrifft sich der britische Filmemacher jedoch selbst. Denn der schwarz-weiß fotografierte wie historisch angehauchte Film, ist schlichtweg eine psychedelische sowie metaphysische Reise in die Tiefen des menschlichen Daseins. Dies gepaart mit einem unheimlichen Soundtrack, einer starken wie prägenden Geräuschkulisse, grandiosen Darstellern, einer packenden wie angenehmen Reise sowie einem schicksalshaften Ende, ergibt ein Kunstwerk, welches einen nicht so schnell loslässt.

Dabei beginnt "A Field in England" eigentlich recht harmlos: Rauch, ein trüber Blick sowie ein paar überlebende Männer, finden sich in einer Gruppe zusammen und starten eine Reise über ein großes leeres Feld. Was folgt ist allerdings ein unangenehmes Kammerspiel (was für sich bereits eine Meisterleistung ist), welches nicht durch seine Handlung überzeugt, sondern durch den Weg, den die Männer auf ihrer Suche beschreiten. Und dieser ist gespickt mit der Frage nach der Kälte des Daseins, dem grausamen Schicksal, der Einsamkeit sowie der Frage nach dem Sinn. Egal ob Krieg, Schatz, Pilze, Leiden, Sterben oder Leben, all dies wird auf einer Metaebene transportiert die ihres gleichen sucht. Wie bereits Regisseur Nicolas Winding Refn mit "Valhalla Rising", versucht so auch Regisseur Ben Wheatley eine ganz besondere Kunst fühlbar zu machen, teils unerträgliche Fragen zu stellen und vor allem, mit Schockmomenten zu trumpfen (die an Härtegrad nicht zu unterschätzen sind). Und während Refn sich in seiner Bilderflut verlor, bleibt Wheatley seiner Linie treu. Der bewusstseinserweiterte historische Drogentrip, lässt sich daher weder einem Genre zu ordnen, noch einer Grundthematik. Es ist eine fließende Reise: Teils humoristisch, mal Ernst, dann brutal und wieder grotesk surreal.

Auch visuell sowie akustisch, ist "A Field in England" einzigartig: Mit aufbrausendem Trommeln untermalt, gibt es seine schwarz-weiß Optik, die gerade durch die grandiose Kameraarbeit von Laurie Rose zu seinem Kunstwerk wird. Egal ob Zeitlupe, Gemälde, kleinen Effekten oder Kampf, alles wird perfekt wie teils makaber in Szene gesetzt, sodass trotz des geringen Budgets (gerade einmal 300 Tausend Pfund), sich der Film nicht verstecken braucht. Und auch die gezeigte Härte, besonders durch den O’Neils Auftritt als Anti-Christ, Peiniger, Obrigkeit sowie Sklavenhändler in Person, ist gelungenes Kino. Jedoch bleibt es dabei: Wer sich auf den Sog aus Drogen, Gier, Wahnsinn, philosophisch geschwängerten Dialogen sowie packender Meta-Ebene einlässt, muss nicht nur etwas Geduld mitbringen, sondern auch dem Willen zur Erfahrung. "A Field in England" ist unangenehm, schwierig, interessant und äußerst anstrengend zugleich. Wer den Trip jedoch übersteht, bekommt nicht nur ein bewusstseinserweitertes Experiment spendiert, sondern auch gleich eine Einladung, dieses Abenteuer erneut (und mit anderen Augen) zu betrachten. Dies ist wahre Filmkunst…

Fazit

Regisseur Ben Wheatley  beweist erneut, dass in der Indie-Szene aktuell klar die Zukunft liegt. Während Hollywood sich von Remake zu Remake hangelt und den Sommer mit Blockbustern zupflastert, sind es die kleinen Perlen wie "A Field in England", die zum nachdenken anregen. Und dies ist dann auch wohl die größte Kritik. Denn der psychedelische Trip durch… irgendein Feld in England… ist unangenehme wie schwierige Kost, die wahrlich nicht jedem gefallen dürfte. Wer sich auf das Abenteuer jedoch einlässt, wird vortrefflich belohnt werden.

Autor: Thomas Repenning

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