{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Quelle: themoviedb.org
9xdordk4uolxbzesiseooem6nzx

Inhalt

In einem abgelegenen Dorf in den Hochebenen des südlichen Georgiens diskutieren drei seit Kindertagen befreundete Männer aus der armenischen Gemeinschaft über ihre Zukunft. Sie sind hin- und hergerissen zwischen familiären Erwartungen und persönlichen Wünschen, Tradition und Wandel und müssen wirtschaftlicher und geopolitischer Unsicherheit ins Auge sehen. Drei Lebensgeschichten, die erst noch geträumt und geschrieben werden müssen, angesiedelt zwischen Dokumentarfilm und einem Gedicht für die Augen.

Kritik

Ihren konzentrierten filmischen Blick richtet in ihrem dokumentarischen Kinodebüt auf drei junge Männer in einem entlegenen georgischen Dorf. Jenes ist zugleich geographischer Bindungsort ist und Quelle unterdrückter emotionaler Entfremdung in einer Langzeitstudie mit subtilem Fokus auf die unterschwelligen psychologischen Impulse und die visuelle Allegorik unscheinbarere Alltagsszenen. Äußerer Druck und innere Anspannung spiegeln einander in einem ebenso zurückhaltenden wie konzentrierten Gruppenporträt, das psychologische Profilierung mit lyrischen Landschaftsansichten verknüpft. Die erodierende Freundschaft dreier Kindheitsfreunde bildet das zwischenmenschliche Zentrum der elegischen Erzählung.

Als Angehörige der armenischen Minderheit sind Henrikh, Karlen und Hagop weder in Georgien noch in Armenien richtig zu Hause. Familiäre Verpflichtungen, kommunaler Druck und ökonomische Instabilität belasten sie nicht nur persönlich, sondern auch ihren langjährigen Bund. Mit ihren jugendlichen Illusionen schwindet auch die Nähe zwischen den verschlossenen Protagonisten, deren unterschiedliche Zukunftspläne auf eine harsche Realität prallen. Karlen hofft, wie viele seiner Landsmänner, in Moskau mehr Profit und damit Unabhängigkeit zu finden als auf der kleinen Farm seiner Eltern.

Henrikh hingegen warnt ihn vor dem totalitären Machtapparat Russlands, dessen Invasion der Ukraine er beunruhigt in den Nachrichten verfolgt. Er will in Tbilisi studieren, doch die finanziellen und akademischen Hürden lassen ihn zweifeln. Ihre Kameradschaft gibt den jungen Männern ein Gefühl von Zugehörigkeit, das sie daheim, in der orthodoxen Kirche und Ortsgemeinschaft vergeblich suchen. Eine kriselnde Romanze und unangesprochene Familienkonflikte liefern ein Gegenbild zur idyllischen Landschaft. Deren Weite, in der die Kamera schwelgt, bleibt ein sehnsuchtsvolles Symbol einer nur in Gedanken erreichbaren Freiheit.

Fazit

Repetition und Routine ersetzen dramatische Zuspitzung in der formal reduzierten Inszenierung Marlene Edoyans dokumentarischen Debüts. Jenes verbindet die Charakterskizzen seiner männlichen Protagonisten zu einem exemplarischen Einblick in die inneren Konflikte und Identitätssuche einer jungen Männergeneration. Eingefangen mit einer Spur poetischer Melancholie, wird der provinzielle Schauplatz zum sinnbildhaften Spannungspunkt zwischen gegensätzlichen Lebensentwürfen: Europa oder Russland, Migration oder Bleiben, Tradition oder Aufbruch. Unkommentierte Beobachtungen zeigen die individuelle Zukunft in der post-sowjetischen Peripherie, unter geographischer Abgeschiedenheit und geopolitischer Anspannung, aus einer intimen Perspektive zwischen vager Hoffnung und Resignation.

Kritik: Lida Bach

Wird geladen...

×