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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Im Hochland Montenegros verteidigen eine Hirtenmutter und ihre Tochter ihr angestammtes Land gegen die Bedrohungen durch NATO-Militärübungen und erinnern sich dabei an die gewalttätige Vergangenheit ihrer Familie.

Kritik

Das Gewicht familiärer Tradition, kulturhistorischen Erbes und ökologischer Schutzraums, die entschlossene Position der Protagonistinnen, die diesen Schatz nicht aufgeben wollen,  sowie die drückende Last des sich verschärfenden Konflikts zwischen der montenergrinischen Gemeinde und der NATO, die den Schauplatz in ein militärisches Trainingsgebiet verwandeln will: All diese Aspekte treffen sich im vielschichtigen Titel Biljana Tutorov und Petar Glomazićs observativen Dokumentarfilms.  Frei von Erhabenheit und Eskapismus erwägt die hintergründige Studie die Schwere und Bedeutung der Lasten, welche die Figuren tragen: historisch, politisch und physisch.

Mit ruhigem Blick begleitet das Regie-Duo die Bäuerin Gara und ihre jugendliche Tochter Nada bei der beschwerlichen körperlichen Arbeit auf ihrem kleinen Hof in Montenegros rauen Hochebenen. In einem Mehrgenerationen-Haushalt bewirtschaften die Frauen den Hof, den sie mit Kühen, Pferden und einer Katzenfamilie teilen. Malerische Aufnahmen sind rar in der harschen Landschaft, die Nebelschaden in diesige Grau- und Brauntöne tauchen. Die Anstrengungen der vom frühen Morgen bis in die Nacht währenden Aufgaben, zu denen der Protest gegen die geplante Verdrängung kommt, werden ungeschönt greifbar.

In für die Kamera geteilten Erinnerungen berichten die alten Frauen der Dorfgemeinde von patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen und atavistischen Traditionen, die tief in die Landschaft verwurzelt scheinen. Die asketische Bildsprache begreift die Berge erscheinen als Monumente der Zeitlichkeit; Speicher von Leid, Gewalt und eisernen Familienbanden. Spuren des Krieges sind immer präsent, auch im Unsichtbaren, der Abwesenheit der männlichen Familienmitglieder. Lange, statische Einstellungen verstärken den Eindruck erdrückender Permanenz. Gesprächsfetzen und Stille bilden das akustische Relief rhythmischer Routine. Jeder Handgriff ist auch ein Abschied von einem verschwindenden Lebensweg. 

Fazit

Seine chronistische Präzision verdankt Biljana Tutorov und Petar Glomazićs konzentrierter Dokumentarfilm einer enormen Geduld, die das gemessene Tempo und karge Szenario auch dem Publikum abfordern. Ohne erklärende Instanz, zeitpolitische Einordnung und psychologische Interpretation erschließen sich sozialstrukturelle Zusammenhänge und systemische Parallelen organisch. Alltägliche Belastungen verstärken erodierende Gemeinschaften, ökonomische Instabilität und postsozialistische Desillusionierung. Formales Pendant des fordernden Lebens ist eine naturalistische Optik, nahezu ohne symbolische Überhöhung. Aus dem Konflikt um kommunale Verantwortung, historisch gewachsenes Pflichtgefühl und kollektiven Widerstands wächst eine stille Spannung, in der Hoffnungsschimmer flüchtig bleiben. 

Kritik: Lida Bach

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