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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Zehn junge Frauen, die früher auf den Straßen von Bogotá gelebt haben, schließen ihre Augen und erträumen sich Alis.

Kritik

Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Aber offenbar nicht lang genug für Clare Weiskopf und Nicolas van Hemelryck, um Vertrauen aufzubauen seitens der Bewohnerinnen des kolumbianischen Mädchenheims, in dem während dieser Zeitspanne ihre Interview-Doku entstand. Ein kinderpsychologischer Trick soll dem Abhilfe schaffen. Das Regie-Duo bittet zehn Heimbewohner*innen, sich einen Neuzugang namens Alis vorzustellen und deren Erlebnisse und Beziehung zu ihnen zu schildern. Was als harmloses Spiel beginnt, wandelt sich schnell in Selbstentblößung. 

Inwiefern diese von den großteils offensichtlich minderjährigen Gesprächspartner*innen gewollt und überhaupt als solche begriffen wird, sind nur einige drängende Fragen dieses hochproblematisch erscheinenden Spielfilmdebüts. Dessen vorgeschobene Suche nach Wahrheit maskiert einen spekulativen Voyeurismus. Der wirkt besonders abgeschmackt durch die Befragung der Interviewten in einem als solchen beschriebenen Schutzraum und die Ausrichtung der aufgezeichneten Gespräche auf Sexualität und tiefgreifende Traumata. Die aus dem Off von einer Frauenstimme gestellten Fragen lenken gezielt dorthin, wo es wehtut. 

Die einzig von wenig erhellenden Alltagseinblicken - Zähneputzen, Kleiderspenden verteilen, im Heim verstreuten Plüschtiere knuddeln - aufgelockerten Aufnahmen konzentrieren sich mehr auf ihr potenzielles Publikum als ihre Subjekte. So wird eine Trans-Person verbal ostentativ in die binäre weibliche Identität gedrängt, wofür sich die Regisseurin nicht einmal entschuldigt. Die Absicht scheint hier, die sexuelle Identität vor laufender Kamera bloßzustellen. Dass die Befragten psychologische Unterstützung erhielten, scheint da unvorstellbar. Dass sie die inszenatorische Intention nur begrenzt verstanden, weniger.

Fazit

Dass Clare Weiskopfs und Nicolas van Hemelrycks dokumentarischer Beitrag zu Berlinale Generation so aufwühlend wirkt, liegt nicht an dessen Sujet, sondern der suspekten Inszenierung. Die Frontalinterviews mit zehn Bewohner*innen eines kolumbianischen Mädchenheims erscheinen wie eine manipulative Vorführung der Protagonistinnen. Die ihnen durch psychologische Strategien entlockten Erlebnisse sind bezüglich ihres Wahrheitsgehalts kaum einzuordnen. Doch dringlicher als die Frage nach Transparenz ist die nach Aufklärung, Verständnis und Consent der Mädchen, die hier womöglich erneut ausgebeutet werden.

Kritik: Lida Bach

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