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Quelle: themoviedb.org
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  • 93 Min
  • Regie
  • Drehbuch
  • Cast

Inhalt

Eine gefährliche Expedition im Amazonasgebiet wird zu einem moralischen Minenfeld in einem zum Nachdenken anregenden Film über den Blick des weißen Mannes, da das Projekt die Kamera auf sich selbst und das koloniale Erbe richtet.

Kritik

Konstruktion und Dekonstruktion kolonialistischer Konzepte kollidieren miteinander in Nathan Grossmans ebenso pointierter wie provokanter Konfrontation mit der Geschichte ethnographischen Exkursionen. Deren kommerzielle und sensationalistische Motivation wird beschämend offensichtlich in einer revisionistischen Reportage, die weiße, westliche Blickregime und kapitalistisches Kalkül vorführen will und dabei beachtlich erfolgreicher ist. Obwohl um Selbstreflexion bemüht, ringt die ambivalente Auseinandersetzung selbst mit den Blickregimen und dem kapitalistischen Kalkül, das sie kritisiert. Zwei Expeditionen, eine im Jahr 1996 und eine dreißig Jahre später, fungieren als Spiegel medialer Machtpositionen und kolonialistischer Hybris. 

Das erste Kapitel zeigt die Originalaufnahmen von 1996, als der schwedische Journalist Erling Söderström und Sydney Possuelo, ein brasilianischer Sertanista mit der speziellen Aufgabe, unkontaktierte indigene Stämme aufzuspüren, mit einem kleinen Team aus Filmleuten und Hobby-Anthropologen im brasilianischen Dschungel den Stamm der Korubo kontaktierten. Das zweite Kapitel zeigt Söderström’s erneuten Besuch jener mittlerweile radikal veränderten Welt, die laut seiner sentimentalen Sentenzen “sein Herz berührt hat”. Um an dieser Begründung zu Zweifeln, braucht es nichtmal das aus besagter Begegnung entstandene zweifelhafte Werk. 

First Contact: Hidden Tribes of the Amazon zeigt Söderströms und Possuelos erschreckend bedenkenloses Eindringen in das Gebiet der Korubo. Deren Vorbehalte gegen die Eindringlinge und Filmaufnahmen ignorieren Söderström und sein Team ebenso wie das Risiko, das ihr Auftauchen für die Korubo bedeutet. Ihr infantilisierendes, übergriffiges Auftreten bedarf im Grunde keiner Dekonstruktion. Genauso wenig wie die Person Söderströms, der sich als „Journalist in einer Welt ohne Grenzen“ beschreibt. Es braucht selbst für europäische Verhältnisse verdammt viele materielle, nationale, soziale und strukturelle Privilegien, um die Welt als grenzenlos zu empfinden. 

Doch er will mehr: Öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung, wie sie die drei Preise auf kleineren Film Festivals, die er für sein knapp über 50 Minuten langes Werk erhalten hat, repräsentieren. Doch als er von Grossman begleitet zu den Korubo aufbricht, ist auch dort die Zeit nicht stehengeblieben wie auf Söderströms antiker Website zu seinem Claim to Fame. Die Forderung deren Vertreter, den Stamm an dem mit ihrer Vorführung erwirtschafteten Profit teilhaben zu lassen und für die folgenschweren Eingriffe in ihre Welt und ihr Leben zu kompensieren, empört ihn regelrecht.

Fazit

Enthüllender als die suprematistische Selbstgerechtigkeit und der rassistische Reaktionismus, die sich bei Nathan Grossmans Quasi-Kollegen zeigen, sind die impliziten imperialistischen Ideologien der Perspektive des Regisseurs. Er scheint sich der eigenen vermeintlichen Überlegenheit über die ältere Generation weißer Eindringlinge ebenso sicher wie seiner anthropologischen Aufgeklärtheit. Dass auch er den Besuch und das Bildmaterial der Korubo zu Karrierezwecken und kinematographischer Verwertung einsetzt - kurioserweise sogar ebenfalls mit Aussicht auf einen Festival-Preis - offenbart die hartnäckige Reproduktion missionarischer Mythen gerade dort, wo sie revidiert werden sollten. 

Kritik: Lida Bach

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