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Quelle: themoviedb.org
Big baby
  • 105 Min
  • Regie
  • Drehbuch
  • Cast

Inhalt

Als ein ungeplantes Baby, das den Spitznamen Guava erhält, in das Leben der konservativen Mutter Cuc, ihrer psychisch beeinträchtigten Tochter Mai und ihres distanzierten schwulen Sohnes Nông tritt, unternehmen die drei mithilfe von Tagebüchern und Familienfotos eine Reise in die Vergangenheit.

Kritik

Es sind die kleinen melancholischen Momente zwischen naiver Romantik und harscher Realität, die Nông Nhật Quangs intimer Familien-Chronik ihre universelle emotionale Resonanz verleihen. Ein nächtlicher Spaziergang des vietnamesischen Regisseurs mit seiner älteren Schwester Mai, die einen sentimentalen Song auf ihrem Handy mitsingt und sagt, diese Melodie gibt ihr das Gefühl, alles werde gut. Oder eine chaotische Tour der erwachsenen Geschwister, die sich nach Jahren der Entfremdung in einer Krise wieder annähern, durch die hektischen Großstadt-Straßen. 

Solche sensiblen Szenen von fast cineastischer Melodramatik treffen auf bissigen Humor, beiläufige Verletzungen und schmerzliche Situationen. Alle vereint der Kontrast elterlicher Erwartungen zur komplizierten Realität verwandtschaftlicher Beziehungen. Jene wachsen und wandeln sich organisch über die Jahre, die Quang mal anhand von Fotos und Tagebuch-Einträgen im Zeitraffer vorbeiziehen lässt, mal in Großaufnahme betrachtet. Dialogisch verflochten verdichten sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem visuell und emotional gleichermaßen energetischen filmischen Familienporträt. Dessen psychologische Nuancen verleihen selbst konventionellen Konflikten Komplexität. 

Bittersüße Erinnerungen an seine Kindheit im ländlichen Băc Hà in der nordöstlichen Provinz Lào Cai nahe der chinesischen Grenze etablieren die familiären Strukturen und Spannungen. Die konservative Mutter Cuc will „normale“ Kinder. Weder Mais schizophrene Schübe noch Quangs Coming-out passen in dieses Konzept. Dafür allerdings der Titelheld, Spitzname: Baby Guava: ein perfektes Enkelkind aus der standesamtlichen straighten Partnerschaft Mais und ihres Gatten Duc Anh. Seine Ankunft triggern Mais neuropsychologische Leiden, die das belastete Familiengeflecht weiter strapazieren. 

Fazit

Sieben Jahre grub sich Nông Nhật Quang durch bergeweise Archivmaterial, um seine mitreißende Mischung aus Autobiografie und Gemeinschaftsstudie zusammenzustellen. Fotos, Heim-Videos, Tagebucheinträge, mitgeschnittene Telefonanrufe, Handy-Clips und Kassetten mit vietnamesischen Pop-Songs schaffen ein lebendiges Bild familiären Wachstums auf mehreren Ebenen. Formale Dynamik und die empathische Darstellung der Familienmitglieder, die in ihren charakterlichen Widersprüchen greifbar werden, liefern das dramaturgische Momentum. Ein Hauch Reality-Soap liefert den eigenwilligen Charme der Story einer dysfunktionalen Familie im Zwiespalt zwischen Normativität und Individualität.

Kritik: Lida Bach

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