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Inhalt

Manchmal kann ein kleiner Unfall auch ein unverhoffter Glücksfall sein. Louise lebt auf einem Birnenhof in der Provence und kümmert sich seit dem Tod ihres Mannes um den Birnenanbau. Doch die Bank will den Kredit zurück, die Abnehmer zweifeln an ihrer Kompetenz und dann fährt sie auch noch einen Fremden vor ihrem Haus an. Pierre, so heißt der verletzte Mann, scheint irgendwie anders zu sein. Er ist verdammt ordentlich, frappierend ehrlich, ein Eigenbrötler, der am liebsten Primzahlen zitiert.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wieder einmal schafft es hier jemand, aus einem vielsagenden, wunderschönen französischen Titel eine nichtssagende Kaffeekränzchenrunde zu basteln. Da wird aus dem Geschmack der Wunder also Birnenkuchen mit Lavendel. Klingt ein wenig nach belangloser Sommerkomödie, wie sie zuletzt in Massen aus Frankreich kamen. Meistens konnten sie dann gleich auch in Massen vergessen werden. Hier läuft erfreulicherweise aber einiges anders.

Denn, und da kommt man zurück auf den Originaltitel, wundersam geht es hier tatsächlich zu. Louise (Virginie Efira) hat es nicht leicht. Der Mann ist gestorben, die Banken wollen Geld. Und dann fährt sie noch einen Fremden an, der wie aus dem Nichts auf der Straße vor ihr auftaucht. Pierre (Benjamin Lavernhe) erinnert sich an nichts, findet aber die auftauchenden Polizisten höchst bedrohlich. Louise nimmt ihn notgedrungen mit zu sich nach Hause. Relativ schnell stellt sich heraus, dass Pierre irgendwo zwischen Autismus und Asperger pendelt. Hier nimmt Birnenkuchen mit Lavendel dann aber Züge an, die Filme dieser Art in den letzten Jahren arg vermissen ließen.

Denn Pierre ist weit davon entfernt, zum kränklichen Glücksbringer oder zur Lachnummer herabstilisiert zu werden. Auch behält der Film über die komplette Laufzeit hinweg seine märchenhafte Art und Weise. Deswegen wird trotzdem deutlich gemacht, dass Pierre zwar eine Krankheit hat. Nur verzichtet der Film darauf, diese durchgängig auch als abschreckend zu benennen. Vielmehr entwickelt sich ein alternatives Lebensbild, auf welches das Label „Krank“ letzten Endes nur mehr schlecht passt. Éric Besnard nimmt das Pathologische aus der Angelegenheit heraus.

Diese Ablenkung ist dann auch dringend notwendig, denn beide Seiten kämpfen mit zahlreichen Problemen. Finanzieller Ruin auf der einen Seite, erzwungene Vormundschaft auf der anderen. Die Gratwanderung, dabei die Figuren so zu belassen wie sie sind, und stattdessen den Blickwinkel des Zuschauers auf sie zu verändern, die gelingt hier außerordentlich gut. Da braucht es auch gar keine aufgebauschte Liebesgeschichte oder das totreiten der ganzen, herrlich unlustigen Klischees die sich sonst in solchen Filmen die Klinke in die Hand geben. Das emotionale Spiel von Virginie Efira und die zurückhaltende Art von Benjamin Lavernhe ergänzen sich dabei ganz wunderbar. Auch die teils schrulligen Nebenrollen sind überzeugend ausgefüllt, die kleine Dorfgemeinschaft wird schön schräg zum Leben erweckt. Über all das ergießen sich helle, freundliche Farben und eine gute Dosis Weichzeichner, um dem Film ein magisch entrücktes Feeling zu verpassen.

Fazit

So dürfte Wohlfühlen auf Französisch gehen. Eine ruhige, dafür aber wunderschöne Geschichte um das Anderssein und die Selbstfindung . Ein bisschen märchenhaft, aber niemals kitschig, mit Respekt vor seinen Figuren und ihren Umständen. Birnenkuchen mit Lavendel dürfte das eine oder andere Lächeln ins Gesicht seiner Zuschauer zaubern.

Autor: Sandra Scholz

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